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Politik

Synthetische Drogen auch in Niedersachsen auf dem Vormarsch

Freitag, 31. Oktober 2014

Hannover – Amphetamine spielen bei den Konsumenten von harten Drogen in Niedersachsen eine immer größere Rolle. „Bei den Erstauffälligen sind sie inzwischen die größte Gruppe, noch vor Heroin”, sagte Manfred Rabes, Geschäftsführer der Landes­stelle für Suchtfragen in Hannover. Generell zeige sich im Land der gleiche Trend bei den vollsynthetischen Drogen wie im Bund – die Zahl der Konsumenten von Ecstasy, Speed und Crystal Meth gehe nach oben.

Laut Statistik hatten im vergangenen Jahr bundesweit 71 Prozent der erstmalig erfassten Konsumenten harter Drogen Amphetamine im Blut, in Niedersachsen waren es 57 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit auf Platz zwei folgen Kokain/Crack (18 Prozent) vor Heroin (9 Prozent).

Bestätigung findet der Trend nach Angaben des Landeskriminalamtes auch in den Statistiken zu den sichergestellten Rauschgiftmengen. Seit Jahren landen mehr Amphetamine in den Asservatenkammern. Wurden im vergangenen Jahr 110,49 Kilogramm Amphetamine sichergestellt, waren es vor zehn Jahren 38,5 Kilogramm, 2007 sogar nur 22,9 Kilogramm.

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Rabes führt das gesteigerte Interesse sowohl auf den niedrigeren Preis - ein Gramm Amphetamin kostet zwischen 10 und 20 Euro, Heroin ist je nach Region und Qualität um ein Vielfaches teurer - als auch auf die Attraktivität der Droge aus Sicht der Nutzer zurück. „Sie soll aktiv machen, aufheitern, passt zu schneller Musik. Dagegen dämpft Heroin und stellt eher ruhig”, sagte Rabes. Heroin werde deshalb inzwischen sogar eher als „Looser-Droge" gesehen.

Trotz des gewachsenen Interesses an Amphetaminen ist in Niedersachsen das sogenannte Crystal Meth nach wie vor eher selten verbreitet. „In Bayern oder Sachsen sind Metamphetamine sehr viel häufiger vorhanden”, sagte Rabes. Dies werde mit der Nähe zu Tschechien erklärt, wo Crystal Meth in großen Mengen und billig hergestellt werde. Zumindest für Niedersachsen stimme noch die Aussage, dass Crystal Meth in den Medien weiter verbreitet sei als auf den Straßen.

Innerhalb des Landes gebe es nach wie vor sehr starke Unterschiede bei Verbreitung der Drogen, betonte Rabes. Die Probleme in großen Städten und Ballungszentren seien am größten. Wegen des Internets seien sogenannte Legal Highs inzwischen aber auch im ländlichen Raum erhältlich. Legal Highs sind etwa Kräutermischungen oder Badesalze, die frei verkäuflich sind, aber Rauschmittel oder ähnliche chemische Substanzen enthalten. © dpa/aerzteblatt.de

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