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Medizin

Nierenkrebs: Genschäden durch Aristolochiasäuren in Rumänien

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Montreal – Die Aristolochiasäure, ein Bestandteil der gewöhnlichen Osterluzei, einer vermeintlichen Heilpflanze, die in Balkanregionen häufig das Getreide verunreinigt, kann offenbar Nierenkrebs auslösen. In einer Genomstudie, die jetzt in Nature Commu­nications (2014; doi: 10.1038/ncomms6135) veröffentlicht wurde, wiesen viele Klarzell­karzinome von rumänischen Patienten Mutationen auf, die für die Aristolochiasäure kennzeichnend sind. 

Das Klarzellkarzinom ist die häufigste Nierenkrebsform. Seine Inzidenzrate nimmt derzeit vor allem in Zentraleuropa stark zu, ohne dass die Gründe hierfür bekannt sind. Auf einen möglichen Auslöser ist jetzt das International Cancer Genome Consortium gestoßen. Das Team um Mark Lathrop vom Genome Quebec Innovation Centre in Montreal hat das Genom und das Transkriptom (die Gesamtheit aller angerufenen Gene) in 94 Klarzellkarzinomen untersucht.

Die Patienten stammten aus Tschechien, Rumänien, Russland und Großbritannien. Die Forscher waren dabei auf der Suche nach Mutationen, die für den Krebs typisch sind und möglicherweise eine gezielte Therapie ermöglichen.

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Sie konnten bestätigen, dass ein bestimmter Signalweg namens PI3K/mTOR bei den Tumoren häufig dereguliert ist. Die Folge könnte eine gestörte fokale Adhäsion sein, bei der die Zellen ihre normale Bindung an die extrazelluläre Matrix verlieren. Eine Loslösung könnte die Proliferation der Krebszellen erleichtern und PI3K/mTOR gilt deshalb als Ansatzpunkt für mögliche Therapien.

Die Aufmerksamkeit der Forscher wurde jedoch schon bald auf eine Besonderheit bei den rumänischen Patienten gelenkt: Bei zwölf von 14 Patienten wies das Genom eine unerwartet hohe Frequenz von Transversionen der Nukleotid-Paare von A-T nach T-A auf. Eine solche Häufung hatte ein anderes Forscherteam im letzten Jahr in Science Translational Medicine (2013; 5: 197ra102) mit einer Exposition auf Aristolochiasäure in Verbindung gebracht. Die Aristolochiasäure kommt ausschließlich in der Familie der Aristolochiaceae vor, zu der die Osterluzei (Aristolochia clematitis) gehört. Diese Pflanze ist auf dem gesamten Balkan weit verbreitet. Wenn sie auf Getreidefeldern wächst, kann sie leicht in den Nahrungskreislauf gelangen. Diese Kontamination wird bereits für die sogenannte Balkan-Nephropathie verantwortlich gemacht.

Der gehäufte Nachweis von für Aristolochiasäure spezifischen Mutationen in Klarzellkar­zinomen deutet darauf hin, dass die Kontamination des Getreides in Rumänien anhält und dort möglicherweise für eine größere Zahl von Nierenkrebserkrankungen verant­wortlich ist. Die Forscher untersuchen jetzt weitere Tumore, um ihren Verdacht zu erhärten.

Die Aristolochiasäure war früher Hauptbestandteil von Frauengold gewesen, einem ab 1953 in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern rezeptfrei abgegebenen Herz-Kreislauf-Stärkungsmittel. Die Substanz wurde später mehrfach in Naturheilmitteln nachgewiesen, deren Anwender ein erhöhtes Risiko auf ein Nierenversagen und Karzinome in den ableitenden Harnwegen hatten. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft die Aristolochiasäure als krebserregend ein. © rme/aerzteblatt.de

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