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Medizin

Schilddrüsenkrebs: Genom-Analyse legt neue Einteilung nahe

Freitag, 24. Oktober 2014

Ann Arbor - US-Forscher haben das Genom von fast 500 papillären Schilddrüsen­karzinomen sequenziert. Die in Cell (2014; doi: 10.1016/j.cell.2014.09.050) vorgestellten Ergebnisse lassen eine Zweiteilung des häufigsten Schilddrüsenmalignoms sinnvoll erscheinen.

Mit einer Verdreifachung der Inzidenz in den letzten 30 Jahren (US-Zahlen) sind Karzinome der Schilddrüse die am raschesten zunehmenden Krebserkrankungen beim Menschen. Achtzig Prozent aller Krebserkrankungen entfallen dabei auf das papilläre Schilddrüsenkarzinom (PTC). Ein günstiges Kennzeichen des Tumors ist sein langsames Wachstum.

Mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von über 95 Prozent sind die Heilungschancen durch Operation und Radiojodtherapie überdurchschnittlich gut – wenn der Tumor rechtzeitig diagnostiziert wird. Thomas Giordano von der University of Michigan Medical School führt das langsame Wachstum auf die geringe Neigung des PTC zu Mutationen zurück, die jetzt bei der Genom-Analyse gefunden wurden.

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Das Team hat bei der Analyse eine Reihe neuer „Onkogen-Treiber“ (Punktmutationen, Fusionen oder Varianten der Genkopienzahl) gefunden, so dass die Zahl der „dunklen Materie“ von Tumoren ohne bekannte genetische Auslöser nach Einschätzung von Giordano von 25 auf 3,5 Prozent gesenkt werden kann.

Die wichtigste neue Erkenntnis scheint jedoch eine genetische Zweiteilung des PTC zu sein. In einer Hauptgruppe stehen BRAF-Mutationen im Vordergrund, in der anderen Gruppe werden die Tumore in erster Linie über RAS-Mutationen angetrieben. Die weitere Analyse ergab, dass sich diese beiden Gruppen auch im Stoffwechsel (Proteom) und der Genaktivierung (Epigenom) unterschieden.

Eine Neuklassifizierung hält Giordano auch deshalb für sinnvoll, weil es mittlerweile Medikamente gibt, die gezielt in den BRAF und (K)RAS-Signalweg eingreifen. Er verweist hier auf eine im letzten Jahr im New England Journal of Medicine (2013; 368:623-632) publizierte Studie, in der der MEK-Inhibitor Selumetinib die Radiojodaufnahme vor allem bei Patienten mit RAS-Mutation gesteigert hat. © rme/aerzteblatt.de

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