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ADHS unter den am häufigsten diagnostizierten Störungen bei Drei- bis 17jährigen

Mittwoch, 22. Oktober 2014

dpa

Berlin – Bei Kindern und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren ist die Aufmerksam­keits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) unter den am häufigsten diagnostizierten Störungen. Jungen in diesem Alter sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Mäd­chen. Das berichtet die AOK in einer bislang unveröffentlichten Ausgabe ihrer Publi­kation Gesund­heit und Gesellschaft. Basis ist eine Untersuchung der ärztlichen Dia­gnosen aus dem ambulanten und stationären Bereich sowie der entsprechenden Arznei- und Heilmittel­therapien von bundesweit 3,5 Millionen AOK-versicherten Kindern und Jugendlichen.

Danach diagnostizieren Ärzte bei knapp jedem zehnten Jungen im Alter zwischen neun und elf Jahren ADHS. Zwischen 2006 und 2012 hat sich laut der Analyse in allen Alters­gruppen der Jungen und Mädchen die dokumentierte ADHS-Häufigkeit verdoppelt. Erhiel­ten im Jahr 2006 noch 2,3 Prozent aller AOK-versicherten Kinder eine ADHS-Diagnose, waren es im Jahr 2012 bereits 4,6 Prozent.

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Kinderpsychiater: ADHS-Häufigkeit liegt im Erwartungsbereich
Laut dem Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psycho­therapie (BKJPP) liegen diese Zahlen „im Erwartungsbereich“ und entsprechen der Größenordnung, wie sie bereits die sogenannte Studie „KIGSS“ zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen des Robert Koch-Institutes dokumentiert habe.

Ärzte verordneten im Jahr 2013 laut der Untersuchung knapp 43 Prozent der AOK-Ver­sicherten Kindern und Jugendlichen mit einer ADHS-Diagnose spezifische Medikamente. Zwischen 1999 und 2013 stieg die Zahl dieser Verordnungen GKV-weit um mehr als 600 Prozent. Bei den Jungen mit der Diagnose ADHS liegt der Behandlungsgipfel bei etwa 60 Prozent im Alter von 13 bis 15 Jahren, bei den Mädchen in dieser Altersgruppe bei fast 45 Prozent.

Von den mit Medikamenten behandelten AOK-versicherten Patienten erhält nahezu jeder zweite (48 Prozent) mehr als 180 Tagesdosen (DDD). „Diese Menge lässt auf einen chronischen Gebrauch schließen, wenn man die gängige Praxis von Therapiepausen am Wochenende oder in den Schulferien berücksichtigt“, heißt es in dem Beitrag. Allerdings erhalte auch ein Drittel der Patienten mit Pharmakotherapie weniger als 100 DDD.

Weniger als die Hälfte der ADHS-Patienten erhalten eine medikamentöse Behandlung
„Dass etwas weniger als die Hälfte der Patienten mit dieser Diagnose eine medikamen­töse Behandlung bekommen, entspricht auch den Erwartungen. Eine erste Auswertung einer bundesweiten Evaluation der Sozialpsychiatrievereinbarung ergaben in unseren Praxen eine etwas niedrigere Rate von circa 37 Prozent Stimulanzienbehandlung bei ADHS-Diagnose“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des BKJPP, Gundolf Berg, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Die AOK-Studie dokumentiert auch regionale Unterschiede bei der Häufigkeit der Diagnose und der Behandlung: So lag die Häufigkeit in allen fünf östlichen Bundes­­ländern über dem Bundesdurchschnitt, in den Stadtstaaten hingegen darunter. „Möglicherweise unterscheidet sich die Morbidität zwischen den Regionen tatsächlich. Vielleicht beeinflusst aber auch die gute ADHS-Versorgung in Ballungszentren die Diagnosestellung“, heißt es in dem Beitrag. Laut der AOK liegt die Vermutung nahe, dass erfahrene Experten mit einer ausführlichen und leitliniengerechten Differenzial­diagnostik den Verdacht auf ADHS öfter entkräften könnten.

Medikamentöse Therapie im ländlichen Raum häufiger
Auch in der Behandlung von ADHS-Patienten mit entsprechenden Psychopharmaka bestehen regionale Unterschiede. Die medikamentösen Therapien werden laut der Analyse eher nicht in den Ballungsgebieten, sondern im ländlichen Raum eingesetzt. „So belegt das bayerische Amberg den Spitzenplatz im Ranking der 412 Regionen Deutschlands: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) aller ADHS-Patienten werden hier medikamentös behandelt, während in Passau, ebenfalls Bayern, gerade einmal jeder fünfte Patient die entsprechenden Psychopharmaka erhält“, heißt es in dem Beitrag.

Berg wies gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt daraufhin, dass die Verordnungs­mengen bundesweit seit 2013 erstmalig leicht rückläufig sind. „Ob sie weiter zurück­gehen bleibt abzuwarten, jedenfalls scheint der Anstieg nicht weiterzugehen, wie in der Vergangenheit“, so der der BKJPP-Vize.

© hil/aerzteblatt.de

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