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Medizin

Weitere Hinweise auf Bewusstsein bei Wachkoma-Patienten

Montag, 20. Oktober 2014

Cambridge – Eine spezielle Analyse des hochauflösenden (high-density) EEGs kann möglicherweise zeigen, welche Patienten im Wachkoma Reste eines Bewusstseins haben. Die Studie in PLoS Computational Biology (2014; 10: e1003887) bestätigt jüngste Ergebnisse mit der Kernspin- und Positronen-Emissions-Tomographie.  Sie hätte den Vorteil, kostengünstig und ohne Transport des Patienten bettseitig durchgeführt werden zu können.

Zum Wachkoma kommt es manchmal nach schweren Hirnverletzungen, zum Beispiel aufgrund von Autounfällen oder schweren Herzattacken. Die Patienten erscheinen wach, sind aber nicht ansprechbar. Neben Patienten mit persistierendem vegetativem Status (PVS) gibt es einige, bei denen die Untersucher den Eindruck haben, dass die Patienten zwischendurch das Bewusstsein erlangen.

Sie stellen dann die Diagnose des Minimal Conscious State (MCS). Lange Zeit gab es keine medizinische Möglichkeit, zu überprüfen, ob bei den Patienten noch Reste eines Bewusstseins vorhanden sind und ob einige vielleicht sogar ihre Umgebung vollständig wahrnehmen, ohne die Möglichkeit zu haben, dies der Umwelt zu signalisieren.

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Inzwischen gibt es den sogenannten Tennis-Test: Patienten werden gebeten, mental Tennis zu spielen, während die Ärzte in der funktionellen Kernspintomographie (fMRI) nach Veränderungen der Hirnaktivität in jenen Regionen suchen, in denen das Bewusstsein vermutet wird. Nach einer kürzlich im Lancet publizierten Studie könnte auch die veränderte Aufnahme markierter Glukosemoleküle in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zu diesem Zweck genutzt werden. Beide Verfahren sind umständlich und kostspielig und an vielen Kliniken nicht vorhanden. Wesentlich einfacher wäre hier eine Ableitung eines Elektroenzephalogramms (EEG).

Eine Arbeitsgruppe um Melanie Boly von der Coma Science Group in Lüttich hatte bereits vor drei Jahren zusammen mit Forschern in England und Italien in Science (2011; 332: 858-862) ein Verfahren vorgestellt. Jetzt legt ein Team von Forschern der Universität Cambridge ein weiteres Modell vor. Es verwendet die Daten aus einem High-Density-EEG, die mittels moderner mathematischer Methoden der „Graphentheorie“ analysiert werden.

Srivas Chennu und Mitarbeiter verglichen die EEG-Daten von 32 Patienten mit PVS oder MCS mit denen von gesunden Erwachsenen. Unterschiede wurden vor allem in einem „Alpha-Netzwerk“ gefunden, das neuere neurowissenschaftliche Theorien mit dem Bewusstsein in Verbindung bringen. Diese Signale wurden jedoch nicht nur bei Gesunden gefunden, sondern auch bei einigen Patienten mit PVS oder MCS. Laut Chennu sind es die gleichen Patienten, bei denen auch der Tennis-Test in der fMRI Hinweise auf ein Bewusstsein geliefert hatte.

Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse zu einem einfachen Test führen könnten, mit dem bettseitig die Vermutung eines Bewusstseins bestätigt werden könnte. Sie halten den Tennis-Test im fMRI jedoch für den stärkeren Beweis für Bewusstseinsinseln bei den Patienten. Eine Kombination beider Tests könnten möglicherweise helfen, die Genauigkeit zu verbessern und ein späteres Erwachen aus dem Wachkoma eher voraussagen zu können.

© rme/aerzteblatt.de

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