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Ausland

EU setzt in Ebola-Krise auf Verstärkung der Kontrollen in Westafrika

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Tony Borg /dpa

Brüssel – Um die die Ebola-Epidemie in den Griff zu bekommen, setzt die EU auf eine Verstärkung der Ausreisekontrollen in den betroffenen westafrikanischen Ländern. Die EU-Ge­sund­heits­mi­nis­ter einigten sich am Donnerstag darauf, „sofort“ mit einer Über­prüfung an Flughäfen in Liberia, Sierra Leone und Guinea zu beginnen. Unter­schiedliche Wege gehen die Europäer weiter in der Frage, ob auch bei der Ankunft in Europa kontrolliert werden muss.

Die Wirksamkeit der Abflugkontrollen in Westafrika werde zusammen mit der Weltgesund­heitsorganisation WHO überprüft, sagte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) sagte, Hilfe vor Ort sei „die beste Chance“, das Ansteckungsrisiko in Europa so gering wie möglich zu halten. Dem europäischen Flughafenverband ACI Europe zufolge wurden bisher 36.000 Passagiere bei der Ausreise aus den Ebola-Gebieten Kontrollen unterzogen.

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Uneinigkeit bei Gesundheitskontrollen mit Fiebermessen
Keine einheitliche Haltung gab zu den von mehreren EU-Ländern eingeführten Gesundheitskontrollen mit Fiebermessen bei der Einreise nach Europa. Gröhe sagte, für Länder mit direkten Flugverbindungen in das Ebola-Gebiet sei dies sinnvoll. Dazu gehört auch Belgien, das bisher noch keine solchen Kontrollen eingeführt hat. Die belgische Regierung hat Gröhe zufolge nun zugesagt, dies zu prüfen.

Ankunftskontrollen haben bereits Großbritannien, Frankreich und Tschechien eingeführt oder angekündigt. Aus Deutschland gibt es keine Direktflüge in die drei am stärksten betroffenen Länder. Nach Angaben aus der EU-Kommission kommen derzeit täglich etwa 2.350 Passagiere über elf Direktverbindungen nach Europa.

Ob das Fiebermessen auch bei der indirekten Einreise nach Europa – also über Anschlussflüge aus nicht betroffenen Ländern – sinnvoll sei, werde noch geprüft, sagte Gröhe. Vereinbart wurde dagegen laut Borg für den 4. November ein Treffen von medizinischen Experten. Sie sollen prüfen, ob die Verfahren bei der Ebola-Behandlung in Krankenhäusern verschärft werden müssen. Die bisher einzige Ansteckung innerhalb Europas hatte es in einem spanischen Krankenhaus gegeben. Betroffen ist eine Krankenschwester, die aus Westafrika ausgeflogene Infizierte gepflegt hatte.

In Frankreich wird nun aber ein womöglich ähnlicher Fall untersucht: Eine Krankenschwester sei mit einem „verdächtigen Fieber“ in ein Militärkrankenhaus gebracht worden, hieß es aus mit dem Fall vertrauten Kreisen in Paris. Laut der Zeitung Le Parisien hatte die Frau Kontakt zu einer erkrankten Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Zudem wurde ein Passagier eines Air-France Flugs nach seiner Ankunft in der spanischen Hauptstadt Madrid wegen Verdachts auf Ebola untersucht.

Betreibergesellschaft des US-Krankenhaus entschuldigt sich
Auch in den USA wuchs die Sorge vor weiteren Ansteckungen, nachdem sich in Texas eine zweite Krankenschwester mit dem Virus infiziert hatte. Dass die 29-Jährige am Tag vor ihrer Diagnose einen Inlandsflug genommen hatte, kritisierte der Leiter der US-Seuchenschutzbehörde Centers vor Disease Control (CDC), Tom Frieden. Die Krankenschwester hatte sich wie ihre einige Tage zuvor erkrankte 26-jährige Kollegin in der Klinik in Dallas angesteckt, in welcher der Liberianer Thomas Eric Duncan vergangene Woche an Ebola gestorben war.

Die Betreibergesellschaft des Krankenhauses entschuldigte sich am Donnerstag für die Pannen. Der Berufsverband der US-Krankenpfleger (National Nurses United, NNU) wirft der Klinik vor, auf einen Ebola-Fall nicht vorbereitet gewesen zu sein. Die Schutzkleidung sei unzureichend gewesen, eine Schulung der Mitarbeiter habe nicht stattgefunden.

US-Präsident Barack Obama sagte nach einem Krisentreffen im Weißen Haus am Mittwoch, die USA würden „noch energischer“ auf die Gefahr durch Ebola reagieren. Es werde sichergestellt, dass die Vorgaben für den Umgang mit Ebola „an Krankenhäuser im ganzen Land“ weitergeleitet würden. Nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) starben bislang fast 4.500 Menschen durch die Ebola-Epidemie. Ihre Experten rechnet mit einem starken Anstieg der Krankheitsfälle.

Deutschland stellt weitere 85 Millionen Euro zur Eindämmung der Epidemie bereit. Der Haushaltausschuss des Bundestages bewilligte nach Angaben von CDU/CSU vom Donnerstag diese zusätzlichen Mittel.

Mit den bereits zugesagten 17 Millionen Euro stünden insgesamt 102 Millionen Euro zur Verfügung. Langfristig werde es darum gehen, die Gesundheitssysteme in Westafrika zu stärken. Hierfür stelle Deutschland 700 Millionen Euro zur Verfügung.

Bundeswehr kauft spezielle Transportsysteme für Ebola-Erkrankte
Für die Versorgung von Ebola-Infizierten hat die Bundeswehr 20 spezielle Transport­systeme gekauft. Mit diesen könnten Patienten im Liegen zu Behandlungen geflogen werden, sagte Oberstarzt Johannes Backus, Leiter der Task Force Ebola beim Komman­do Sanitätsdienst der Bundeswehr, am Donnerstag in Koblenz. Drei Exemplare seien ausgiebig getestet worden, etwa in einer Druckkammer.

Mit 20 Systemen sei die Bundeswehr gut ausgestattet. „Mir ist kein Land bekannt, das mehr hätte.” Die jeweils rund 10 000 Euro teuren Transportisolatoren, je zehn eines österreichischen und zehn eines israelischen Herstellers, bestehen im Wesentlichen aus einer luftdichten, transparenten Plastikhülle und sind auf einer Trage angebracht. Sie sollen Ärzte und Pfleger vor Schmier- oder Tröpfcheninfektion schützen. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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