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Medizin

Weiteres Gen für epileptische Fieberkrämpfe entdeckt

Montag, 3. November 2014

Tübingen – Der genetische Ausfall eines Proteins, das in den Synapsen an der Freisetzung von Neurotransmittern beteiligt ist, gehört zu den möglichen Ursachen von schweren Fieberkrämpfen im Kleinkindalter. Dies berichtet ein internationales Forscherteam in Nature Genetics (2014 doi: 10.1038/ng.3130).

Viele Fieberkrämpfe, an denen zwischen zwei und vier Prozent aller Kinder in den ersten Lebensjahren erkranken, haben eine starke genetische Komponente, die allmählich entschlüsselt wird. Nachdem in den letzten Jahren bereits drei Hauptgene (SCN1A, SCN1B und GABRG2) identifiziert wurden, hat ein Team um Holger Lerche vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) der Universität Tübingen jetzt einen weiteren Genfehler entdeckt.

Ausgangspunkt war eine Häufung von schweren epileptischen Fieberkrämpfen in zwei deutschen Familien. Sie veranlasste eine Exom-Sequenzierung, also die Ent­schlüsselung des gesamten protein-kodierenden Anteils des Erbguts. Dabei stießen die Forscher dann auf Mutationen im STX1B-Gen, die zum Ausfall des dort kodierten Proteins führen. Es handelt sich dabei um das Protein Syntaxin-1B. Es bildet den Teil eines Komplexes, der für die Verschmelzung von präsynaptischen Vesikeln mit der Membran benötigt wird, wodurch es zur Freisetzung von Neurotransmittern in den synaptischen Spalt kommt.

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Welche Folgen der Ausfall von Syntaxin-1B hat, haben die Forscher dann an Zebra­bärblingen untersucht. Die Fische sind ein beliebtes Modell zur Erforschung der Epilep­sie. Bei den Tieren konnten durch Mutationen im STX1B-Gen temperaturabhängig epileptische Anfälle ausgelöst werden. Die Forscher hoffen nun, mit dem Zebrafisch-Modell auch neue Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von schweren Fieberkrämpfen zu finden. Auch wenn die meisten Kinder sich im Alter von fünf Jahren vollständig von der Störung erholen, gibt es doch einige, bei denen die Fieberkrämpfe den Beginn einer Epilepsie markieren, die zu schwersten Beeinträchtigungen bis hin zum plötzlichen Tod führen kann.

Bei der Untersuchung von 449 familiären oder sporadischen Fällen wurden drei weitere Mutationen im STX1B-Gen identifiziert. Die Mutation scheint demnach nicht allzu häufig zu sein und nur einen kleinen Teil der schweren Fieberkrämpfe im Kindesalter zu erklären. © rme/aerzteblatt.de

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