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Medizin

Ebola-Erkrankung verläuft selten hämorrhagisch

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebolaviren /Hans Gelderblom/RKI/Koloriert von Andrea Schnartendorff

New Orleans – Die Ebola-Erkrankung wird zu den viralen hämorrhagischen Fiebern gezählt. Zu den Erfahrungen von Medizinern in Westafrika gehört allerdings, dass schwere Blutungen insgesamt relativ selten sind, wie das WHO Clinical Response Team im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1411680) berichtet.

Das Kenema Government Hospital befindet sich 300 km östlich von Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. Die Region hat eine der weltweit höchsten Erkrankungs­raten am Lassa-Fieber, das wie das Ebola- und Marburg-Fieber zu den viralen hämorrhagischen Fiebern gehört. Als die Ebola-Erkrankung vom nahe gelegenen Guinea aus nach Sierra Leone übergriff, erwarteten die Mediziner in Kenema Patienten mit unkontrollierbaren massiven Blutungen, die in früheren Epidemien zu den wichtigsten Kennzeichen der Erkrankung gehört hatten.

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Unter den ersten 106 Patienten, über die John Schieffelin von der Tulane Universität in New Orleans und Mitarbeiter jetzt berichten, war jedoch nur ein einziger mit starken Blutungen. Die häufigsten Symptome waren Fieber (89 Prozent), Kopfschmerzen (80 Prozent) Schwäche (66 Prozent), Schwindel (60 Prozent), Durchfall (51 Prozent), Bauchschmerzen (40 Prozent) und Erbrechen (34 Prozent).

Von den 87 Patienten, deren Schicksal bekannt ist, sind 64 gestorben. Die Case-Fatality lag mit 74 Prozent relativ hoch, was aber auch damit zusammenhängen könnte, dass an der Klinik vor allem schwere Fälle behandelt werden. Die beiden wichtigsten prognos­tischen Faktoren waren die Viruskonzentration bei der Aufnahme und das Alter des Patienten. Von den Patienten mit weniger als 100.000 Kopien pro Milliliter starb nur jeder dritte. Bei einer Viruslast von 10 Millionen Kopien pro Milliliter war ein Tod kaum vermeidbar. Von den Patienten unter 21 Jahren überlebte fast jeder zweite, im Alter über 45 Jahre verlief die Erkrankung in der Regel tödlich.

Eine schwere metabolische Azidose, oft die Folge einer schweren Dehydratation, war ebenfalls mit einer schlechten Prognose verbunden. Über ähnliche Erfahrungen hatten auch Mediziner des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf berichtet, deren Patient infolge von Erbrechen und Durchfall bis zu zehn Liter Flüssigkeit am Tag verloren hatte. Ohne eine aggressive intravenöse Volumensubstitution hätte der Patient nach Auskunft der Ärzte nicht überlebt. Am Kenema Government Hospital wurden ebenfalls 44 Patienten mit intravenösen Flüssigkeiten versorgt. Den Ärzten dort dürften allerdings nicht die intensivmedizinischen Möglichkeiten der Hamburger Klinik zur Verfügung gestanden haben.

Patienten, die das Ebola-Fieber überlebten, erholten sich laut Schieffelin überraschend schnell. Auch ihre Laborwerte erholten sich innerhalb weniger Tage, berichtet der Mediziner. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #691737
LORAGW
am Freitag, 31. Oktober 2014, 15:56

Hilfe vor Ort

Die Studie belegt weder mal, dass der Verlauf der Erkranung mit der Viruslast korreliert. Warum wird nicht mehr über die Erfolge mit antiviraler Therpie von Ebola berichtet?
http://frontpageafricaonline.com/index.php/health-sci/3171-liberian-doctor-defends-3-5-days-ebola-treatment-with-hiv-drug

Müssen es immer neue und teuere Impfstoffe oder monoklnale Antikörper sein
Avatar #598833
AndrePhilipp
am Freitag, 31. Oktober 2014, 11:32

Hilfe vor Ort bei Optimierung doch ausreichend?

Nach Studium der letzten Artikel drängt sich mir als "normalem" Internisten die Frage auf, ob eine Optimierung der Manpower in den Endemiegebieten samt Verbesserung der Isolierungsmaßnahmen kosteneffektiver ist als das Ausfliegen der am schwersten erkrankten Patienten. Muss nicht nun ersthaft diskutiert werden, dass grundsätzlich die räumliche Eingrenzung der Infektionsgebiete angestrebt werden muss, zumal ja offensichtlich auch erfahrene Helfer im Falle einer Infektion die jeweilige Infektionsursache nicht immer memorieren können und damit auch der unbemerkte "Export" des Virus nicht unwahrscheinlich ist? Kann das Geld, das für Leasing von speziell ausgerüsteten Flugzeugen/Engagement von Spezialkräften zur Flugbegleitung ausgegeben wird, nicht effektiver in Westafrika selbst investiert werden, um dort ausreichende Mengen an Infusionen/-systemen/Schutzkleidung vorzuhalten und das helfende Personal besser zu schulen? Muss eine Quarantäne der Helfer in speziellen Bereichen "vor Ort" erfolgen, um eine Übertragung durch asymptomatische Personen weitgehend auszuschließen? Ich hoffe auf eine angeregte Diskussion!
LNS

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