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Medizin

Fäkal-Kapseln heilen C. difficile-Diarrhö

Montag, 13. Oktober 2014

dpa

Boston – Gastroenterologen aus Israel und den USA haben die Stuhltransplantation, eine äußerst effektive aber nicht gerade appetitliche Behandlung der C. difficile-Diarrhö, in eine Form gebracht, die die Behandlung für größere Patientengruppen interessant machen könnte. Ihre säurefesten Fäkal-Kapseln heilten in einer offenen Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi: 10.1001/jama.2014.1387519) 18 von 20 Patienten von ihrer Dysbiose.

Eine Antibiotikabehandlung kann insbesondere bei älteren Patienten zu einer Gleichge­wichtsstörung der Darmflora mit einer starken Vermehrung von Clostridium difficile führen. Diese Dysbiose kann durch weitere Antibiotikatherapien nicht immer korrigiert werden. Es entwickelt sich eine chronische C. difficile-Infektion (CDI), die durch Diarrhö, Ileus, pseudomembranöse Colitis, toxisches Megakolon, Darmperforationen oder Sepsis das Leben der Patienten gefährdet.

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In den letzten Jahren haben mehrere Gruppen über Erfolge mit einer Stuhltrans­plantation berichtet, deren Ziel die Normalisierung der Darmflora ist. Zuletzt hatten auch das Massachusetts General Hospital in Boston gute Erfahrungen mit der fäkalen mikrobiellen Transplantation (Fecal microbiota transplantation, FMT) gemacht.

Ein Pferdefuß der Behandlung ist ihre umständliche Anwendung. Die Stuhlproben müssen aus den Exkrementen einer gesunden Person aufbereitet und – da es sich um lebende Bakterien handelt – zeitnah über eine Magensonde oder einen Einlauf in den Darm der Patienten geleitet werden. Um die Therapie einfacher zu gestalten, haben die US-Gastroenterologen mit Medizinern der Universität Tel Aviv eine orale Formulierung entwickelt, die auf eine Akzeptanz bei den Patienten hoffen darf.

Die Exkremente von sorgfältig auf ihren Gesundheitszustand untersuchten Spendern wurden zunächst mit einem Mixer homogenisiert und dann filtriert, um den Überstand dann in Kapseln zu pipettieren, die sofort auf minus 80 Grad gefroren wurden. Erst kurz vor der Einnahme wurden sie wieder aufgetaut und auf Körpertemperatur erwärmt, um sie dann den 20 Patienten der Studie zu reichen. Die Patienten im mittleren Alter von 64,5 Jahren hatten zuvor wenigstens drei Episoden einer milden bis mittelschweren CDI erlitten, die sich nach einer Therapie mit Vancomycin nicht gebessert hatte. Oder sie hatten mindestens zwei Episoden einer schweren CDI hinter sich, die eine Hospita­lisierung erforderlich gemacht hatten.

Die Patienten – die 48 Stunden vorher fasten mussten, ansonsten aber keine Darmvorbereitung erhielten – nahmen an zwei aufeinander folgenden Tagen jeweils 15 Kapseln ein. Wie das Team um Ilan Youngster vom Massachusetts General Hospital berichtet, kam es bei 14 Patienten zu einer klinischen Ausheilung der Diarrhö. Sie blieben danach über acht Wochen symptomfrei. Die anderen sechs Patienten wurden nach sieben Tagen erneut behandelt. Dieses Mal kam es bei vier Patienten zur Ausheilung der CDI, so dass Youngster die Heilungsrate mit insgesamt 90 Prozent angibt.

Dies entspricht den Ergebnissen früherer Studien, darunter auch einer kleinen randomisierten Studie aus den Niederlanden, die im letzten Jahr im New England Journal of Medicine (2013; 368:407-415) publiziert wurde. Dort wurden 15 von 16 Patienten kuriert, davon 13 im ersten Versuch. In dieser Studie war eine Therapie mit Vancomycin (mit/ohne Darmlavage) nur bei 7 von 26 erfolgreich.

Die Aufbereitung in tiefgekühlten Kapseln, die von den Patienten ohne Ekel akzeptiert werden, könnte die Therapie, die auch in Deutschland vereinzelt an Kliniken angeboten wird, für einen weiteren Personenkreis erschließen. Gewisse Bauchschmerzen bereitet die Methode nur noch den Arzneimittelbehörden.

Dort wird mit Besorgnis registriert, dass die Patienten bei der FMT einer unübersehbaren Zahl von potenziellen Krankheitserregern ausgesetzt werden, ohne dass deren Identität im Einzelnen bekannt ist oder deren Menge quantifiziert wurde. Die US-Behörde FDA toleriert die FMT derzeit nur als Heilungsversuch, eine abschließende Bewertung steht noch aus. © rme/aerzteblatt.de

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