NewsÄrzteschaftKBV kritisiert Verpflichtung zum Aufkauf von Arztsitzen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

KBV kritisiert Verpflichtung zum Aufkauf von Arztsitzen

Mittwoch, 15. Oktober 2014

dpa

Berlin – „Es wird mit diesem Gesetz nicht einfacher werden, die flächendeckende ambulante Versorgung auch in Zukunft zu sichern. Die Handlungsfähigkeit der Kassen­ärztlichen Vereinigungen wird alles andere als gefördert. Zudem wird zusätzliche Büro­kratie etabliert.“ Mit diesen Worten hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, den Referentenentwurf des GKV-Versor­gungs­stärkungsgesetzes kommentiert. Gassen kritisierte vor allem die Verpflichtung der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), Arztsitze in sogenannten überversorgten Gebieten aufzukaufen.

„Damit wird die Niederlassung für Haus- und Fachärzte unsicherer“, warnte Gassen. Für den medizinischen Nachwuchs werde so kein Anreiz geschaffen, in die eigene Praxis zu gehen. Der KBV-Vorstandsvorsitzende rechnet mit dem Wegfall von Praxen von über 25.000 niedergelassenen Ärzten und Psychologischen Psychotherapeuten. „Diese politische Entscheidung ist vollkommen unverständlich“, urteilte er: „Wie kann man sich auf der einen Seite über zu lange Wartezeiten beklagen, auf der anderen Seite aber ein Praxis-Abbauprogramm betreiben?“

Kollege als Nachfolger: Erst nach drei gemeinsamen Jahren 
Der Gesetzentwurf sieht vor, die „Kann-Regelung“ in Paragraf 103 Sozialgesetzbuch V (Zulassungsbeschränkungen) zu verschärfen: Bisher konnte ein Zulassungsausschuss es ablehnen, einen Vertragsarztsitz in einem überversorgten Planungsbereich neu zu besetzen. Nun soll er es. Vorgesehen ist aber weiterhin, dass dies für (Ehe-)Partner und Kinder eines Praxisinhabers nicht gelten soll. Diese könnten die Praxis fortführen.

Auch soll nach wie vor berücksichtigt werden, ob es als Bewerber um die Praxisnachfolge eine Ärztin oder einen Arzt gibt, der bereits bei dem ausscheidenden Arzt angestellt war oder mit ihm zusammen gearbeitet hat. Auch dann könnte die Praxis wieder neu besetzt werden. Diese Option wird im Entwurf allerdings verschärft: In Zukunft muss ein solches gemeinschaftliches Arbeitsverhältnis mindestens drei Jahre gedauert haben, um einen Anspruch auf die Nachfolge zu begründen.

KBV-Vorstand Regina Feldmann kritisierte die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung. „Zum einen suchen die Krankenhäuser selber händeringend nach Ärzten. Zum anderen muss man sich fragen, ob die von Politikern gemachten Bekenntnisse zur Freiberuflichkeit nur Lippenbekenntnisse gewesen sind. Kaum ein junger Arzt wird den Schritt in die Niederlassung in strukturschwachen Regionen wagen, wenn er damit rechnen muss, dass dort Krankenhäuser für die ambulante Versorgung geöffnet oder kommunale Gebietskörperschaften Medizinische Versorgungszentren errichten werden“, befand Feldmann.

Sie bezog sich damit auf mehrere Passagen im Gesetzentwurf. So sollen die Möglich­keiten, zugelassene Krankenhäuser zur ambulanten ärztlichen Versorgung zu ermäch­tigen, erweitert werden: Die Zulassungsausschüsse müssen dies tun, wenn der Landes­ausschuss entsprechenden Bedarf festgestellt hat. Darüber hinaus können Kommunen künftig Medizinische Versorgungszentren gründen.

