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Medizin

Krebspatienten brauchen psychotherapeutische Begleitung

Dienstag, 14. Oktober 2014

dpa

Leipzig/Bonn – Jeder dritte Krebspatient kämpft mit Angst, Anpassungsschwierigkeiten oder Depressivität. Das berichten Wissenschaftler um Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, und Anja Mehnert von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Leipzig im Journal of Clinical Oncology (doi 10.1200/JCO.2014.56.0086). Für ihre von der Deutschen Krebshilfe unterstützte Studie befragten sie bundesweit mehr als 4.000 Patienten zwischen 18 und 75 Jahren.

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„Durchschnittlich 32 Prozent aller von uns im Rahmen von klinischen Interviews befragten Krebspatienten benötigten psychoonkologische Hilfe“, erläutert Mehnert. Etwa sechs Prozent der Befragten litten unter zwei verschiedenen Störungen, während die Wissenschaftler bei eineinhalb Prozent der Teilnehmer drei oder mehr Störungen diagnostizierten.

Angststörungen sind am häufigsten
Häufigste Begleiter einer Krebserkrankung sind laut der Studie Angststörungen. Jeder siebte Studienteilnehmer litt darunter. Fast jeder neunte Betroffene hatte mit Anpassungs­­­störungen – also mit Schwierigkeiten, sich an die neue Lebenssituation anzupassen – zu kämpfen. Am dritthäufigsten waren depressive Störungen, jeder fünfzehnte Patient war davon betroffen. Auch somatoforme Erkrankungen, also körperliche Beschwerden ausgelöst durch den Stress der Erkrankung, Substanz­missbrauch oder Alkoholabhängigkeit gehörten zum Spektrum der psychischen Störungen.

Auch Krebsart beeinflusst psychonkologische Behandlung
„Auch die Krebsart, an welcher der Betroffene erkrankt ist, spielt eine wichtige Rolle nicht nur bei der medizinischen Therapie, sondern auch bei der psychoonkologischen Behandlung“, sagte Koch-Gromus. Besonders gefährdet waren Betroffene, die an Brustkrebs, schwarzem Hautkrebs oder einem Tumor des Kopf- oder Halsbereiches erkrankt sind: 42 Prozent aller Brustkrebsbetroffenen benötigten psychoonkologische Hilfe, bei Kopf- oder Halstumoren waren es 41 Prozent, bei Hautkrebs 39 Prozent. Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs (20 Prozent), Magen- oder Speiseröhrenkrebs (21 Prozent) und Prostatakrebs (22 Prozent) waren vergleichsweise weniger häufig betroffen.

Auch viele andere Faktoren, wie etwa Alter oder soziales Umfeld müssen berücksichtigt werden“, so Gromus. Daher benötige jeder Patient auch auf seelischer Ebene eine auf ihn maßgeschneiderte Behandlung.

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betonte, für eine bedarfsgerechte Versorgung fehlten immer noch die notwendigen Versorgungsstrukturen und deren Finanzierung. „Nach wie vor sind hier Gesundheitspolitik und Kostenträger gefordert“, so Nettekoven.

© hil/aerzteblatt.de

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