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Medizin

Tenofovir-Gel halbiert HSV2-Neuinfektionen in Studie

Dienstag, 28. Oktober 2014

dpa

Kapstadt – Ein Vaginalgel mit Tenofovir, das zur Prävention einer HIV-Infektion entwickelt wurde, hat in einer Präventionsstudie in Afrika die Rate der Infektionen mit dem Herpes simplex-Virus 2 (HSV2) nahezu halbiert – sofern es angewendet wurde. Dies geht aus einer Auswertung der VOICE-Studie hervor, die auf einer Tagung in Kapstadt vorgestellt wurde.

Die „Vaginal and Oral Interventions to Control the Epidemic“ oder VOICE-Studie hatte nach Möglichkeiten gesucht, Frauen in Afrika vor einer HIV-Infektion durch einen ungeschützten Geschlechtsverkehr zu schützen. 5.029 Frauen aus 15 Standorten in Südafrika, Uganda und Simbabwe hatten verschiedene Formen der Präexpositions­prophylaxe erprobt.

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Doch weder Tenofovir-Tabletten, noch die Truvada-Kombination, die neben Tenofovir noch Emtricitabin enthält, noch ein Tenofovir-Vaginalgel hatten sich als wirksam erwiesen, was die Forscher damals auf die geringe Adhärenz der Teilnehmerinnen zurückführten. Blutproben hatten damals gezeigt, dass weniger als ein Drittel der Frauen die Mittel eingenommen hatte. Das Gel hatte sogar weniger als ein Viertel der Frauen angewendet.

Dabei hätten sich die Frauen mit dem Gel nicht nur vor HIV, sondern auch vor einem genitalen Herpes durch eine HSV2-Infektion schützen können, wie Jeanne Marrazzo von der University of Washington in Seattle jetzt den Teilnehmern der „HIV Research for Prevention“ (HIV R4P) in Kapstadt erläuterte. Von den 1.004 Frauen der Studie, die auf eine Anwendung von Tenofovir-Gel randomisiert worden waren, waren 566 zu Beginn der Studie noch HSV2-negativ.

Insgesamt 527 hatten an den Blutuntersuchungen vor und nach dem Ende der Studie teilgenommen, in denen die Adhärenz geprüft wurde. Am Ende der Studie hatten sich 92 Frauen neu mit HSV-2 infiziert: 77 von ihnen hatten kein Tenofovir im Blut, bei den anderen 15 Frauen zeigten die Bluttests an, dass sie das Tenofovir-Gel regelmäßig angewendet hatten. Marrazzo gibt die HSV2-Inzidenz bei Frauen, die das Gel nicht genutzt hatten, mit 20,2 Prozent an. Von den Anwenderinnen hatten sich nur 11,6 Prozent mit HSV2 infiziert.

Zu einem ähnlichen Ergebnis war Marrazzo zufolge auch die CAPRISA 004 gekommen, in der 889 Frauen vor und nach dem Sex ebenfalls ein Gel mit Tenofovir oder Placebo angewendet hatten. Die Präexpositionsprophylaxe hatte – vermutlich aufgrund der besseren Adhärenz – nicht nur die HIV-Inzidenz um 39 Prozent gesenkt. Laut Marrazzo wurde auch die Rate der HSV2-Infektionen um 51 Prozent vermindert.

Endgültige Gewissheit in dieser Frage erhofft sich die Expertin von der laufenden Phase 3-Studie FACTS 001. Sie prüft an 2.059 Frauen aus Südafrika erneut die Wirksamkeit eines Tenofovir-Vaginalgels. Zu den primären Endpunkten gehören neben HIV- auch HSV2-Neuinfektionen. © rme/aerzteblatt.de

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