NewsMedizinStammzellen produzieren Insulin und heilen Diabetes in Mäusen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Stammzellen produzieren Insulin und heilen Diabetes in Mäusen

Freitag, 10. Oktober 2014

Mikroskopische Aufnahme von Stammzellen /dpa

Boston – US-Forschern ist ein wichtiger Teilschritt zu einer möglichen Heilung des Typ 1-Diabetes mit Stammzellen gelungen. In Cell (2014; 159: 428-439) beschreiben sie ein Verfahren zur Massenproduktion funktioneller Beta-Zellen, die nach einer Transplan­tation in Mäusen den Blutzucker kontrollierten. Ein wichtiges Problem bleibt jedoch noch ungelöst.

Die Bildung von Beta-Zellen, deren Zerstörung im Pankreas zum Typ 1-Diabetes führt, gehörte nach der Isolierung embryonaler Stammzellen, die 1998 gelang, zu den ersten Projekten der Stammzellforscher. Die Aufgabe war jedoch schwieriger als erwartet. Auch die 2007 aus Hautzellen generierten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) ließen sich nicht ohne weiteres in die hoch-spezialisierten Beta-Zellen verwandeln, die nicht nur Insulin produzieren, sondern – ebenso wichtig für den Erfolg der Therapie – den Blut­zucker messen müssen.

Anzeige

Wenn die Angaben in Cell zutreffen, dann hat die Gruppe um Douglas Melton vom Har­vard Stem Cell Institute in Boston möglicherweise das notwendige Rezept gefunden. Mittels fünf verschiedenen Wachstumsfaktoren und weiteren 11 chemischen Zusätzen konnten die Forscher embryonale Stammzellen und IPS „überreden“, die einzelnen Entwicklungsschritte der Embryologie nachzuvollziehen. Der Weg führte über das innere Keimblatt (Endoderm), Pankreasvorläufer- und endokrine Vorläuferzellen hin zu den Beta-Zellen der Langerhans-Inseln.

Die Produktion nahm 35 Tage in Anspruch, lieferte am Ende aber pro 500 ml Ansatz 200 Millionen Beta-Zellen, genügend um im Prinzip einen Patienten mit Typ 1-Diabetes damit zu behandeln. Erste Experimente an Mäusen zeigen, dass die transplantierten Zellen in der Lage sind, den Blutzucker zu kontrollieren und Mäuse von einem Typ 1-Diabetes zu heilen. Mittlerweile hat Melton Experimente an weiteren Tieren, einschließlich Primaten begonnen.

Sollten diese Experimente erfolgreich verlaufen, stünde im Prinzip einer klinischen Studie nichts im Weg. Die Erfahrungen mit Inselzelltransplantationen (aus dem Pankreas von Organspendern gewonnen) haben gezeigt, dass sich Beta-Zellen nach einer Infusion in die Pfortader in der Leber ansiedeln und Insulin produzieren. Bei einer Transplantation von Beta-Zellen aus Stammzellen könnte auf eine Immunsuppression verzichtet werden, da die Zellen vom Immunsystem nicht als fremd angesehen werden.

Attackiert würden sie dennoch, denn die Antikörper, die für die Autoimmunerkrankung Typ 1-Diabetes verantwortlich sind, würden auch die aus Stammzellen generierten Beta-Zellen angreifen und möglicherweise nach kurzer Zeit zerstören. Immunsuppressiva könnten dies zwar verhindern, doch die Nachteile dieser Behandlung  wären größer als mehrmals tägliche Insulininjektionen. Konventionelle Inselzelltransplantationen werden deshalb nur an Patienten durchgeführt, die wegen einer Nierentransplantation ohnehin immunsuppressiv behandelt werden müssen.

Um eine langfristige Blutzuckerkontrolle zu erzielen, müssten die Beta-Zellen vor dem Angriff des Immunsystems geschützt werden. Melton sucht deshalb nach Möglichkeiten, die Beta-Zellen vor der Transplantation zu verkapseln. Auch wenn längst nicht alle Schwierigkeiten überwunden sind, scheint den US-Forschern doch ein kleiner Durch­bruch gelungen zu sein.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. September 2020
Lund - Ein Bluttest könnte in Zukunft anzeigen, ob Metformin, das Erstmedikament zur Behandlung des Typ 2-Diabetes, von den Patienten vertragen wird und ein Abfall des HbA1c-Werts zu erwarten ist. Die
Epigenetischer Test könnte Wirksamkeit von Metformin vorhersagen
17. September 2020
Berlin – Für die Behandlung der rund 32.000 Kindern mit Diabetes mellitus in Deutschland stehen heute modernste Therapien und Technologien zur Verfügung. Dennoch beobachten Experten eine zunehmende
Qualifizierte Versorgung von Kindern mit Diabetes zunehmend gefährdet
16. September 2020
Silver Spring/Maryland – Das Risiko von Amputationen ist unter der Behandlung mit dem SGLT2-Inhibitor Canagliflozin nicht so hoch wie bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die
Canagliflozin: FDA streicht umrahmten Warnhinweis zu Amputationen
10. September 2020
Berlin – Mängel bei der Früherkennung und der Versorgung eines Gestationsdiabetes kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). In Deutschland hat sich die Erkrankungsrate für einen
Mehr Engagement gegen Schwangerschaftsdiabetes gefordert
9. September 2020
Berlin – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) warnt, dass Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus zunehmend schlechter versorgt und in Schule und Alltag benachteiligt würden. Auf den ersten
Kinder und Jugendliche mit Diabetes in Schule und Alltag weiter benachteiligt
3. September 2020
Kiel – Kann das SARS-CoV-2 die Betazellen zerstören und dadurch einen Typ-1-Diabetes auslösen? In vielen Ländern haben Diabetologen während der ersten Welle der COVID-19-Pandemie ungewöhnliche
Kasus: SARS-CoV-2 könnte Typ-1-Diabetes ausgelöst haben
1. September 2020
Heidelberg – SUMO-Proteine („Small Ubiquitin-related MOdifier“) spielen bei der diabetischen Neuropathie offenbar eine bedeutende Rolle. Das berichten Wissenschaftler um Rohini Kuner,
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER