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Medizin

Ebola: Keine Kontrolle der Epidemie in Sicht

Freitag, 24. Oktober 2014

dpa

New York – Nach den jüngsten Zahlen der Welt­gesund­heits­organi­sation hat die Zahl der Ebola-Erkrankten die 10.000er Grenze erreicht. Die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher sein. Die jüngste Erkrankung in New York City dürfte nicht die letzte importierte Ebola-Infektion bleiben.

Obwohl sich bereits 12.000 „health care workers“ in den drei betroffenen Ländern befinden, die von 17.500 einheimischen Helfern unterstützt werden, ist die Situation weiter außer Kontrolle. Epidemiologen der Yale School of Public Health in New Haven/Connecticut schätzen in Lancet Infectious Diseases, dass die Zahl der Erkrankten bis Mitte Dezember auf 170.000 anwachsen wird, von denen 90.00 an der Erkrankung sterben würden. Benötigt würden – noch in diesem Monat – 4.800 zusätzliche Betten.

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Aber selbst dann könnte die Zahl der Erkrankungen bis Mitte Dezember nur auf etwa 97.000 Fälle begrenzt werden. Von dem Ziel, mindestens 70 Prozent der Erkrankten zu isolieren und zu behandeln, sind die Ärzte und Hilfskräfte vor Ort meilenweit entfernt. Erst dann könnte die Basisreproduktionszahl (R0) auf unter 1 gedrückt werden. Derzeit beträgt sie nach Berechnungen der US-Epidemiologen 2,49.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation hat diese Woche die Impfstoffhersteller gedrängt, die Produktion zu steigern. Doch dass die beiden Impfstoffe, die GlaxoSmithKline (GSK) in Belgien und NewLink Genetics in Iowa produzieren, rechtzeitig eintreffen werden, ist unwahrscheinlich. Die ersten klinischen Studien sind noch nicht abgeschlossen und derzeit ist ungewiss, ob die Vakzinen Menschen überhaupt schützen würden (und in der Anwendung sicher sind).

GSK könnte frühestens im Januar mit einer größeren Phase 2-Studie beginnen. In Liberia sollen dann 12.000 Menschen geimpft werden. Die Studie soll nach Informationen von Science ein Doppelblind-Design haben. Nur die Hälfte der Teilnehmer hätte dann eine Aussicht auf eine Schutzwirkung. Eine zweite Studie, ebenfalls mit der GSK-Vakzine, soll ebenfalls Mitte Januar in Sierra Leone beginnen. Geplant ist ein „stepped-wedge”-Design, in dem alle 8000 Teilnehmer geimpft würden, um die Effektivität im Vergleich zu noch nicht geimpften Personen zu ermitteln. Der Hersteller NewLink Genetics ist in der Entwicklung etwa sechs Wochen hinter GSK zurück. Erste klinische Studien sind in Genf, Schweiz und Hamburg geplant.

GSK kann bis Januar maximal 24.000 Impfdosen herstellen, im April könnten es 230.000 Dosierungen sein. Die Millionengrenze könnte 2015 erreicht werden. Wie viele Menschen bis dahin in Westafrika (und auch anderswo) an Ebola gestorben sein werden, vermag im Moment niemand vorherzusagen. © rme/aerzteblatt.de

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