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Politik

Deutschland kann bis zu 50 Ebola-Patienten aufnehmen

Montag, 13. Oktober 2014

In Spanien trainieren Hilfskräfte das An- und Ausziehen von Schutzkleidung /dpa

Berlin – Deutschland ist auf die Aufnahme von bis zu 50 Ebola-Patienten vorbereitet. Derzeit ist nach Angaben der Bundesregierung aber kein neuer Fall konkret absehbar. „Wir sind mit den 50 Betten deutlich über dem, was alle unsere Nachbarn hier vorhalten“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) am Montag in Berlin. Damit sei Deutschland gut gerüstet.

Bisher wurden drei nichtdeutsche Helfer auf internationale Anfrage hin zur Behandlung nach Hamburg, Frankfurt/Main und Leipzig geflogen. Der Patient in Hamburg ist nach mehrwöchiger Behandlung inzwischen geheilt. Deutschland ist auch bereit, weitere Patienten ins Land zu lassen, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts deutlich machte.

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Gröhe hält es für sehr unwahrscheinlich, dass Ebola versehentlich eingeschleppt wird. „In unserem eigenen Land besteht nach Einschätzung aller Experten nur eine sehr, sehr geringe Wahrscheinlichkeit überhaupt, dass es zu einer Ebola-Erkrankung über Einreise eines Erkrankten kommen kann.“ Dennoch bereite man sich auf solche Fälle vor. Deutschland habe dafür sieben Behandlungszentren mit Isolierstationen und vier spezialisierte Flughäfen.

EU berät am Donnerstag über Vorsorgemaßnahmen
An diesem Donnerstag beraten Ge­sund­heits­mi­nis­ter und andere Vertreter aus der EU darüber, ob die getroffenen Maßnahmen gegen Ebola ausreichen. Diskutiert werden soll vor allem über Ankunftskontrollen. Auch Gröhe wird an dem Treffen in Brüssel teilnehmen.

Auch in den Bundesländern werden weitere Vorsorgemaßnahmen getroffen. Gegen mögliche Ebola-Fälle rüstet sich unter anderem Niedersachsen in den Erstaufnahme­einrichtungen für Flüchtlinge. Eine Strategiegruppe  treffe Vorsorgemaßnahmen, sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD). Demnach sind die Gesund­heitsstationen nun rund um die Uhr geöffnet, für Untersuchungen wurden separate Räume eingerichtet. Zudem wird das Personal geschult.

Ansteckung in USA und Spanien noch unklar
In den USA und in Spanien beschäftigen sich die Behörden damit, die Ansteckungen von zwei Klinikmitarbeiterinnen bei der Pflege von Ebola-Patienten aufzuklären. In Dallas (US-Bundessaat Texas) seien die Vorschriften zu irgendeinem Zeitpunkt nicht einge­halten worden, sagte der Chef der US-Seuchenbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention), Tom Frieden. Schon ein einziger Fehler könne zur Ansteckung führen. Präsident Barack Obama forderte eine rasche Aufklärung. Die Frau hatte einen Mann aus Liberia gepflegt, dessen Krankheit erst in den USA ausgebrochen war.

Erst kürzlich hatte sich eine Pflegehelferin in Spanien bei einem Patienten angesteckt. Sie soll sich beim Ausziehen des Schutzanzugs mit einem Handschuh versehentlich ins Gesicht gefasst haben. Die Gesundheitsbehörden des Landes gehen von einem Einzelfall aus. Es seien keine weiteren Infektionen aufgetreten, teilte der Mediziner Fernando Rodríguez im Anschluss an eine Sitzung der Ebola-Sonderkommission der Regierung mit. Die Klinik-Mitarbeiterin hatte sich in Madrid bei einem Geistlichen angesteckt, der aus Afrika ausgeflogen worden war. Er ist inzwischen gestorben.

Freiwillige medizinische Helfer können sich über das Deutsche Rote Kreuz für diesen Hilfseinsatz melden: https://drkhrnet.drk.de/Home
Aktion Deutschland Hilft, Spenden-Stichwort: Ebola, Spendenkonto: 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00

Sowohl der Patient in Spanien als auch der in den USA hätten bereits starke Symptome und damit eine sehr hohe Viruslast gehabt, erläuterte Christian Drosten vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn. Damit sei das Risiko für eine Übertragung in beiden Fällen vergleichsweise hoch gewesen. Das Ausziehen des Schutzanzuges sei ein komplexer Prozess, bei dem die Reihenfolge einzelner Handgriffe exakt eingehalten werden müsse.

WHO: Mehr als 4.000 Tote
Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat inzwischen weit über 8.000 Ebola-Fälle in den drei am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone registriert. Mehr als 4.000 Menschen starben. Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

Das katholische Hilfswerk Misereor beteiligt sich mit einer Soforthilfe von 400.000 Euro an der Bekämpfung der Ebola-Epidemie, hieß es am Montag. Um die Verbreitung der Krankheit eindämmen zu können, rief Misereor-Chef Pirmin Spiegel zu weiteren Spenden auf.

Laut Missionsärztlichem Institut steigt de Zahl von Neu-Infizierungen weiter an. Demnach haben 30 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu Gesundheitsdiensten. Der Tro­penmediziner Klemens Ochel sagte am Montag, weitere Hilfe sei nötig, denn „die internationalen Akteure haben die Epidemie noch längst nicht im Griff“.

Westafrika wird von Hungersnot bedroht
Die Welthungerhilfe warnte vor den Folgen der Ebola-Epidemie in Westafrika für die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Die Epidemie werde „in den kommenden Monaten erhebliche Auswirkungen auf die Ernährungslage in den betroffenen Ländern haben", sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann.  „Die Welt muss jetzt stärker zusammenrücken, um diesen Herausforderungen zu begegnen“, fügte Dieckmann hinzu. „Wir brauchen den Mut zu bedingungsloser Solidarität.“ © dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

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