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Medizin

Ovarialkarzinom: EMA empfiehlt Zulassung von Olaparib

Freitag, 24. Oktober 2014

London - Die Behandlungsoptionen beim rezidivierten Ovarialkarzinom werden in Europa demnächst um ein erstes zielgerichtetes Medikament erweitert. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung von Olaparib befürwortet. In den USA hatte sich im Juni ein Gutachtergremium der FDA gegen eine Zulassung ausgesprochen.

Olaparib nutzt eine 2011 bei der Analyse des Krebsgenoms offenbar gewordene Schwäche von Ovarialkarzinomen aus. Der Krebs ist häufig Folge eines Ausfalls von DNA-Reparatur-Enzymen, von denen BRCA1- und BRCA2-Mutationen nur die bekanntesten Vertreter sind. Die Mutationen fördern einerseits die Entwicklung der Tumore, andererseits schwächen sie aber auch die Krebszellen selbst.

Denn die Entwicklung von Krebstumoren ist darauf angewiesen, dass ihr Erbgut eine Reststabilität aufweist, ohne die es zum Absterben der Zellen käme. Hier greift Olaparib an. Der Wirkstoff blockiert das Enzym Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP), das an der DNA-Reparatur beteiligt ist. Olaparib ist der erste einer Reihe von PARP-Inhibitoren, die für die Krebstherapie entwickelt wurden.

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Die klinische Prüfung hat in einer Phase 2-Studie vielversprechende Ergebnisse geliefert. An der Studie hatten 265 Patientinnen mit Ovarialkarzinom teilgenommen, die unter einer Platin-basierten Chemotherapie wenigstens eine partielle Remission erzielt hatten. Sie wurden auf eine Erhaltungstherapie mit Olaparib oder Placebo randomisiert. Nach den kürzlich von Jonathan Ledermann vom University College London und Mitarbeitern in Lancet Oncology (2014; 15: 852-861) vorgestellten Ergebnissen verlängerte Olaparib das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zu Placebo.

Signifikant war der Unterschied allerdings nur bei Patientinnen, deren Tumore Mutationen in einem BRCA-Gen aufwiesen. Hier wurde die mediane PFS von 4,3 auf 11,2 Monate verlängert (Hazard Ratio 0,18; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,10 bis 0,31). Bei den Patienten ohne BRCA-Mutation wurde die mediane PFS nicht-signifikant von 5,5 auf 7,4 Monate verlängert.

Obwohl eine lebensverlängernde Wirkung (noch?) nicht nachgewiesen werden konnte, erkannte der CHMP in der deutlichen Verlängerung des PFS einen klinisch relevanten Vorteil und legte der Europäischen Kommission, die hier das letzte Wort hat, eine positive Empfehlung vor.

Ein Beratergremium der FDA war im Juni zu einer anderen Bewertung gekommen. Die Bedenken betrafen weniger die Effektivität oder die Nebenwirkungen im Allgemeinen. Olaparib führte zu Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Anämie, die in der Regel leicht bis mittelschwer waren und kein Sicherheitsrisiko sind. Bei vier Patienten kam es jedoch zu einer akuten myeloischen Leukämie (AML) oder seiner Vorstufe, dem myelodys­plastischen Syndrom.

Weitere Analysen zeigen, dass es vermutlich keine Einzelfälle sind. Die FDA berichtet über 22 Fälle unter insgesamt 2.618 behandelten Patienten, von denen 17 tödlich endeten. Von den 22 Patienten wiesen 17 eine BRCA-Mutation auf. Die FDA-Gutachter rieten deshalb, vor einem positiven Votum die Ergebnisse der laufenden Phase 3-Studie abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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