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Politik

Je höher die Facharztdichte, desto besser die Versorgung

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Berlin – Je höher die Facharztdichte von Nervenärzten, Neurologen und Psychiatern im niedergelassenen Bereich ist, desto besser ist die Versorgung von Patienten mit multipler Sklerose (MS), Demenz und Schizophrenie. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Neurologische und psychiatrische Versorgung aus sektorenübergreifender Perspektive“, die das IGES-Institut im Auftrag der Berufsverbände der Nervenärzte, der Neurologen und der Psychiater sowie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie erstellt hat. Grundlage der Studie sind Daten der Barmer GEK von etwa 250.000 Patienten aus den Jahren 2008 bis 2010.

„Es gibt starke Hinweise auf Defizite bei einer zeitnahen ambulanten Anschluss­behandlung bei Schizophrenie nach einem Krankenhausaufenthalt“, berichtete Martin Albrecht vom IGES-Institut gestern bei einer Veranstaltung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI), auf der die Studie vorgestellt wurde. So finde bei 53 Prozent der aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten innerhalb von vier Wochen keine ambulante Anschlussbehandlung bei einer der drei Facharztgruppen statt – bei 21 Prozent gebe es überhaupt keine ambulante Betreuung.

„Eine höhere regionale Facharztdichte vergrößert dabei die Wahrscheinlichkeit, dass eine ambulante Facharztbehandlung nach der Entlassung stattfindet“, so Albrecht weiter. 60 Prozent der Schizophrenie-Patienten ohne Facharztkontakt nach einer Krankenhaus­entlassung lebten in Kreisen mit einer unterdurchschnittlichen Facharztdichte. „Bei diesen Patienten war auch die Wahrscheinlichkeit eine Wiedereinweisung ins Krankenhaus deutlich höher“, sagte Albrecht.  

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Große regionale Unterschiede
Auch nach einer Erstdiagnose dauert es lange, bis die Patienten in Kontakt mit einer der drei Facharztgruppen kommen. Innerhalb von sechs Wochen nach der Erstdiagnose hatten 54 Prozent der MS-Patienten Kontakt zu einem entsprechenden Facharzt, 38 Prozent der Schizophrenie-Patienten und 25 Prozent der Demenz-Patienten. Die Zeit bis zum ersten Facharztkontakt nach Erstdiagnose ist dabei umso kürzer, je mehr niedergelassene Nervenärzte, Neurologen und Psychiater in einer Region tätig sind.

Regional unterschiedlich ist der Studie zufolge auch die Häufigkeit stationärer Aufenthalte von MS-Patienten: Die Anteile der Patienten mit mindestens einem Krankenhausaufenthalt schwanken demnach bereits auf Ebene der Bundesländer zwischen 13 und 37 Prozent. Wenn mehr niedergelassene Fachärzte ansässig sind, trug dies zu einer geringeren Häufigkeit stationärer Aufenthalte bei.

Strukturelle Unterschiede bestimmen Patientenversorgung
„Die regionalen Unterschiede deuten darauf hin, dass sich die Versorgung von MS-, Demenz- und Schizophrenie-Patienten nicht immer primär an medizinischen Gesichts­punkten und therapeutischen Anforderungen orientiert, sondern häufig auch durch strukturelle Unterschiede der regionalen Angebotskapazität bestimmt wird“, so das Fazit der Autoren.

„Eine intensive vertragsärztliche Versorgung spielt eine wichtige Rolle für die Vermeidung von Krankenhauseinweisungen“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen. „Wichtig ist, dass das Zusammenspiel zwischen Haus- und Fachärzten funktioniert.“ © fos/aerzteblatt.de

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