Politik

Hygienemängel: Geschäftsführer des Uniklinikums Mannheim zurückgetreten

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Mannheim – Der Hygieneskandal am Universitätsklinikum Mannheim hat personelle Konsequenzen. Geschäftsführer Alfred Dänzer (66) reichte am Mittwochabend in einer Krisensitzung des Aufsichtsrats seinen Rücktritt ein. Das Krankenhaus bestätigte am Donnerstag einen Bericht des Mannheimer Morgens. Dänzer war seit 2009 Klinikchef in Mannheim und ist außerdem Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

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Das Uniklinikum war wegen des Hygieneskandals in den vergangenen Tagen immer mehr unter Druck geraten. Erst am Mittwoch hatten Staatsanwälte das Krankenhaus durch­sucht und kistenweise Unterlagen beschlagnahmt.

Der Stein kam durch eine anonyme Anzeige ins Rollen, in der von schmutzigem OP-Besteck die Rede war. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte dann bei einer Überprüfung Hygienemängel festgestellt: Reiniungsmaschinen waren zu lange nicht überprüft worden, und es fehlten Nachweise über die Qualifikation von Reinigungs­leuten. Vom Klinikum hieß es, es gebe erheblichen Nachschulungsbedarf. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an.

Das OP-Programm ist schon seit knapp zwei Wochen drastisch zurückgefahren. Kran­ken­haus-Mitarbeiter sollen bereits seit längerem auf Probleme hingewiesen haben. Vor allem bei der Sterilisation sind nach Medienberichten in einem Programm für anonyme Beschwerden seit mehr als zwei Jahren Defizite vermerkt – selbst von einer Fliege im OP-Besteck war demzufolge dort die Rede. Ob die Ursachen für die Mängel in Spar­zwängen liegen, darüber wird intern heftig gestritten. Die Fakultätsleitung hatte in einem offenen Brief den Kostendruck angeprangert.

Der Aufsichtsrat des Klinikums hat eine Mitverantwortung zurückgewiesen. Das Kontroll­gremium habe keine Hinweise auf Sauberkeitsmängel gehabt, sagte Aufsichts­ratschef und Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) am Donnerstag. Hinweise von Mitarbeitern seien zum Teil in der Organisation „versackt“. „Es geht um die Fragestellung der internen Kommunikation.“

Christian Brandt vom Institut für Hygiene am Universitätsklinikum Frankfurt, sieht ein generelles Problem in der deutschen Kliniklandschaft. „Auf der einen Seite wollen und müssen im Gesundheitswesen alle immer Geld sparen”, sagt er. „Auf der anderen Seite wird die Aufbereitung des OP-Bestecks immer komplexer. Da hat der Gesetzgeber in den letzten 10, 15 Jahren die Schrauben stark angezogen.” Mitarbeiter in der Sterilisation müssten sehr gut geschult sein und wissen, was sie mit den blutverschmierten Geräten tun. Im Mannheimer Fall waren nicht alle Reinigungsleute ausreichend geschult, wie die Klinik einräumte.

Geschäftsführer Dänzer ist zugleich Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Der Rücktritt sei Angelegenheit des Klinikums Mannheim, erklärte ein DKG-Sprecher auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes. Dänzer sei für die Periode Anfang 2012 bis Ende 2014 gewählter Präsident der DKG. © dpa/JF/aerzteblatt.de

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