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Medizin

Erfolgreiche Behandlung eines Ebola-Patienten in Hamburg

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Blick in ein Patientenzimmer auf der Sonderisolierstation des UKE /dpa

Hamburg – Eine aggressive Flüssigkeitssubstituion und die intensivmedizinische Therapie von bakteriellen Sekundärkomplikationen waren der Schlüssel zur erfolg­reichen Behandlung eines an Ebola erkrankten WHO-Mitarbeiters, dessen Virusinfektion beim Eintreffen in der Klinik in Deutschland bereits den Höhepunkt überschritten hatte. Der Patient verbrachte laut dem Bericht im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1411677) fünf Wochen auf einer Sonderisolierstation und konnte erst entlassen werden, als keine Viren mehr im Körper und in Körperflüssigkeiten vorhanden waren.

Als der 36-jährige männliche Patient, der als Epidemiologe für die Weltgesundheits­organisation (WHO) in Sierra Leone tätig war, in Hamburg eintraf, war er bereits seit zehn Tagen symptomatisch. Die Erkrankung hatte mit Unwohlsein, Kopf- Muskel- und Gelenk­schmerzen begonnen. Einen Tag später war die Temperatur angestiegen. Nach einer erfolglosen Antibiotikatherapie wurden am Tag 6 Ebolaviren im Blut nachgewiesen. Am Tag 7 hatte die Diarrhö eingesetzt, die sich schnell zu einem Leitsymptom der Erkran­kung entwickelte. Am Tag 10 erfolgte der Transport nach Hamburg.

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Wie das Team um den Tropenmediziner Privatdozent Stefan Schmiedel von der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf berichtet, war der Zustand des Patienten bei der Aufnahme in die Klinik noch stabil. Erbrechen und vor allem eine profuse Diarrhö mit einem Verlust von 8 Liter pro Tag machten jedoch eine aggressive Rehydration erforderlich.

Bis zu zehn Liter Flüssigkeit am Tag wurden intravenös ersetzt – ingesamt 30 Liter in einer Woche – und ein Kaliummangel ausgeglichen. Aufgrund eines paralytischen Ileus musste der Patient parenteral ernährt werden. Der Zustand des Patienten schien sich langsam zu verbessern. Die Diarrhö hatte am Tag 15 deutlich nachgelassen. Ein Rück­gang der Viruskonzentration im Plasma und der Anstieg der IgM- und IgG-Antikörper – beides hatte bereits nach der Aufnahme eingesetzt – zeigten, dass das Immunsystem des Patienten die Virusinfektion erfolgreich bekämpfte.

Ein anhaltendes Fieber, die erneute Verschlechterung des Allgemeinzustands und eine Leukozytose deuteten jedoch an, dass der Patient die Krise noch nicht überwunden hatte. In den folgenden Tagen diagnostizierten die Intensivmediziner eine gram-negative Sepsis.

Schmiedel vermutet, dass Darmbakterien durch die geschädigte Schleimhaut ins Blut gelangt waren. Die Keime waren gegen mehrere Antibiotika - die in der Frühphase der Erkrankung eingesetzt worden waren - resistent. Einzig auf Meropenem war eine Empfind­lichkeit vorhanden. Der Patient musste in den folgenden Tagen trotz effektiver Antibiotikatherapie mehrere Komplikationen der Bakteriämie überstehen.

Dazu gehörte eine Pneumonie mit Atemversagen, das eine nicht-invasive Beatmung erforderlich machte, eine zunehmde Schocksymptomatik und eine Enzephalopathie. Nur die intensivmedizinische Betreuung habe in dieser Situation das Leben des Patienten gerettet, erklärt Schmiedel.

Ebolaviruserkrankung: Manifestationsformen der Infektion

Sind die Symptome einer Ebolaviruserkrankung bekannt, lassen sich Verdachtsfälle meist rasch klären. Das ist auch notwendig, um die Versorgung nicht zu verzögern. Das Auftreten von Ebolaviruserkrankungen (EVD) als Folge der Ausreise oder einer Rückholung von infizierten Personen aus den Ausbruchsregionen in Westafrika, aber auch das Auftreten

Der Patient konnte am Tag 28 die Intensivstation verlassen. Seine Entlassung aus der Klinik verzögerte sich, da trotz eines negative Virusnachweises im Blut der Urin noch bis zum Tag 31 und der Schweiß bis zum Tage 40 positiv auf Ebola-RNA waren und der Patient damit vermutlich ansteckend war.

Im Mittelpunkt der Ebola-Erkrankung steht laut Schmiedel eine schwere Enteropathie, die zu einer kompletten Darmlähmung führt. Auch der Magen war mit Flüssigkeit gefüllt, worauf ein anhaltender Schluckauf hinweist, ein ominöses Zeichen, das den nahenden Tod ankündigt.

Die zentrale Maßnahme ist in dieser Situation eine intravenöse Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution. Um das Leben des Patienten zu retten, muss die durch die Translozierung von Keimen aus dem Darm ausgelöste Sepsis frühzeitig erkannt und behandelt werden. Ein weiterer von den Hamburger Ärzten hervorgehobener Aspekt ist die offenbar längere Ausscheidung der Viren durch die Patienten, die mit der Gefahr einer Ausbreitung der Epidemie verbunden ist.

Die Therapieerfahrungen aus Hamburg könnten auch in Westafrika helfen
Die Erkenntnisse aus der Behandlung könnten nach Ansicht von Schmiedel auch im Krisengebiet in Westafrika helfen, denn der Erkrankte sei ohne experimentelle Mittel wie "ZMapp", sondern ausschließlich mit einer unterstützenden Therapie geheilt wie der Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution: „Das kann jede Krankenschwester und jeder Arzt.”

Wenn solche Maßnahmen im Ebola-Krisengebiet stärker etabliert würden, könnte die Sterblichkeit auch ohne High-Tech-Medizin deutlich gesenkt werden. Voraussetzung sei allerdings, dass es dort ausreichend medizinische Fachkräfte gebe, betonte Schmiedel. „Der kritische Faktor ist tatsächlich das Personal.”

Der 51-Jährige wird bald selbst in Westafrika helfen. Er werde am Mittwoch für die Organisation Ärzte ohne Grenzen für drei Wochen nach Sierra Leone reisen, sagte Schmiedel - in ein Krankenhaus, „das mitten im Hauptendemiegebiet liegt”. Wegen der Personalknappheit seien die Behandlungsbedingungen dort „äußerst limitiert”. Er mache sich aber keine Sorgen, mit dem Ebola-Virus infiziert zu werden, erklärte der Vater von vier Kindern: „Ich hab überhaupt keine Angst, weil ich weiß, wie man sich davor schützen kann.” © rme/aerzteblatt.de

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