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Medizin

Rohmilch senkt Infektionsrate bei Säuglingen

Freitag, 24. Oktober 2014

dpa

München – Rohe Kuhmilch scheint bei Kindern Atemwegsinfekten, Fieber und Mittelohrentzündungen entgegenzuwirken. Säuglinge, die rohe Kuhmilch bekommen, werden seltener krank als H-Milch-Trinker. Das berichten Allergologen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) um Erika von Mutius im Journal of Allergy and Clinical Immunology (DOI: 10.1016/j.jaci.2014.08.044).

Da Rohmilch jedoch auch krankmachende Mikroorganismen enthalten kann und ihr Verzehr daher ein hohes gesundheitliches Risiko birgt, plädieren die Forscher für neue schonende industrielle Verfahren, bei denen die schützenden Inhaltsstoffe der unbe­handelten Milch erhalten bleiben.

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Im Rahmen der Langzeitstudie „Pasture“ hielten rund 1.000 Mütter Ernährung und Gesundheit ihres Kindes bis zum ersten Lebensjahr wöchentlich fest. „Kinder, die unbehandelte Kuhmilch tranken, hatten ein deutlich niedrigeres Risiko für Schnupfen, Atemwegsinfekte, Fieber und Mittelohrentzündungen als Kinder die kommerziell hocherhitzte Milch tranken“, sagte Georg Loss vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU und Erstautor der Publikation.

Ihr Risiko, etwa an Atemwegsinfektionen zu erkranken, sank um bis zu 30 Prozent. Dieser Effekt schwächte sich etwas ab, wenn die Milch von den Eltern erwärmt wurde. Pasteu­risierte Milch, die industriell erhitzt wird, schützte noch vor fieberhaften Erkrankungen, während dieser Effekt bei H-Milch gar nicht mehr bestand. Die Ergebnisse sind der Studie zufolge unabhängig von anderen möglichen Einflussfaktoren wie der Ernährung der Kinder.

„Die unterschiedlich schützenden Effekte der Milchtypen beruhen vermutlich auf bestimmten hitzeempfindlichen Inhaltsstoffen der Milch. Vor allem bei Atemwegsinfekten und Mittelohrentzündung scheinen Inhaltsstoffe, die in Rohmilch vorkommen, aber nicht in erhitzter Milch, eine tragende Rolle zu spielen“, sagte Loss.

Bei der industriellen Verarbeitung wird Milch erhitzt, beim Pasteurisieren auf Tempe­raturen zwischen 72 und 75 Grad Celsius, bei der Herstellung von H-Milch auf Temperaturen um 135 Grad Celsius. Zudem wird die Milch homogenisiert, damit sich das Fett verteilt und sich kein Rahm bildet.

Im Alter von zwölf Monaten wurde den Kindern Blut abgenommen, das immunologisch untersucht wurde. Säuglinge, die Rohmilch tranken, hatten niedrigere Normalwerte des Entzündungsparameters CRP (C-reaktives Protein), der Ärzten Auskunft über Entzün­dungen im Körper gibt. „Höhere Entzündungswerte hängen mit der Entwicklung chronischer Erkrankungen wie Asthma und Übergewicht zusammen, wie aus anderen Studien bekannt ist. Der Konsum von Rohmilch könnte also das Risiko senken, später an Asthma zu erkranken“, sagt Loss.

An der Pasture-Studie nehmen 1.000 schwangere Frauen aus ländlichen Regionen in Bayern, Finnland, Frankreich, der Schweiz und Österreich teil, etwa die Hälfte lebt auf Bauernhöfen. Ihre Kinder werden bis zu ihrem zehnten Lebensjahr wissenschaftlich begleitet, um die Umwelteffekte bei der Entstehung von Asthma und Allergien zu untersuchen. Auch die Ernährung der Mütter während der Schwangerschaft wurde berücksichtigt. Neben der LMU sind das Deutsche Zentrum für Lungenforschung und die Universitäten in Ulm, Marburg, Basel, Helsinki, Kuopio (Finnland), und Besançon (Frankreich) beteiligt sowie Wissenschaftler der Kinderspitäler in St. Gallen und Schwarzach (Österreich).

Die positiven Effekte des Landlebens auf die Immunabwehr wurden bereits in mehreren Untersuchungen bestätigt. „Kinder, die auf einem traditionellen Bauernhof mit Milchvieh aufwachsen, sind am besten vor allergischen Reaktionen geschützt“, fasst von Mutius die bisherigen Ergebnisse zusammen.    hil

 

© hil/aerzteblatt.de

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