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Medizin

Ebola-Impfstoff kommt frühestens Anfang 2015

Freitag, 17. Oktober 2014

Ebola-Virus /cdc

Brentford – Ein Impfstoff gegen das Ebolavirus wird frühestens zu Beginn des kommenden Jahres zur Verfügung stehen. Ob er zunächst in weiteren randomisierten Studien oder in einem Feldversuch eingesetzt wird, ist derzeit noch offen. Viele Forscher sehen in einem Impfstoff den einzigen Weg, der derzeitigen Epidemie noch Herr zu werden.

Zwei Vakzinen befinden sich derzeit in klinischer Erprobung. Der Hersteller GlaxoSmith­Kline (GSK) hat zusammen mit dem US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases Anfang September zwei Studien in den USA und in Großbritannien begonnen. Dort erhalten insgesamt 86 gesunde Probanden die Vakzine „cAd3-EBO Z“, die auf der Basis eines Adenovirus von Schimpansen (chimpanzee-derived replication-defective adenovirus, ChAd) Antigen des Ebolavrirus exprimiert. Eine dritte Studie hat vor wenigen Tagen in Mali begonnen.

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Der zweite Impfstoff wurde von der Public Health Agency of Canada entwickelt. Er basiert auf einem attenuierten Stamm des Vesicular stomatitis virus. Lizenznehmer ist die NewLink Genetics Corporation aus Ames/Iowa, die am 13. Oktober in den USA mit einer Phase 1-Studie begonnen hat. Der Impstoff hat damit eine Verspätung von sechs Wochen zur GSK-Vakzine, deren erste Ergebnisse für Anfang November erwartet werden.

Sollten sich dort Hinweise auf eine mögliche Schutzwirkung finden, also etwa ein Anstieg der Antikörpertiter, dürfte der Druck auf den Hersteller steigen, möglichst rasch Impstoffe für weitere Studien zur Verfügung zu stellen. GlaxoSmithKline hat mitgeteilt, bis Anfang 2014 bis zu 10.000 Dosierungen produzieren zu können. Die Impfstoffe waren eigentlich für die Phase 2-Studien reserviert, in der die optimale Dosis ermittelt werden soll.

Inzwischen wurde jedoch gefordert, sofort mit einer Phase 3-Studie zu beginnen. Diese Studie würde normalerweise den Impfstoff gegen Placebo testen. Ob eine solche Unter­suchung ethisch vertretbar wäre, ist höchst umstritten. Auf einer Tagung der Weltge­sund­heitsorganisation Ende September waren die Ansichten geteilt.

Eine Gruppe um Ira Longini von der Universität von Florida in Gainesville sprach sich für ein „Stepped-wedge“-Design aus, die ohne Placebo-Arm auskäme. Sie würde die Infektionsrate bei Personen, die die ersten Lieferungen des Impfstoffes erhalten, mit denen vergleichen, die erst später geimpft werden können. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Engpässe, wäre dies ethisch vertretbar.

Der Leiter der Impfstoffabteilung von GlaxoSmithKline dagegen, Ripley Ballou, sprach sich nach Informationen von Science auf der Tagung für eine randomisierte Studie aus. Sie könnte unter dem Gesundheitspersonal durchgeführt werden. Dort wird das Infek­tions­risiko derzeit auf 10 Prozent pro Jahr geschätzt. Wenn der Impfstoff eine Effektivität von 80 Prozent zeige, was bei Vakzinen gegen Virusinfektionen realistisch ist, dann könnte laut Ballou bereits nach 30 Infektionen festgestellt werden, ob der Impfstoff wirkt.

Bei einer Effektivität von 60 Prozent müssten weniger als 60 Infektionen abgewartet werden. Andere Teilnehmer sollen die Durchführung einer klinischen Studie vollständig abgelehnt haben. Angesichts des unverminderten Anstiegs der Erkrankungen sei es unethisch, überhaupt eine klinische Studie durchzuführen. Die Beobachtung der Situation vor Ort würde angesichts der derzeitigen Ausbreitungsgeschwindigkeit zeigen, ob der Impfstoff wirkt oder nicht.

Der Gesamtbedarf an Impfstoffen wird auf 30 bis 40 Millionen Dosierungen geschätzt, um damit die Bevölkerung der in Westafrika bedrohten Länder durchzuimpfen. © rme/aerzteblatt.de

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