Lob für Regelungen zu Regressen
Positiv beurteilt der KBV-Vorstand den geplanten Wegfall von Wirtschaftlichkeits­prüfungen bei einigen veranlassten Leistungen. „Dieser Schritt ist richtig. Die Sorge vor Regressen stellt für Medizinstudenten eine große Hürde auf dem Weg zu einer mög­lichen Niederlassung dar“, sagte Feldmann. Der Entwurf sieht vor, dass die Wirtschaft­lichkeit der Versorgung in Bezug auf Arznei- oder Hilfsmittel in Zukunft nach Regeln der gemeinsamen Selbstverwaltung auf Landesebene überprüft wird. Allerdings wird die Basis der regionalen Vereinbarungen eine Rahmenvorgabe auf Bundesebene sein. Zudem soll es zukünftig zwei Ausnahmen von Wirtschaftlichkeitsprüfungen geben:  Nicht einbezogen werden sollen zum einen Verordnungen von Heilmitteln für Versicherte mit langfristigem Behandlungsbedarf und zum anderen Rabattverträge, an denen Ärzte nach Paragraf 130 a Sozialgesetzbuch V beteiligt sind.

Ein weiterer Lichtblick aus Sicht von Feldmann und Gassen: Künftig können Kassenärztliche Vereinigungen bei der Integrationsversorgung als Vertragspartner teilnehmen. Das hatte die KBV seit langem gefordert. Auch der einzurichtende Innovationsfonds wird von der KBV begrüßt. „Damit besteht die Chance, mögliche Verbesserungen in der ambulanten Versorgung zu erproben und diese schnell allen Versicherten zur Verfügung zu stellen“, bekräftigten Gassen und Feldmann. © Rie/EB/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

isnydoc
am Mittwoch, 15. Oktober 2014, 13:28

Das System Kollektivierung mittels Enteignung

Konnte man bereits bei der DDR in der Landwirtschaft studieren, erstaunlich, dass es in der grossen Koalition ohne Beteiligung der Linken ein Revival erlebt.

Nachrichten zum Thema

25. Juni 2018
München – Ein neues Ausbildungsprogramm und eine Förderung für künftige Landärzte hat das Bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­terium zusammen mit der Technischen Universität (TU) München vorgestellt. Im Rahmen
Neues Ausbildungsprogramm für künftige Landärzte in Bayern
22. Juni 2018
Saarbrücken – Viele saarländische Kommunen unterschätzen nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) den bevorstehenden Hausärztemangel. „Wir würden uns wünschen, dass die Bürgermeister ein
Vertragsärzte im Saarland vermissen Hilfe im Kampf gegen Hausärztemangel
20. Juni 2018
Berlin – In Deutschland sind immer mehr Menschen zuckerkrank. Laut der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) steigt daher auch der Bedarf an gut
Diabetologen befürchten Versorgungsengpässe wegen Ärztemangel
20. Juni 2018
Berlin – 63 Prozent der stationären Psychiatrien haben im Augenblick Probleme damit, offene Stellen im ärztlichen Dienst zu besetzen. Besonders problematisch ist die Situation in der Kinder- und
Fachkräftemangel auch in stationärer Psychiatrie zentrale Herausforderung
19. Juni 2018
Köln – Eine neue flexiblere Bedarfsplanung für Pädiater fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Eltern, die keinen Kinder- und Jugendarzt mehr für ihr Kind finden oder die
Berufsverband fordert neue Bedarfsplanung für Pädiater
15. Juni 2018
München – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bayerns hat neue Förderprogramme für die Niederlassung in unterversorgten Regionen ausgeschrieben. Sie sollen die Niederlassung attraktiver machen und so
Neue Förderprogramm der KV zur Niederlassung in Bayern
14. Juni 2018
Stuttgart – Versorgungslücken in der hausärztlichen Versorgung will die CDU-Fraktion mit einer neuen Landarztquote im Medizinstudium bekämpfen. Doch der grüne Koalitionspartner hält davon nicht viel.

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER