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Medizin

Melioidose: Erkrankung im Rhein-Neckar-Kreis

Montag, 13. Oktober 2014

Heidelberg – Wer regelmäßig an Kreuzfahrten in ferne Länder teilnimmt, ist vor exotischen Infektionen nicht immer sicher. Aus Anlass einer Erkrankung im Rhein-Neckar-Kreis macht das Robert Koch-Institut auf die Melioidose aufmerksam, die in Südostasien und Nordaustralien weit verbreitet ist, in Deutschland aber selten diagnostiziert wird.

Die 72-jährige Frau, über die Oswinde Bock-Hensley vom Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg berichtet, hat in den letzten zehn Jahren viele Schiffsreisen in asiatische Länder, Europa und Lateinamerika unternommen. Verletzungen oder Erkrankungen hat sie niemals erlitten, doch als sie im Sommer 2013 einen schmerz­haften Abszess am linken Oberschenkel entwickelte, wiesen Mikrobiologen im Wundsekret einen Erreger nach, den es in Deutschland nicht gibt: Burkholderia pseudomallei ist in Südostasien und Nordaustralien verbreitet.

Dort kommt das gram-negative bewegliche, stäbchenförmige Bakterium im Wasser und im Boden vor. Gelangt es über einen Hautdefekt oder durch Inhalation oder Verschlucken in den Körper, kann es zu schweren, unter Umständen lebensgefährlichen Infektionen kommen.

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In Nordost-Thai- land verursacht B. pseudomallei bis zu 20 Prozent der ambulant erworbenen septischen Krankheitsbilder, wie Tropenmediziner der Universität Düsseldorf 2005 im Deutschen Ärzteblatt berichten. Nach dem Tsunami, der am zweiten Weihnachts­tag 2004 zahlreiche Küsten am Indischen Ozean überschwemmte, waren erstmals auch zwei Erkrankungen bei Touristen aus Deutschland bekannt geworden.

Die jetzige Infektion ist erst der dritte dokumentierte Fall, doch Bock-Hensley vermutet, dass die Erkrankung möglicherweise häufiger übersehen wird. Zum einen wird die Erkrankung selten mit einer Reise in Verbindung gebracht. Die Inkubationszeit liege im Durchschnitt zwischen einem und 21 Tagen, könne aber auch mehrere Jahre betragen.

Zum anderen sei die Erkrankung sehr vielgestaltig. Betroffen sind neben der Haut auf die Harnwege oder die Lungen. Die Erkrankung wird auch als Pseudorotz (Whitmore's Disease) bezeichnet. Wenn es zu einer Sepsis kommt, betrage die Mortalitätsrate bis zu 80 Prozent, berichtet Bock-Hensley. Hinzu kommt, dass Antikörpertests nicht verlässlich sind. Auch bei der Patientin aus dem Rhein-Neckar-Kreis fiel der Test zweimal negativ aus.

Die Behandlung der Melioidose ist sehr langwierig. Auch nach längerer Antibiotikagabe sind Rezidive möglich. Die Patientin wurde laut Bock-Hensley über 20 Wochen oral mit Trimethoprim-Sulfamethoxazol behandelt. © rme/aerzteblatt.de

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