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Ethik soll Einfluss der Ökonomie in der Medizin begrenzen

Dienstag, 28. Oktober 2014

Basel – Den Einfluss der Ökonomie auf die Versorgung der Patienten sinnvoll zu begrenzen, fordert die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) in einem Positionspapier. „Idealerweise können Qualität und Zugangsge­rechtigkeit stetig verbessert und Kosten gesenkt werden, ohne dass eine dieser Dimensionen zulasten einer anderen geht. In der Realität jedoch gibt es sehr wohl Konfliktfelder und Probleme“, heißt es in der Publikation „Medizin und Ökonomie – wie weiter?“ Erarbeitet hat sie eine Arbeitsgruppe, der neben Ärzten und Ökonomen auch Angehörige weiterer Gesundheitsberufe angehörten.

Die Autoren umreißen, was geschieht, wenn die Ökonomie ein zu großes Übergewicht erhält: „Qualitätseinbußen durch fehlgeleitete Effizienzsteigerung, Interessenkonflikte der Gesundheitsfachleute, Aushöhlung des Fürsorgemodells in der Arzt- beziehungsweise Pflegende-Patienten-Beziehung, Verlust der intrinsischen Motivation von Leistungs­erbringern, Deprofessionalisierung, Verzerrung medizinischer Prioritäten, Vertrauens­verlust der Patienten und Überhandnehmen der Bürokratie“, so ihre Liste der negativen Folgen.

Deshalb sei es besonders wichtig, zu umreißen, welche Kerngehalte der Medizin nicht aufs Spiel gesetzt werden dürften. Hierzu zählten unter anderem eine fürsorgliche, respekt- und vertrauensvolle Beziehung zwischen medizinischen Fachpersonen und Patienten, eine bedürfnisorientierte Versorgung der Bevölkerung, ein finanzieller Aufwand, der nachhaltig leistbar sei und in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen stehe und nicht zuletzt ein wertschätzendes Arbeitsumfeld für Ärzte und andere medizinische Fachpersonen.

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Die Autoren betonen, dass die individuelle Patientenerfahrung, die Gesundheit der Bevölkerung und drittens Kosteneffizienz Dimensionen eines gemeinsamen Ziels seien. Das Gesamtziel – eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung – sei nicht zu erreichen, wenn eine dieser Dimensionen wegfalle. Allerdings bedeute dies im Gegenzug nicht, dass sich Ökonomen, Ärzte und Pflegepersonal immer einig sein müssten, wie das Gesamtziel zu erreichen sei.

„Eine kontinuierliche, konstruktive Auseinandersetzung ist dafür notwendig, sowohl auf der Makroebene des gesamten Gesundheitssystems als auch auf der Ebene der einzel­nen Gesundheitseinrichtungen, die zur Umsetzung des Ziels beitragen“, schreiben die Autoren auf Seite 29 des Positionspapiers.

Damit dies gelinge, sei es entscheidend, dass alle Beteiligten – also Leistungserbringer, Ökonomen und Politiker – sich auf eine gemeinsame Version vom Gesundheitswesen bezögen. „Was braucht es in jedem Fall in der individuellen Patientenversorgung und der Versorgung der Bevölkerung, oder, negativ formuliert: Was dürfen wir in der Gesundheitsversorgung auf keinen Fall verlieren?“ – über diese Frage müsse ein weitgehender Konsens bestehen.

Aber wie lässt sich dieser Konsens erreichen und als Leitbild im klinischen Alltag installieren?

Folgende Ansatzpunkte scheinen den Autoren geeignet:

  • Probleme messbar und damit sichtbar machen. „Quantitativen Daten kommt als Entscheidungsgrundlage häufig eine gewichtige Rolle zu, auch wenn sie nur einen Ausschnitt aus den zu berücksichtigenden Aspekten repräsentieren“, heißt es in dem Papier.
  • Zielführende Gestaltung von Anreizsystemen
  • Förderung der Patientenorientierung.
  • Entwicklung einer Ethik-Kultur im klinischen Alltag.
© hil/aerzteblatt.de

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ede65
am Dienstag, 28. Oktober 2014, 14:31

Ethik und Ökonomie

schliessen sich hier prinzipel gegensietig aus, da das System, so wie es bei uns angelegt ist, einzig und alleine der Gewinnmaximierung der (Gesundheits und Pharma) Industrie dient. Es werden bei Patienten und Leistungserbringern Ängste geschürt und Bedürfnisse geweckt, die ein verantwortungsvolles, ethisches Handeln nahezu unmöglich machen. Deshalb steigen viele aus dem System aus und wenden sich dem sogenannten zweiten Gesundheitsmarkt zu oder suchen sich andere Möglichkeiten Ihren Beruf auf eine befriedigende, ethische Art und Weise aus zu üben. Der Patient im Mittelpunkt eines Systems das ich aber nicht immer schneller drehen muss, um zu laufen. Weniger ist mehr und bringt Ruhe und neue, längst vergessene Möglichkeiten.
LNS

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