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Medizin

Intensivpatienten: Zahnhygiene vermindert Infektionsraten

Donnerstag, 23. Oktober 2014

dpa

São Paulo – Die professionelle Zahnpflege von Intensivpatienten könnte respiratorische Infekte der Patienten vermindern. Davon gehen Forscher um Fernando Bellissimo-Rodrigues an der Universität São Paulo aus, die ihre Ergebnisse in Infection Control and Hospital Epidemiology veröffentlicht haben (doi: 10.1086/678427).

Respiratorische Infekte gehören zu den Hauptbedrohungen für Intensivpatienten. Endotracheale Intubation und maschinelle Beatmung umgehen natürliche Schutzmecha­nismen der Atemwege und führen daher häufig zu den teilweise lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die Arbeitsgruppe berichtet, dass es oft Bakterien aus der Mundhöhle sind, welche in die Lungen wandern und zu Pneumonien führen. Sie wollten daher prüfen, ob aufwendige Hygienemaßnahmen die Infektionslast bei dieser Patientengruppe senken könnten.

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Sie randomisierten hierzu 254 Patienten, die sich mindestens 48 Stunden auf der Intensivstation aufhielten, in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe. Patienten der Interventionsgruppe wurden täglich die Zähne geputzt, die Zunge gereinigt, Zahnstein entfernt und von Dentalchirurgen eine Sanierung oder Extraktion kariöser und zerstörter Zähne durchgeführt. Patienten der Kontrollgruppe erhielten dreimal täglich eine antiseptische Mundspülung mit Chlorhexidin durch das Pflegepersonal.

Infektionen der unteren Atemwege lagen in der Verumgruppe bei 8,7 Prozent, während es in der Kontrollgruppe 18,1 Prozent waren ( RR= 0,44, P= 0,04). Auch für die direkt beatmungsassoziierten Infektionen konnten die Wissenschaftler ein ähnliches Bild beobachten (7,6 Prozent versus 16,5 Prozent, RR= P <0.05). Trotz der deutlichen Verbesserung der Infektionsraten konnten die Wissenschaftler für die Mortalität keine signifikante Reduktion zeigen.

Diese lag mit 29,1 Prozent in der Interventionsgruppe nur unwesentlich unter der Kontroll­gruppe mit 31,5 Prozent (adjustiertes RR, 0,93; P = 0,796). Dies sei jedoch laut der Wissenschaftler unter anderem darauf zurückzuführen, dass ein Großteil der Patien­ten nicht durch respiratorische Infekte starb. Bei ausschließlicher Berücksichtigung der Todesfälle durch respiratorische Infekte konnten sie eine Reduktion der Mortalität um 38,1  Prozent in der Experimentalgruppe feststellen.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Verbesserung der Zahnhygiene durchaus die Zahl der respiratorischen Infekte vermindern kann. Die fehlende Signifikanz  in der Senkung der Mortalität könnte möglicherweise durch die geringe Zahl der Patienten bedingt gewesen sein, so die Forscher.

© hil/aerzteblatt.de

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