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Politik

Liberias Botschafterin Ethel Davis ruft zu internationaler Hilfe auf

Montag, 20. Oktober 2014

Ethel Davis /dpa

Berlin – Die Botschafterin Liberias in Deutschland, Ethel Davis, hat die internationale Gemeinschaft zur Hilfe im Kampf gegen die Ebola-Epidemie aufgerufen. „Ebola zerstört die Grundlagen der Gesellschaft. Liberia kann die Situation allein nicht mehr bewältigen“, sagte sie heute beim World Health Summit in Berlin, der der Epidemie eine Sonder­ver­anstaltung unter dem Titel „Ebola – ein Weckruf für globale Gesundheit“ eingeräumt hatte.

In ihrem Land seien mehr als 4.000 Menschen an Ebola erkrankt, 2.000 seien bereits gestorben, darunter viele Angehörige der Gesundheitsberufe. „Sie sind zu einer Zeit gestorben, in der sie verzweifelt gebraucht werden“, erklärte Davis. Ebola habe ein Gesundheitssystem erschüttert, das schon vor dem Ausbruch der Epidemie unter anderem durch einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg geschwächt war. Zwar komme internationale Hilfe inzwischen an. „Aber es ist nicht genug“, so die Botschafterin. „Wir müssen alle zusammen arbeiten, um zu verhindern, dass es tatsächlich zu den prognostizierten 5.000 bis 10.000 neuen Erkrankungsfällen bis Dezember kommt.“

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Das öffentliche Leben in Liberia sei fast zum Erliegen gekommen, schilderte Davis die Situation im am stärksten von der Ebola-Epidemie betroffenen Land Westafrikas. Flüge würden gestrichen, Nachbarländer riegelten die Grenzen ab, Märkte fänden nicht mehr statt und Betriebe würden geschlossen. Die Folgen für die liberische Wirtschaft seien dramatisch.

Angst und Panik in der Bevölkerung
„Für die Menschen in Liberia hat sich das ganze Leben geändert. Sie befinden sich in einem Zustand von Angst und Panik“, sagte Davis. Ebola-Weisen würden aus Angst vor Ansteckung sich selbst überlassen, Überlebende stigmatisiert. An die internationale Gemeinschaft gewandt erklärte die Botschafterin aber auch: „Ebola ist nicht länger nur ein westafrikanisches Problem. Ebola ist nur einen Flug oder eine Busreise entfernt.“

Die Notwendigkeit rascher und koordinierter internationaler Hilfe betonte der Sonder­beauftragte der Bundesregierung für Ebola, Walter Lindner. Er hatte bereits bei der Eröffnung des World Health Summit am Vorabend eingeräumt, die internationale Gemeinschaft habe womöglich zu spät auf die Bedrohung reagiert. Jetzt sei aber nicht die Zeit zurückzuschauen, sondern zu handeln. „Wir müssen alles dafür tun, den Kollaps der betroffenen Staaten zu verhindern.“

Respekt vor dem Mut der Helfer
Lindner zeigte sich betroffen von der Situation der Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone, wo er sich in den vergangenen acht Tagen ein Bild der Lage verschafft hatte. Dort herrsche eine claustrophobische Atmosphäre, die befeuert werde durch die ständige Sorge um die eigene Gesundheit und die Vermeidung jeglichen Körperkontakts. Lindner drückte aber auch seinen größten Respekt für die Leistung der Helfer vor Ort aus, die dort ihr Menschenmöglichstes leisteten und dabei ihr Leben riskierten.

Die Ausmaße des aktuellen Ebola-Ausbruchs verdeutlichte Roberto Bertollini. Seit der Entdeckung des Virus im Jahr 1976 habe es vor dem jüngsten Ausbruch 2.388 Erkrankte und 1.590 Tote gegeben, sagte der Vertreter der Weltgesundheitsorganisation bei der Europäischen Union. Während des aktuellen Ausbruchs seien zwischen Dezember 2013 und heute (Stand 14. Oktober) 9.216 Menschen an Ebola erkrankt, 4.555 seien daran gestorben.

Die WHO habe als Ziel ausgegeben, die Epidemie innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate zu stoppen und gleichzeitig die sozioökonomischen Folgen zu bekämpfen. In erster Linie benötige man aber jetzt erst einmal ausreichend medizinisches Personal und Behandlungskapazitäten. Zurzeit verfüge man nur über 26 Prozent der Betten, die eigentlich benötigt würden, sagte Bertollini. Im Kampf gegen die Seuche würden nach Einschätzung der WHO 1.000 internationale und 20.000 nationale Helfer benötigt.

Ausbruch in Europa extrem unwahrscheinlich
Befürchtungen in den Industrieländern, Flüchtlinge könnten Ebola einschleppen, bezeichnete der WHO-Vertreter als „irrational“. „Ebola wird Business-Class fliegen und nicht über Flüchtlingsboote eingeschleppt werden“, sagte Bertollini. Einen Ausbruch der Epidemie in Europa hält er für extrem unwahrscheinlich. Sollte es dazu kommen, sei er zudem beherrschbar.

Die Organisatoren des World Health Summit, ihre Partner und die Teilnehmer veröffentlichten heute eine Berliner Erklärung zu Ebola. Sie wollen gemeinsam Anstrengungen unternehmen, um die Epidemie einzudämmen und das Übergreifen auf andere Regionen außerhalb Westafrikas verhindern, heißt es in der Erklärung. © HK/aerzteblatt.de

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