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Ausland

Ebola-Epidemie breitet sich in Liberia langsamer aus

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Monrovia – Erstmals nach Monaten ist ist am Mittwoch ein schwaches Signal der Hoff­nung aus dem am schwersten vom Ebola-Virus betroffenen Liberia gekommen. Nach übereinstimmenden Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) und des liberi­anischen Roten Kreuzes hat sich dort die Ausbreitung des tödlichen Virus verlang­samt. Doch sowohl die WHO als auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnten, dass die Epidemie weiterhin nicht unter Kontrolle sei.

In der vergangenen Wochen seien in Liberias Hauptstadtregion Montserrado 117 Leichen gefunden worden, sagte der Leiter des nationalen Roten Kreuzes, Fayah Tamba, am Mittwoch dem Radiosender Sky FM. Das entspreche rund einem Drittel der noch Mitte September aufgefundenen 315 Ebola-Toten. „Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass die Fallzahlen sinken“, sagte Tamba. Allein in Liberia sind nach WHO-Angaben mehr als 2.700 von rund 4.700 Ebola-Infizierten gestorben.

Der stellvertretende WHO-Generaldirektor Bruce Aylward in Genf bestätigte die gute Nachricht aus Monrovia. „Es scheint, dass sich der Trend in Liberia bestätigt“, sagte Aylward. Er sei aber „angsterfüllt, die Nachricht könnte falsch interpretiert werden“, sagte Aylward weiter. Niemand dürfe glauben, das Virus sei unter Kontrolle. „Die Ausbreitung des Virus übertrifft weiterhin die Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft“, sagte UN-Generalsekretär Ban in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba.

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Weiterhin zu wenig mediznisches Personal
Ban forderte die Staaten auf, mehr medizinisches Personal in die Krisenregion zu senden. Er selbst wolle zu „gegebener“ Zeit Liberia besuchen, sagte Ban. Liberias Staatschefin Ellen Johnson Sirleaf traf am Dienstag im UN-Hauptquartier zur Bekämpfung von Ebola in Ghana mit der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, zusammen. „Meine wichtigste Botschaft lautet, dass wir Ebola besiegen werden“, sagte Power nach dem Treffen.

In Freetown, der Hauptstadt des ebenfalls schwer von Ebola betroffenen Sierra Leone, würden inzwischen fast alle Ebola-Toten sicher beerdigt, sagte Power. Ebola-Infizierte sind nach ihrem Tod besonders ansteckend.

Weltbankchef Jim Yong Kim hatte am Dienstag Krankenpfleger und Ärzte weltweit aufgerufen, für den Kampf gegen Ebola nach Westafrika zu gehen. Er bezifferte den Bedarf auf 5.000 medizinische Fachkräfte aus dem Ausland, die ständig rotieren müssten. Der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, bestätigte den Mangel an Pflegepersonal. „Es sind nicht nur mehr Betten nötig. Wir brauchen Personal, Freiwillige.“ Die Bundesregierung müsse hierüber „kreativ nachdenken“, sagte Lindner vor einem Treffen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Vertretern verschiedener Hilfsorganisationen in Berlin.

Lindner hatte die Krisenregion zwei Wochen lang bereist. Die internationale Hilfe gegen das Virus werde allmählich sichtbar, sagte er. Es sei allerdings nicht ausreichend, sich auf die Behandlung der Erkrankten zu konzentrieren.

„Es muss die Durchbrechung der Infektionskette erfolgen - und die ist komplex.“ Lindner warnte vor den sozialen und politischen Folgen der Seuche.  „Die menschliche Dimension ist gewaltig“, sagte Lindner über seine Eindrücke aus Ländern, in denen die Menschen einander nicht mehr zu berühren wagen.

US-Soldaten sollen unter Quarantäne gestellt werden
Das US-Verteidigungsministerium stellt Soldaten nach ihrem Einsatz gegen Ebola in Westafrika für 21 Tage unter Quarantäne. Die bislang nur für das Heer geltende medizinische Beobachtungszeit werde als „Vorsichtsmaßnahme“ auf alle Truppenteile ausgeweitet, erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby am Mittwoch in Washington. Die Priorität von Verteidigungsminister Chuck Hagel liege „auf der Sicherheit unserer Männer und Frauen in Uniform sowie deren Familien“.

Derzeit sind rund 600 US-Soldaten im westafrikanischen Liberia stationiert, um bei der Eindämmung der Ebola-Epidemie zu helfen. Hundert weitere US-Militärangehörige befinden sich im Senegal. Insgesamt will die US-Regierung bis zu 4.000 Soldaten in die Krisenregion verlegen. Die Einheiten sollen unter anderem Krankenhäuser aufbauen und die Versorgung mit Hilfsgütern sicherstellen. Direkten Kontakt mit Ebola-Patienten sollen die Soldaten nicht haben. © afp/aerzteblatt.de

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