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Politik

Bundesregierung gibt weitere fünf Millionen Euro für Ebola-Forschung

Mittwoch, 22. Oktober 2014

dpa

Berlin – Die Bundesregierung wird kurzfristig fünf Millionen Euro zusätzlich für die Ebola-Forschung bereitstellen. Das Geld soll im Rahmen bestehender Strukturen unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZFI) in Projekte fließen, die eng in die internationalen Forschungsaktivitäten zum Thema Ebola eingebunden sind, wie das Bundesforschungsministerium am Mittwoch in Berlin mitteilte. Unter anderem gehe es um die Entwicklung eines Schnelltests für den Nachweis der Krankheit, der auch unter den ungünstigen Bedingungen im westafrikanischen Epidemiegebiet gut funktioniert.

„Wir brauchen dringend verlässliche Diagnose- und Behandlungsmethoden, diese müssen mit Hochdruck entwickelt werden", erklärte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU). „Solche Projekte bringen wir jetzt auf den Weg."

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Das DZFI war 2010 vom Bundesforschungsministerium gegründet worden, um gefähr­liche Krankheitserreger zu erforschen, darunter auch sogenannte neu auftretende Infektionskrankheiten wie das Mers-Coronavirus, Ebola und die Vogelgrippe H5N1. Zu diesem Zweck arbeiten unter dem Dach des DZFI nach dessen Angaben 32 deutsche Forschungseinrichtungen an der Entwicklung von Arzneimitteln und Testverfahren sowie im Bereich der Grundlagenforschung und der spezialisierten Beratung.

Die Ebola-Forschungsinitiative solle „umgehend” starten, erklärte das Ministerium. Eines der vom Bund geförderten Ebola-Projekte zielt nach Angaben von Wanka auf die Entwicklung eines praxistauglichen Schnelltests zum Nachweis der Viruserkrankung, an der in Westafrika bereits mehr als 4.500 Menschen starben. Es wird von einer öffentlich geförderten Projektgruppe gemeinsam mit einer Firma aus Jena vorangetrieben. „Unter Zeitdruck einen solchen Test zu entwickeln, ist schwierig, aber angesichts des enormen Bedarfs und der Notsituation unerlässlich”, erklärte die Ministerin.

Zwei Labore in Deutschland für die Diagnostik gegeignet
Bei Verdachtsfällen lassen sich Ebola-Viren im Blut bislang nur durch aufwändige Verfahren in speziell gesicherten Labors nachweisen. Das dauert jeweils mehrere Stunden und erfordert einen hohen logistischen Aufwand, etwa für den Transport der Proben. In Deutschland sind nur zwei Labore der höchsten biologischen Schutzstufe 4 in Hamburg und Marburg in der Lage, diese Testverfahren durchzuführen.

Indes läuft die deutsche Hilfe in den westafrikanischen Ebola-Gebieten offenbar langsamer an als erhofft. Nach Aussage des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) haben sich bislang zu wenig Freiwillige gemeldet, um die zwei geplanten Ebola-Behandlungs­zentren des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Sierra Leone und Liberia aufrecht­erhalten zu können.

Auch das Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfswerk (DAHW) forderte von Europa mehr Engagement im Kampf gegen die Epidemie. Das Würzburger Hilfswerk werde auch dann vor Ort bleiben, „wenn die Länder Westafrikas nicht mehr im Fokus der medialen Öffentlichkeit stehen”, kündigte Geschäftsführer Burkard Kömm an. Es sei zu erwarten, dass es in Sierra Leone und Liberia in einigen Jahren kein Personal für die Gesundheits­einrichtungen und damit keine Behandlungen geben werde, so das DAHW weiter.

An die deutsche Bevölkerung appellieren die Hilfsorganisationen, Ruhe zu bewahren. Von zurückkehrenden medizinischen Helfern gehe keine besondere Gefahr aus, sagte Seiters im Deutschlandfunk. „Es gibt keinen Grund zur Panik oder Hysterie.”

Psychologische Schulung der Helfer wichtig
Die Helfer müssten vor ihren Einsätzen gestärkt werden, betonte der Bamberger Psychologe Harald Schaub im Magazin stern. Die Ebola-Ansteckungen in den USA zeigten, wie schwer sich Menschen tun, wenn sie sich in einer gänzlich neuen Situation bewähren müssten. Er warnte davor, sich allein auf „ausgeklügelte Technik und vermeintlich perfekte Notfallpläne” zu verlassen. Die Sicherheit sei nur dann zu gewährleisten, wenn die Helfer auch „links und rechts des eigenen Zuständig­keitsbereichs” Verantwortung übernehmen könnten.

Allergrößter Respekt vor den Hilfsorganisationen
Der Sonderbeauftragte der Bundesregierung im Kampf gegen Ebola, Walter Lindner, sprach den Hilfsorganisationen seinen „allergrößten Respekt” aus. Zur Kritik, dass die Politik zu langsam handle, sagte er «Spiegel Online»: „Wer weiß, wie schnell man sich infizieren kann, der weiß auch, wie wichtig eine sorgfältige Vorbereitung ist.” Als er sich vor Ort ein Bild gemacht habe, habe auch er „ein Gefühl der Beklemmung” erlebt, sagte der frühere deutsche Botschafter.

Nach offiziellen Zahlen haben sich bisher rund 9.000 Menschen in Westafrika mit Ebola infiziert, über die Hälfte von ihnen ist daran gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet in den kommenden Monaten mit bis zu 250.000 Infizierten. © dpa/kna/aerzteblatt.de

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