NewsMedizinKrebs: Stammzellen in Killer-Zellen verwandelt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Krebs: Stammzellen in Killer-Zellen verwandelt

Montag, 27. Oktober 2014

dpa

Boston – US-Forscher haben Stammzellen mit dem Gen für ein bakterielles Toxin ausgerüstet, das selektiv Tumorzellen angreift. Erste Experimente an Tieren in Stem Cells (2014; doi: 10.1002/stem.1874) ergaben, dass sich Hirntumore erfolgreich bekämpfen lassen.

Das Endotoxin von Pseudomonas aeruginosa gehört zu den Giften, die selektiv Zellen abtöten. Außerhalb der Zellen ist es harmlos, in der Zelle kann es durch die Inaktivierung des Elongation factor 2 die gesamte Proteinsynthese der Zelle lahm legen. In der Natur gelangt das Toxin über den LDL-Rezeptor in die Zelle. Seit den 1990er Jahren ist die Forschung jedoch in der Lage, die „Markierung“ des Toxins zu verändern, so dass es in nahezu jede beliebige Zelle eindringt.

Anzeige

Bei Hirntumoren bietet sich der Rezeptor für Interleukin-13 oder der epidermale Wachstumsfaktor an. Er wird von vielen Glioblastomen, aber niemals von gesunden Hirnzellen gebildet. Dem Team um Khalid Shah vom Harvard Stem Cell Institute in Boston ist es jetzt gelungen, Stammzellen mit dem Gen für ein Pseudomonas-Exotoxin zu versehen, das über einen der beiden Rezeptoren in die Hirnzellen eindringt. Die größte Schwierigkeit, die die Forscher nach eigener Aussage zu überwinden hatten, war eine Selbstzerstörung der Stammzellen durch das Toxin zu verhindern. Dies gelang ihnen durch Einfügung einer Mutation in das Genom der Stammzellen, das diese resistent gegen den Angriff des Pseudomonas-Exotoxins machte.

Für die tierexperimentellen Studien wurden die modifizierten Stammzellen in ein Gel eingebracht. Mit dem Gel füllten die Forscher dann den Hohlraum, der durch die Entfernung des Glioblastoms im Gehirn entstanden war. Nach Angabe der Forscher hat die Behandlung das Leben der Tiere verlängert. Die spätere Untersuchung des Gehirns der Mäuse habe ergeben, dass die Toxine tatsächlich Tumorzellen, die nach der Operation im Gehirn verblieben waren, abtötet. Auch verschiedene Glioblastom-Zelllinien konnten im Labor mit dem Pseudomonas-Exotoxin aus den Stammzellen vernichtet werden.

Das infiltrative Wachstums von Gliomen verhindert in der Regel eine vollständige Entfernung des Tumors. Eine Behandlung mit Stammzellen würde sich deshalb auch zur Behandlung des häufigsten malignen Hirntumors anbieten. Die präklinische Entwicklung der neuen Therapie ist aber längst nicht abgeschlossen. Shah rechnet damit, dass erste klinische Versuche erst in fünf Jahren begonnen werden können. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2020
Berlin – Künftig umfasst der Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) vier biomarkerbasierte Brustkrebstestverfahren. Einen entsprechenden Beschluss hat heute der Gemeinsame
Drei weitere Biomarker-Tests bei Brustkrebs als Entscheidungshilfe
6. Oktober 2020
Berlin – Angesichts einer zunehmend personalisierten Medizin mit begrenzten Fallzahlen bei prospektiv randomisierten Studien sollte für eine Bewertung der Versorgungsqualität künftig auch auf
Registerdaten können für Transparenz der Versorgungsqualität sorgen
2. Oktober 2020
Berlin – Im Freien arbeitende Menschen, deren Haut über lange Zeit starker UV-Strahlung ausgesetzt ist, entwickeln häufiger ein Basalzellkarzinome als andere Menschen. Die Deutsche Dermatologische
Basalzellkarzinome: Anerkennung als Berufskrankheit gefordert
2. Oktober 2020
London – Gleich drei randomisierte Studien haben in den vergangenen Jahren das optimale Timing für die Strahlentherapie nach einer radikalen Prostatektomie untersucht. Die Ergebnisse, die jetzt im
Prostatakarzinom: Radiotherapie nach Operation kann häufig warten
29. September 2020
Lugano/Köln – Patienten mit nicht operablen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Ösophaguskarzinomen sollten künftig in der Erstlinienbehandlung zusätzlich zur Chemotherapie Pembrolizumab
Ösophaguskarzinome: Pembrolizumab plus Chemotherapie neuer Standard für die Erstlinie
29. September 2020
Lyon – Eine Immuntherapie mit Pembrolizumab, das die Wirkung der körpereigenen Krebsabwehr verstärkt, hat sich bei einer Reihe von seltenen Sarkomen als wirksam erwiesen, wie die Erfahrungen aus einer
Pembrolizumab bei seltenen Sarkomen wirksam
29. September 2020
Valencia/Spanien – Ernährungsstörungen, unter denen viele Krebspatienten zumeist krankheitsbedingt leiden, erhöhen bei einer Krankenhausbehandlung das Risiko auf eine nosokomiale Infektion. Dies kam
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER