Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

„Ebola ist eine vernachlässigte Krankheit“

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Berlin – Die Gesundheitsministerin von Benin, Dorothée Akoko Kinde-Gazard, war eine der Rednerinnen während des 6. World Health Summit (WHS) 2014 in Berlin. Benin ist einer von 15 Staaten, die die Weltgesundheitsorganisation als besonders gefährdet für einen Ebola-Ausbruch hält. Drei junge Medizinjournalistinnen, die beim WHS mit dem „Next Generation of Science Journalists-Award“ ausgezeichnet worden waren, nutzen die Chance, die afrikanische Politikerin über die Situation im Land zu befragen.

5 Fragen an … Dorothée Akoko Kinde-Gazard, Gesundheitsministerin von Benin

DÄ: Welche Auswirkungen hat der Ebola-Ausbruch in Westfafrika auf Benin?
Kinde-Gazard: Wir hatten bislang noch keine Ebola-Fälle in unserem Land, so dass bei uns vor allem die Prävention im Vordergrund steht. Wir nutzen lokale Radio-Stationen, um über die Symptome und Vorsichts­maßnahmen aufzuklären und schulen die Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich. Außerdem muss jeder, der ins Land will, ein Registrierungsformular ausfüllen und seine Temperatur kontrollieren lassen.

DÄ: Folgen die Menschen in Benin diesen Anweisungen – oder tritt innerhalb der Bevölkerung Panik auf?
Kinde-Gazard: In meinem Land haben alle Angst vor diesem Ausbruch. Die Verun­sicherung ist groß. Manche Leute denken sofort an Ebola, wenn sie Fieber haben. Dabei tritt dieses Symptom auch bei der häufig auftretenden Malaria auf.

DÄ: Nigeria gilt inzwischen als „Ebola-frei“. Hatten Sie jemals daran gedacht, die Grenzen zu diesem Nachbarland zu schließen?
Kinde-Gazard: Nein, daran haben wir nie gedacht. Denn das wäre nicht realistisch. Trotz geschlossener Grenzen würden die Leute irgendwie hinein und hinaus gelangen. Deshalb ist es besser, die Grenzen offen zu lassen und genau zu wissen, wer sie übertritt.

DÄ: Was erwarten Sie von den europäischen und internationalen Institutionen im Hinblick auf den Ebola-Ausbruch?
Kinde-Gazard: Unser größtes Problem in Afrika ist der Mangel an medizinisch geschul­tem Personal. Wir haben nicht genug Mitarbeiter im Gesundheitsbereich, um mit solchen Situationen umgehen zu können. Wir sind auf die internationale Zusammenarbeit ange­wiesen. Sie ist wirklich wichtig, da wir ein armes Land sind. Leider hat die Reaktion der Industrieländer auf den Ebola-Ausbruch viel zu lange gedauert.

DÄ: Was kann man aus der jetzigen Situation für die Zukunft lernen?
Kinde-Gazard: Wir müssen die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigen. Wir reden seit 1976 über Ebola, doch wir haben immer noch keine Impfung, kein Serum, keine Therapie. Es ist eine tropische Krankheit – und deshalb ist es eine vernachlässigte Krankheit. © Ángela Bernardo, Ana Belén Callardo, Merle Schmalenbach/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

23.05.17
Genf – Bei dem Ebola-Ausbruch im Kongo in Zentralafrika hat sich die Zahl der Fälle von 29 auf 43 erhöht. 38 davon gälten aber weiterhin nur als Verdachtsfälle, sagte ein Sprecher der......
19.05.17
Genf –Im Kongo sind neue Ebola-Verdachtsfälle aufgetreten. Insgesamt 29 Menschen könnten sich in dem zentralafrikanischen Land mit dem lebensgefährlichen Virus infiziert haben, teilte die......
18.05.17
WHO: Risiko für größere Ebola-Epidemie im Kongo ist hoch
Genf – Der neueste Ebola-Ausbruch im Kongo stellt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf Landesebene ein hohes Risiko dar. „Derzeit kennen wir das volle Ausmaß des Ausbruchs noch......
16.05.17
Genf – Der Ebola-Ausbruch im Kongo in Zentralafrika ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weitgehend unter Kontrolle. Die Behörden hätten 400 Menschen unter Beobachtung, die mit......
15.05.17
Zweiter Ebola-Fall im Kongo bestätigt
Goma – Im Kongo gibt es einen zweiten durch Labortests bestätigten Ebola-Fall. In der nordöstlichen Provinz Bas-Uélé sind inzwischen 19 Fälle hämorrhagischen Fiebers erfasst, wie die......
12.05.17
Neuer Ebola-Fall im Kongo
Genf – Im Kongo gibt es einen neuen Ebola-Fall. In der nordöstlichen Provinz Bas-Uélé gebe es insgesamt neun Verdachtsfälle, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) heute. Drei Menschen seien......
05.05.17
WHO hält neue Ebola-Epidemie für unausweichlich
Conakry – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält eine neue Ebola-Epidemie für „unausweichlich“, sieht sich aber besser vorbereitet als beim Ausbruch der Krankheit in Westafrika Ende 2013. Experten......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige