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Medizin

Neugeborenensepsis: Zunahme von Gruppe B Streptokokken in den Niederlanden

Montag, 20. Oktober 2014

Amsterdam – In den Niederlanden ist es in den letzten drei Jahrzehnten zu einem allmählichen Anstieg der invasiven Infektionen von Neugeborenen mit beta-hämo­lysierenden Streptokokken der Gruppe B (GBS) gekommen. Der Trend wurde auch nach der Einführung einer Antibiotika-Prophylaxe nicht gestoppt, die laut einer Studie in Lancet Infectious Diseases (2014; 14: 1083–89) sogar mit einem vermehrten Auftreten von Problemkeimen einhergeht.

Infektionen mit GBS gehören zu den häufigsten Ursachen von schweren Infektionen im Neugeborenenalter. Der Verlauf ist häufig dramatisch und endet nicht selten in einem septischen Schock. Man unterscheidet eine frühe Form (Early-Onset) innerhalb der ersten sieben Tage nach der Geburt von einer späten Form (Late-Onset).

Die frühe Form kann bereits intrauterin erworben werden, in der Regel als aufsteigende Infektion nach einem Blasensprung. In den meisten entwickelten Ländern werden deshalb Schwangere in den letzten Gestationswochen auf eine vaginale Besiedlung mit GBS gescreent. In den Niederlanden wurde 1999 ein risikoadaptiertes Screening eingeführt. In Deutschland wird seit 2000 risikobezogen getestet, seit 2008 wird allen Schwangeren zu einem Abstrich geraten. Bei einem positiven Befund halten die Schwangeren in beiden Ländern subpartal eine Antibiotikaprophylaxe.

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Die Bakteriologen am Nationalen Referenzzentrum der Niederlande in Amsterdam hatten erwartet, dass es nach 1999 zu einem Rückgang der invasiven GBS-Infektionen bei Neugeborenen kommt. Dies war, wie jetzt eine Gruppe um Arie van der Ende berichtet, nicht der Fall. Über den gesamten Zeitraum zwischen 1987 und 2011 kam es zu einem weiteren Anstieg sowohl bei den Early-Onset-Erkrankungen als auch bei den Late-Onset-Erkrankungen.

Die Inzidenz der Early-Onset-Erkrankungen stieg von 0,11 auf 0,19 Fälle pro 1.000 Lebendgeburten. Die Late-Onset Form, die allerdings durch die Antibiotikaprophylaxe nicht verhindert werden kann, nahm sogar von 0,03 auf 0,13 Fälle pro 1.000 Lebendgeburten zu. Die Zahl der invasiven E. coli-Erkrankungen blieb dagegen konstant.

Wichtig ist nun, dass die anhaltende Zunahme der Krankheitsfälle nach der Einführung der Leitlinie vor allem auf einen Anstieg der Erkrankungen durch GBS-Stämme des klonalen Komplex 17 zurückzuführen ist. Der Grund ist unklar. Stämme des klonalen Komplex 17 sollen häufig mit einem schweren Verlauf der Erkrankung einher gehen.

Eine vermehrte Resistenz gegen die bei der Prophylaxe verwendeten Antibiotika ist nicht belegt. Der Editorialist Shannon Manning von der Michigan State University in East Lansing berichtet jedoch, dass die Erreger nach einer Antibiotikaprophylaxe „persis­tieren“ können. Van der Ende stellt sich dagegen die Frage, ob ein universelles Screening (wie in Deutschland) das Problem beheben könnte.

© rme/aerzteblatt.de

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