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Medizin

„Immer mehr Reize schränken unsere Schlafmöglichkeiten ein“

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Köln – Nur 27 Prozent der Deutschen halten einer Umfrage zufolge die Zeitumstellung für sinnvoll. Eine Mehrheit von 71 Prozent lehnt den turnusmäßigen Wechsel zwischen Sommer- und Normalzeit ab. Das zeigt eine in dieser Woche vorgestellte Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK Gesundheit. Aber die Zeitumstellung am kommenden Wochenende ist für Schlafmediziner nur ein Randaspekt. Das Deutsche Ärzteblatt fragte den Vorsitzen­den der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Dr. med. Alfred Wiater, nach den Ursachen und den Konsequenzen chronischer Schlafdefizite.

5 Fragen an Dr. med. Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin

DÄ: Schlafen wir genug?
Wiater: Tendenziell werden unsere Schlafmöglichkeiten durch zunehmende Reizeinwirkungen in der Nacht einge­schränkt. Dazu zählen Licht, soziale Medien, die immer verfügbar sind, ebenso wie die sonstigen Inter­net­aktivitäten, aber auch die Nachtarbeit, die infolge der Globalisierung unserer Arbeitswelt immer breiteren Raum einnimmt. Letztlich ist die Frage jedoch nur individuell zu beantworten. Dabei ist weniger die Schlafdauer entscheidend als der Erholungswert des Schlafes. Wer sich tagsüber körperlich fit und wach fühlt, hat in der Regel gut geschlafen.

DÄ: Was sind häufige Ursachen von nicht erholsamem Schlaf oder unzureichendem Schlaf?
Wiater: Wir unterscheiden zwischen organischen und nicht organischen Schlaf­störungen. Bei den organisch bedingten Schlafstörungen steht bei Erwachsenen – wie auch bei Kindern – das obstruktive Schlafapnoesyndrom im Vordergrund. Während bei Erwachsenen Unterkieferprotrusionsschienen und eine Masken-Therapie mögliche Behandlungsoptionen sind, können wir vielen Kindern durch eine Adenotonsillotomie helfen.

Etwa zehn Prozent unserer Bevölkerung leidet an chronischen Ein- und/oder Durch­schlafstörungen, ein Drittel davon an der nicht organischen Insomnie. Die Ursache dafür ist oft eine mangelnde sogenannte Schlafhygiene. Dazu zählen wir den Einfluss von Alkohol, Nikotin, Drogen und Medikamenten, aber auch von Koffein. Auch die Schlaf­umgebung gehört hier hinein sowie mögliche Lärmbelastungen. Nicht organische Insomnien sind aber auch Folge psychischer Belastungen und Erkrankungen. Zusammenhänge zwischen Insomnien und Depressionen sind ebenso beschrieben wie Insomnien im Zusammenhang mit demenziellen Erkrankungen.

DÄ: Welche Konsequenzen haben chronische Schlafdefizite?
Wiater: Bezogen auf organische Folgen sind insbesondere kardiovaskuläre Erkrankungen zu nennen, ein erhöhtes Schlaganfallrisiko und Adipositas aber auch sexuelle Funktionsstörungen und Einschränkungen des Immunsystems. Im psychischen Bereich sind Antriebslosigkeit und depressive Verstimmungszustände aber auch Angst­zu­stände beschrieben, bei Kindern auch Hyperaktivität. Da unsere Gedächtnis­konsolidierung im Schlaf stattfindet, haben chronische Schlafstörungen auch kognitive Defizite zur Folge. Bei Kindern äußert sich das in Einschränkungen der Konzentration und reduzierter schulischer Leistungsfähigkeit. Nicht zu vergessen sind die Unfallrisiken durch den plötzlich unvermittelt einsetzenden Sekundenschlaf bei Patienten mit Schlafstörungen, der im Sinne des Wortes katastrophale Folgen haben kann.

DÄ: Was empfehlen Sie?
Wiater: Letztlich geht es darum, äußere Zeitgeber wie Licht und soziale Zeitgeber mit dem konstitutionell festgelegten inneren Zeitgeber optimal zu koordinieren, also dem circadianen Schlaf-Wach-Rhythmus des einzelnen Menschen. Das bedeutet für den einzelnen konkret, einen möglichst regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten, abends auf blaues Licht, auch blaues Bildschirmlicht, zu verzichten, die Mahlzeiten nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen einzunehmen und auf Nikotin, Alkohol und Drogen zu verzichten.

Bereits vor dem Zubettgehen sollte man versuchen, sich zu entspannen und äußere Reizeinwirkungen einzuschränken. Auch sportliche Aktivitäten kurz vor dem Zubettgehen wirken sich eher schlafstörend aus. Der Schlafraum sollte kühl, dunkel und ruhig sein, das Bett möglichst bequem. Bei Menschen, denen mit dem Einhalten der Schlafhygiene und einer schlaffördernden Umgebung nicht geholfen ist, ist die weitere ärztliche Abklärung indiziert. Bei der hohen Prävalenz von Schlafstörungen kommt dabei den hausärztlich tätigen Ärzten eine zunehmende Bedeutung zu. Deshalb sind schlafmedizinische Kenntnisse im hausärztlichen Bereich von großer Relevanz.

DÄ: Was bedeutet die Zeitumstellung zwischen Sommerzeit und Normalzeit?
Wiater: Die Zeitumstellung führt einmal wieder mehr zu unnötigen chronobiologischen Imbalancen, die unsere Befindlichkeit beeinträchtigen und für deren Adaptation wir wieder einige Tage benötigen werden. © hil/aerzteblatt.de

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L.A.
am Freitag, 24. Oktober 2014, 10:59

Die Hauptursachen für gestörten Schlaf

Ich meine: 1. Aktivitäten bis spät in den Abend. Warum finden die Fußballspiele im Fernsehen so spät statt? -.Warum sagt da keiner was?
2. Lärm, im Haus und außerhalb. Wir brauchen Abschirmung von äußeren Reizen, wir brauchen Ruhe. Kein laufendes Auto draußen, keine lauten (und leisen) Stimmen. Wir brauchen wieder eine "Kultur der Ruhe" am späten Abend !
LNS

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