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Hochschulen

„Häufig sind Ärzte unsicher, ob der Patient ein Wort versteht.“

Freitag, 24. Oktober 2014

Dresden – Ab diesem Wintersemester lernen an der Dresdener Universität Medizin­studierende im deutschlandweit erstmals angebotenen Wahlfach „Was hab‘ ich?“, schwierige Sachverhalte nicht nur zu verstehen, sondern sie auch in für die Patienten verständlichen Worten wiederzugeben. In einem Workshop können sie zielgerichtet und mit individueller Betreuung an ihrer Kommunikation arbeiten. Initiatoren des Wahlfachs sind die Gründer des Internet-Portals „Was hab‘ ich?“. Auf der Onlineplattform übersetzen junge Mediziner ärztliche Befunde in eine für Patienten leicht verständliche Sprache.

Fünf Fragen an…Anja Bittner, Geschäftsführerin von „Was hab‘ ich?“.

DÄ: Was hat Sie dazu bewogen, Medizinstu­dierenden eine für Laien verständliche Sprache näher bringen zu wollen?
Bittner: Im Rahmen unserer Arbeit mit dem Internet­portal haben wir festgestellt, dass dafür Bedarf besteht. Patienten haben häufig Probleme, ärztliche Diagnosen zu verstehen. Deswegen ist es wichtig, dass sich Medizinstudierende und Ärzte bewusst machen, dass sie eine patientenverständliche Wortwahl nutzen müssen. Aus diesem Grund fokussieren wir uns jetzt darauf, Studentinnen und Studenten eine Sprache beizubringen, die die Patienten gut verstehen. 

DÄ: Auf welche Weise wird die für Patienten nachvollziehbare Sprache gelehrt?
Bittner: Es wird einen Workshop geben, in dem die Grundlagen des laienverständlichen Erklärens zunächst einmal theoretisch und mit kleinen praktischen Übungen erarbeitet werden. Danach wählen die Studierenden sich Befunde, die Patienten eingesendet haben, aus unserem Netzwerk aus und übersetzen diese Satz für Satz in eine verständ­liche Sprache. Diese Befunde sind verschlagwortet, so dass sich die Kursteilnehmer je nach Interessensgebiet Befunde auswählen können. Alle Teilnehmer haben zudem einen Betreuer, der ihnen Tipps gibt, wie sie noch besser erklären können. Anschließend geht der Befund an den Patienten und der Kursteilnehmer bekommt ein kurzes Feedback bezüglich der Qualität seiner Erklärungen. Am Ende absolvieren die Kursteilnehmer einen kleinen Test.

DÄ: Wieso ist es für Studierende und Ärzte oftmals so schwierig, die richtige Wortwahl zu finden?
Bittner: Die Studierenden lernen sechs Jahre lang Medizinerlatein. Im Berufsleben angekommen, sollen sie sich auf einmal umstellen. Häufig sind Ärzte unsicher, ob der Patient ein Wort versteht. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt zudem, dass Ärzte das medizinische Verständnis ihrer Patienten systematisch überschätzt. Patienten geben außerdem oftmals keine Rückmeldung, wenn sie etwas nicht verstanden haben. 

DÄ: Ist eine Ausweitung auf andere Universitäten geplant?
Bittner: Im nächsten Jahr soll der Kurs an der Heidelberger Universität in der gleichen Form wie in Dresden noch einmal durchgeführt werden. Der Plan ist, dass sich das Projekt schlussendlich auf ganz Deutschland ausweitet. Dieses Jahr hatten wir bereits einen Pilotkurs in Hamburg. Wir hoffen, dass auch dieser im kommenden Jahr fortgeführt werden kann.

DÄ: Wie wurde das Internetportal „Was hab‘ ich“? von den Patienten angenommen?
Bittner: Wir haben eine viel höhere Nachfrage, als wir mit unserem Team bewerkstelligen können. Es gibt ein virtuelles Wartezimmer, wo die Patienten ab 7 Uhr morgens ihre E-Mail Adresse eintragen können. Wir benachrichtigen die Nutzer der Plattform, wenn sie ihren Befund einsenden können. Je nach Kapazität schließen wir das Wartezimmer. Pro Woche übersetzen wir circa 150 Befunde. © Ol/aerzteblatt.de

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