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Ausland

Weltweite Forderungen nach Unterstützung für die Bekämpfung der Ebola-Epidemie

Freitag, 17. Oktober 2014

Ein Helfer in Sierra-Leone /dpa

Berlin – Der Bundestag dringt auf weitere Hilfen für die von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten Westafrikas. Das Parlament forderte die Bundesregierung am Freitag auf, Aufklärungs- und Hygienekampagnen in Afrika zu fördern. Außerdem soll geprüft werden, ob Deutschland die klinische Prüfung eines Impfstoffes gegen Ebola fördern und weitere Flugkapazitäten für den Transport von Geräten, Medikamenten und medizinischem Personal zur Verfügung stellen kann. 

Auch die Spitzenverbände der Ärzte in Deutschland riefen Mediziner zum freiwilligen Ebola-Einsatz in Westafrika auf. Ärzte mit den erforderlichen einschlägigen Fachkom­petenzen und Sprachkenntnissen würden gebeten, sich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder anderen Organisationen zu melden, erklärten die Verbände am Freitag in Berlin. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief ebenfalls die Staatengemeinschaft zu mehr Einsatz in der Bekämpfung der Ebola-Epidemie auf.

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Lauterbach: Wir haben uns getäuscht
Der SPD-Abgeordnete und Mediziner Karl Lauterbach erklärte, bis auf die Hilfsorga­nisation Ärzte ohne Grenzen hätten alle diese Ebola-Epidemie unterschätzt. Er räumte ein: „Wir haben zu spät reagiert.“ Dies sei aber nicht aus Gleichgültigkeit geschehen, sondern weil man sich getäuscht habe.

Wie Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz am Freitag in Berlin mitteilte, steigt der deutsche Beitrag auf insgesamt knapp über 100 Millionen Euro. Mit den Geldern sollten eigene Maßnahmen sowie internationale Organisationen unterstützt werden. Die Bundesregierung schätze die Lage in den betroffenen Ländern weiterhin als „sehr besorgniserregend“ ein, so Wirtz.

Ban Ki Moon sagte in New York: „Wir müssen Versprechen zu Taten machen. Wir brauchen mehr Ärzte, Pfleger, Ausrüstung, Behandlungszentren und Evakuierungs­kapazitäten", „sehr ernst“. Nach ihrem Aufruf zu Spenden von einer Milliarde Dollar (790 Millionen Euro) sind inzwischen knapp 40 Prozent der Summe – 377 Millionen Dollar – eingegangen, wie ein Sprecher des UN-Nothilfekoordinators (Ocha) in Genf mitteilte. Weitere 217 Millionen Dollar seien zugesagt, aber noch nicht auf dem Konto. Größte Geldgeber sind die Weltbank, die USA und die Afrikanische Entwicklungsbank. „Jetzt ist die Zeit da für andere Länder, die die Möglichkeiten haben“, sagte Ban am UN-Sitz in New York. Gebraucht werde neben Geld auch logistische Unterstützung.

Bans Vorgänger Kofi Annan warf dem Westen vor, Ebola ignoriert zu haben, weil Westafrika davon betroffen ist. „Die internationale Gemeinschaft ist erst aufgewacht, als die Krankheit die USA und Europa erreicht hat“, sagte er im britischen Rundfunk BBC.

Eurpa-Asien-Gipfel fordert koordinierte Strategie
Die Teilnehmer des Europa-Asien-Gipfels in Mailand haben zu mehr internationaler Kooperation im Kampf gegen die Ebola-Epidemie aufgerufen. In der Abschlusserklärung zum Spitzentreffen wird die Ausbreitung des Virus als „ernsthafte Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit auf der ganzen Welt” bezeichnet. Es müsse eine umfassende und koordinierte Strategie gegen die Krankheit geben, heißt es in dem Dokument.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte bei dem Spitzentreffen, die Epidemie könne zu einer „schwerwiegenden humanitären Katastrophe” werden. Das Virus sei „nicht nur ein Problem einiger westafrikanischer Staaten”. An dem Gipfel nahmen bis Freitag rund 50 hochrangige Politiker aus Europa und Asien teil.

USA sendet Reservisten nach Westafrika
US-Präsident Barack Obama genehmigte die Entsendung von Reservisten nach Westafrika. Ein entsprechendes Dekret wurde am Donnerstag vom Weißen Haus in Washington veröffentlicht. Demnach wird das Verteidigungsministerium ermächtigt, Reservisten der Streitkräfte für humanitäre Hilfsmaßnahmen „in Verbindung mit der Ebola-Epidemie in Westafrika“ zu entsenden. Vor allem geht es nach Angaben aus Militärkreisen um Spezialisten, die beim Aufbau der logistischen Infrastruktur helfen sollen.

Obama gegen Schließung der US-Grenzen
Forderungen aus dem US-Kongress die US-Grenzen für Menschen aus Westafrika zu schließen, lehnte Obama ab. „Alle Diskussionen mit Experten haben ergeben, dass das weniger effektiv wäre als die bereits in Kraft gesetzten Maßnahmen“, sagte er nach einem Ebola-Krisentreffen im Weißen Haus. Zugleich warnte der Präsident seine Landsleute vor Panikmache: „Das Risiko ist für Normalbürger äußerst gering.“

Ein Verband von fünf ostafrikanischen Staaten will 600 Helfer, darunter 41 Ärzte, in die Krisenländer schicken. Mit ihrer Entscheidung reagierte die Ostafrikanische Gemeinschaft auf die Sorge vor einer "schnellen Zunahme von Fällen und Toten", hieß es in einer Erklärung vom Freitag. 

Spanien: Zwei Verdachtsfälle nicht bestätigt
Eine gute Meldung kam aus Spanien: Zwei von sechs dort mit Ebola-Verdacht ins Krankenhaus gebrachte Patienten sind nicht mit dem tödlichen Virus infiziert. Ein Passagier aus Nigeria, der am Donnerstag auf dem Weiterflug von Paris nach Madrid von Schüttelfrost befallen wurde, sei negativ auf Ebola getestet worden, teilten die Behörden mit. Auch ein weiterer Patient, der im selben Krankenwagen wie eine Ebola-infizierte Krankenschwester behandelt worden war, sei negativ getestet worden.

In Spanien werden derzeit noch vier weitere Verdachtsfälle betreut, bei ihnen lagen zunächst noch keine Testergebnisse vor. Auch in Frankreich gab es vorsichtige Entwarnung für eine Krankenschwester, bei der Ebola-Verdacht aufgekommen war.

In Westafrika wütet Ebola seit Monaten. Es starben bereits fast 4.500 Menschen an der Viruserkrankung. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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