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Medizin

HIV: Erhöhtes Infektionsrisiko bei konstanter Zahl von Neuinfektionen

Montag, 3. November 2014

dpa

Berlin – In Deutschland leben rund 14.000 Menschen, die nicht wissen, dass Sie HIV-infiziert sind. Sie stellen nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts ein erhöhtes Ansteckungsrisiko vor allem für jüngere Männer dar, auch wenn sich nach Berech­nungen im Epidemiologischen Bulletin (2014; 44: 429-437) die Zahl der Neuinfektionen seit 2006 nicht erhöht hat. Sie liegt schätzungsweise bei 3.000 bis 3.400 pro Jahr.

Eine HIV-Infektion wird selten sofort bemerkt. Häufig vergehen Jahre, bis Symptome den Verdacht erregen oder aus einem anderen Anlass ein HIV-Test durchgeführt wird. Aus dem Stadium und der CD4-Zellzahl bei der Diagnose kann jedoch auf den ungefähren Infektionszeitpunkt zurückgerechnet werden.

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Mitarbeiter des RKI nutzen ein Computermodell, um sich einen Überblick über die Entwicklung der Epidemie zu verschaffen, die in Deutschland weiter anhält. Zwar ist die Zahl von HIV-Neuinfektionen nach einer Spitze Mitte der 1980er Jahre deutlich zurück­gegangen. In den 90er Jahren gab es die geringste Zahl von Neuinfektionen. Zwischen 2000 und 2005 erfolgte dann jedoch ein deutlicher Anstieg der HIV-Infektionen. Seit 2006 hat sich ein Plateau herausgebildet. Seither gibt es etwa 3.000 Neuinfektionen pro Jahr.

Da die Erkrankung nicht geheilt werden kann, behandelt aber nicht mehr zum vorzeitigen Tod führen muss, und die Patienten die durchschnittliche Lebenserwartung noch nicht erreicht haben, steigt Jahr für Jahr die Zahl der HIV-Infizierten. Im Jahr 2013 waren es nach Schätzung des RKI in Deutschland etwa 80.000 Menschen. Darunter sind auch 14.000 Personen, die nicht von ihrer Infektion wissen, und deshalb Gefahr laufen, andere Menschen zu infizieren (sofern auf sichere Sexualpraktiken, sprich ein Kondom) verzichtet wird.

Zwei Drittel aller HIV-Infizierten entfallen auf Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben. Dies ist in dieser Gruppe natürlich bekannt, so dass es bei der Kontaktaufnahme häufig zum „Seroguessing“ oder „Serosorting“ von Sexualpartnern kommt. Das RKI rät ausdrücklich davon ab, sich auf die Vermutungen oder Angaben von Partnern zu verlassen, die möglicherweise nicht von ihrer eigenen HIV-Positivität wissen.

Sorgen bereitet die zunehmende Vernetzung über das Internet, die es MSM aus ländlichen Gebieten ohne eigene MSM-Szene die Kontaktaufnahme erleichtert. Dadurch vergrößere sich die in sexuellen Netzwerken miteinander verknüpfte Population, was nach einer Vermutung des RKI derzeit für viele HIV-Neuinfektionen verantwortlich sein könnte. Ein Hinweis sei die bei unter 30-jährigen MSM hohe Zahl der Neuerkrankungen. Der Anstieg anderer sexuell übertragbarer Infektionen wie der Syphilis wird hier als weiterer Hinweis gewertet. Das Ansteckungsrisiko bei kondomlosem Sex mit einem vermeintlich HIV-negativen Partner ist laut RKI heute höher als Ende der 1990er Jahre.

Drei Maßnahmen könnten die Zahl der Neuinfektionen senken. Neben der konsequenten Nutzung von Kondomen bei gelegentlichen Kontakten gehört dazu eine frühere Diagnose der Infektion. Testbereitschaft und Testhäufigkeit speziell bei MSM und Menschen, die aus Hochendemie-Ländern stammen, müssten weiter erhöht werden. Schließlich könnte auch ein frühzeitiger Beginn der antiretroviralen Therapie das Risiko einer Weitergabe des Virus senken.

Die Deutsche AIDS-Hilfe rät allen MSM und anderen Menschen mit einem erhöhten HIV-Risiko, sich einmal im Jahr auf HIV testen zu lassen. Nur so könne der optimale Zeitpunkt für den Therapiebeginn bestimmt werden. © rme/aerzteblatt.de

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