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Medizin

Tuberkulose-Report: WHO revidiert Erkrankungszahlen nach oben

Mittwoch, 22. Oktober 2014

dpa

Genf – Im Jahr 2013 sind weltweit 9 Millionen Menschen an Tuberkulose erkrankt und 1,5 Millionen daran gestorben. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) musste ihre Schätzungen zu den Neuerkrankungen gegenüber dem letzten Jahr um 400.000 nach oben korrigieren, sieht aber in ihrem „Global tuberculosis report“ weiterhin einen Trend zur einer allmählichen Verbesserung.

Die Tuberkulose ist nach Aids die zweihäufigste infektionsbedingte Todesursache. Der Erreger, Mycobacterium tuberculosis, ist sehr viel weiter verbreitet als HIV. Schätzungs­weise ein Drittel der Menschen wurde infiziert. Anders als bei HIV kommt es jedoch nur selten zum Ausbruch der Erkrankung. Die Übertragung ist sehr viel schwieriger zu kontrollieren.

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Während die HIV-Epidemie in den letzten Jahren eine deutliche Tendenz zu einem Rück­gang verzeichnet, bessert sich die Situation bei der Tuberkulose nur langsam. Immerhin gibt es laut WHO seit 2000 einen stetigen Rückgang der Erkrankungen um 1,5 Prozent pro Jahr. Heute sollen 45 Prozent weniger Menschen neu erkranken als 1990. Die WHO verweist darauf, dass das Millennium-Entwicklungsziel 6C, die Inzidenz, Prävalenz und Todesrate der Erkrankung bis 2015 zu senken, in drei von sechs WHO-Regionen voll­ständig und in den anderen wenigstens teilweise erreicht werde.

Hinter diesem positiven Gesamtbild verbergen sich allerdings einige ungelöste Probleme. Sie betreffen vor allem die unzureichende Behandlung, die bei der Tuberkulose schnell zu einer Resistenz und damit zu einer Komplizierung und Verteuerung der Therapie führt. Von den 9 Millionen Neuerkrankten werden nur 6 Millionen tatsächlich medizinisch betreut. Ohne eine sachgerechte Diagnose ist jedoch keine Therapie möglich, und um die Therapie scheint es in vielen Ländern weiterhin nicht gut bestellt zu sein.

Dem WHO-Report zufolge sind 2013 insgesamt 480.000 Menschen an einer multiresis­tenten Tuberkulose (MDR-TB) erkrankt. Der Anteil an allen Erkrankungen ist zwar mit 3,5 Prozent insgesamt stabil, in einigen Regionen, darunter Osteuropa und Zentralasien, gibt es laut WHO derzeit jedoch eine epidemische Zunahme. Die Zahl von 480.000 MDR-TB-Erkrankten ist zudem eine Schätzung.

Nur 136.000 Fälle wurden diagnostiziert und nur 97.000 Patienten auch behandelt. Das sind zwar dreimal mehr als noch 2009, doch in einigen Ländern hat sich hier die Lücke zwischen Diagnose und Therapie geweitet, heißt es in dem Report. Nur etwa die Hälfte der Patienten mit MDR-TB wird geheilt, und für die etwa 9 Prozent der MD-TB-Kranken, die eine XDR-Tuberkulose entwickeln, sind die Überlebenschancen weiterhin sehr gering.

Ein weiterer Problembereiche ist die Ko-Infektion mit HIV. Die WHO schätzt den Anteil auf 13 Prozent aller Tuberkulose-Erkrankungen. Damit wären 1,1 Millionen mit beiden Erregern infiziert. Die Mortalität ist dann deutlich erhöht. Die WHO geht davon aus, dass vier von fünf Todesfälle an Tuberkulose auf Personen mit dualer Infektion zurückzuführen sind.

Forschung kommt nach Ansicht der WHO eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung der globalen TB-Epidemie zu. Hier seien zwar mit der Entwicklung neuer Diagnostika wie dem Test „Xpert MTB/RIF“ und zwei neuen Wirkstoffen (Bedaquilin und Delamanid) Fort­schritte gemacht worden. Weitere Schnelltests, neue Medikamente und Therapie­schemata sowie Impfstoffe würden jedoch benötigt, um die globale TB-Pandemie auf lange Sicht endgültig zu beenden. © rme/aerzteblatt.de

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