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Medizin

Frakturschmerz: Ibuprofen bei Kindern Morphin gleichwertig

Mittwoch, 29. Oktober 2014

dpa

London – Die starken Schmerzen, die Kinder nach einem Knochenbruch erleiden, müssen nicht unbedingt mit Codein oder anderen Opiaten behandelt werden. In einer randomisierten Studie im Canadian Medical Association Journal (2014; doi: 10.1503 /cmaj.140907) erzielte das nichtsteroidale Antiphlogistikum Ibuprofen eine gleich starke Wirkung wie Morphin.

Codein war lange Zeit ein beliebtes Schmerzmittel bei Kindern. Die Wirkung beruht auf der „Aktivierung“ zu Morphin in der Leber. Die verantwortliche Enzymreaktion unterliegt starken genetischen Schwankungen. Bei „ultraschnellen Metabolisierern“ kann es zu einer unerwartet starken Morphinwirkung kommen, die aufgrund der geringen thera­peutischen Breite das Risiko von schweren Atemdepressionen birgt. Nach mehreren tödlichen oder lebensbedrohlichen Intoxikationen, zu denen es in der postoperativen Schmerzbehandlung gekommen war (Adenoidektomie/Tonsillektomie), hatten die Arzneibehörden vor einem unkritischen Einsatz gewarnt.

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Einige Therapeuten bevorzugen deshalb die Gabe von Morphin zur Schmerzbe­handlung, da die Wirkung verlässlicher ist. Morphin ist zweifellos ein starkes Analgetikum, doch ob es die richtige Wahl für Kinder nach Knochenbrüchen ist, wird durch die Ergebnisse einer randomisierten Studie infrage gestellt, die Naveen Poonai und Mitarbeiter an einer Kinderklinik in London im kanadischen Bundesstaat Ontario durchgeführt haben.

Die Ärzte der Klinik entließen 183 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren nach der nichtoperativen Versorgung eines Knochenbruchs im Bereich der Extremitäten mit Schmerztabletten, die entweder Morphin (0,5 mg/kg, maximal 10 mg) oder Ibuprofen (10 mg/kg, maximal 600 mg) enthielten. Die Kinder sollten sie bei anhaltenden Schmerzen alle sechs Stunden einnehmen. Maximal waren vier Tabletten erlaubt. Durchbruch­schmerzen sollten mit Paracetamol (Dosis 15 mg/kg, maximal 975 mg) behandelt werden.

Primärer Endpunkt war die Linderung des Schmerzes nach der ersten Dosis, die mit einer Gesichterskala (Faces Pain Scale – Revised (FPS-R)) von den Kindern beurteilt wurde. Beide Medikamente erzielten hier eine gleich gute Wirkung. Die Kinder, die Morphin erhalten hatten, benötigten sogar tendenziell häufiger Paracetamol zur Behandlung von Durchbruchschmerzen (25,7 versus 14,7 Prozent).

Gleichzeitig wurde Ibuprofen von den Kindern besser vertragen: Die Häufigkeit von Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit (34,8 versus 20,6 Prozent), Übelkeit (27,3 versus 5,9 Prozent) und Erbrechen (12,1 versus 2,9 Prozent) war nach der Morphingabe deutlich höher. Da Morphin mit deutlich mehr Nebenwirkungen verbunden ist, rät Poonai dazu, Ibuprofen als sichere und wirksame Therapie in der ambulanten Behandlung von Kinderbruchschmerzen zu bevorzugen.

© rme/aerzteblatt.de

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