Medizin

Gesunder Lebensstil senkt Darmkrebsrisiko

Sonntag, 12. Oktober 2014

Potsdam-Rehbrücke – Wer nicht übergewichtig ist, nicht raucht, Alkohol nur in Maßen konsumiert, körperlich aktiv ist und sich gesund ernährt, kann sein Darmkrebsrisiko um ein Drittel vermindern. Dies geht aus einer neuen Auswertung der prospektiven Beobachtungsstudie EPIC in BMC Medicine (2014,12: 168) hervor.

Darmkrebs tritt besonders häufig in Ländern mit westlichem Lebensstil auf, und frühere Studien hatten bereits Übergewicht/Adipositas, Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung als wesentliche Risikofaktoren ermittelt. Das Team um Krasimira Aleksandrova vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIFE) hat jetzt erstmals untersucht, wie sich die gemeinsame Vermeidung der fünf ungünstigen Lebensstilmerkmale auf das Darmkrebsrisiko auswirkt.

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Grundlage waren Daten aus der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), an der in zehn europäischen Ländern mehr als eine halbe Million Erwachsene teilgenommen hatten. Unter den 347.237 Frauen und Männern, die in die Untersuchung einflossen, waren während der Nachbeobachtungszeit von 12 Jahren 3.759 an Darmkrebs erkrankt.

Die Untersuchung, die Alter, Geschlecht und Ausbildungsstand berücksichtigt, kommt zu dem Schluss, dass Studienteilnehmer, die zwei der gesundheitsfördernden Merkmale aufwiesen, im Vergleich zu Personen, auf die kein oder nur ein günstiges Lebensstil­merkmal zutraf, ihr Darmkrebsrisiko um 13 Prozent senken (Hazard Ratio HT 0,87; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,44-0,77).

Wiesen die Teilnehmer drei der untersuchten Merkmale auf, sank ihr Erkrankungsrisiko um 21 Prozent (HR 0,79; 0,70-0,89). Bei vier Merkmalen war das Risiko sogar um 34 Prozent vermindert (HR 0,66; 0,58-0,75). Kamen alle fünf Merkmale zusammen, sank das Risiko um 37 Prozent (HR 0,63; 0,54-0,74). Solch eine gesunde Lebensweise ist in Europa allerdings selten. Gerade einmal 10,9 Prozent der Teilnehmer erreichten auf einem Index zum Gesundheitsverhalten die volle Punktzahl.

Eine Änderung der Lebensführung könnte nach den Berechnungen Aleksandrovas bis zu 22 Prozent der Darmkrebs-Neuerkrankungen bei Männern und bis zu 11 Prozent der Erkrankungen bei Frauen vorbeugen. Entsprechende Präventionsstrategien könnten ihrer Ansicht nach wesentlich dazu beitragen, ein frühes und häufiges Auftreten dieser Krebsform zu vermeiden und damit viel persönliches Leid zu verhindern.

© rme/aerzteblatt.de

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