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Medizin

USA: Nahrungsergänzungs­mittel weiterhin illegal mit Medikamenten versetzt

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Boston – Der Versuch der US-Arzneibehörde FDA, Nahrungsergänzungsmittel frei von unerlaubten und häufig nachweislich schädlichen Bestandteilen zu halten, ist offenbar eine Sisyphusarbeit. Nach einer Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi:10.1001/jama.2014.10308) enthielten im Durchschnitt drei Jahre nach der Abmahnung bereits zwei Drittel der Produkte wieder verbotene Substanzen.

Nahrungsergänzungsmittel sind eine arzneimittelrechtliche Grauzone. Obwohl viele Produkte mit gesundheitsfördernden Eigenschaften beworben werden, müssen die Hersteller vor der Einführung ihren Nutzen nicht in klinischen Studien nachweisen. Sie sind nicht einmal verpflichtet, die gesundheitliche Unbedenklichkeit ihrer Produkte zu belegen.

Immer wieder gelangen deshalb Mittel mit bedenklichen Substanzen auf den Markt. Schlankheitspillen enthalten häufig Sibutramin, das wegen seiner kardialen Risiken in den meisten Ländern in Medikamenten verboten ist. Potenzpillen werden mit Sildenafil versetzt, das Nahrungsergänzungsmittel zu einem zulassungspflichtigen Arzneimittel macht. Leistungsfördernde Mittel enthalten häufig anabole Steroide. Auch Antide­pressiva werden gelegentlich Nahrungsergänzungsmitteln zugefügt.

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Zwischen Januar 2009 und Ende 2012 hatte die US-Arzneibehörde mindestens 274 Nahrungsergänzungsmittel wegen illegaler Zusätze verboten. Viele wurden wenig später wieder angeboten. Pieter Cohen von der Harvard Medical School in Boston und Mitarbeiter haben 27 dieser Produkte acht bis 52 Monate nach der FDA-Abmahnung legal erworben und in einem Labor untersuchen lassen: In 18 Produkten (66,7 Prozent) wurden erneut die verbotenen Substanzen nachgewiesen, darunter waren elf Präparate zur Leistungssteigerung im Sport, sechs Schlankheitspillen und ein Potenzmittel. Die Mittel stammten keineswegs alle aus Fernost. Auch 13 von 20 in den USA hergestellte Mittel enthielten die zuvor abgemahnte oder eine andere nicht erlaubte Substanz.

Für den Herstellerverband „Council for Responsible Nutrition“ handelt es sich um schwarze Schafe. Die meisten der von der FDA abgemahnten Nahrungsergänzungsmittel seien auf Dauer vom Markt verschwunden, heißt es in einer Stellungnahme. Kritiker wenden allerdings ein, dass die FDA immer erst reagieren kann, wenn die Präparate auf dem Markt sind und eine Verunreinigung nachgewiesen wurde. Da die Produktions­anlagen nicht geschlossen werden, würden die Mittel oft unter einem anderen Namen schon bald wieder auf den Markt gebracht. Cohen hatte nur Präparate untersucht, die unter der gleichen Bezeichnung und mit einer identischen Verpackung wieder eingeführt worden waren. © rme/aerzteblatt.de

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