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Politik

Kurskorrektur bei der DSO: „Allgemeine Aufklärung ist nicht unsere Aufgabe“

Dienstag, 4. November 2014

dpa

Frankfurt/Main - Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) wird sich künftig ganz auf ihre im Transplantationsgesetz beschriebenen Kernaufgaben konzentrieren: Die bundesweite Koordinierung der postmortalen Organspende und die Optimierung und Weiterentwicklung von Qualität und Sicherheit der Organe, inklusive der dafür notwen­digen Prozesse. „Vor dem Hintergrund der seit einigen Jahren sinkenden Organspende­raten kann die DSO ihren Beitrag zur Rückgewinnung von Vertrauen in die Transplanta­tionsmedizin am besten dadurch leisten, dass sie die Kliniken bei der Realisierung potenzieller  postmortaler Organspenden optimal unterstützt und Organe mit bester Qualität für den Empfänger zur Verfügung stellt“, sagte  Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO, in einer Pressekonferenz beim 10. Jahreskongress der DSO in Frankfurt am Main. 

Damit korrigiert die DSO teilweise ihren Kurs. In der Vergangenheit hatte sie sich zusätz­lich zur Koordinierung der postmortalen Organspende in einzelnen Projekten auch bei der Information der allgemeinen Bevölkerung engagiert, darunter die bei ihr angesiedelte Treuhandstiftung „Für’s Leben. Für Organspende“. An diesem Aufklärungs-Engagement hatte es aus der Öffentlichkeit, aber auch aus den Reihen der Transplantationsmedizin seit längerem Kritik gegeben: Angesichts niedriger Organspenderaten sei es sinnvoll, sich auf die Kooperation mit den Entnahmekliniken  zu konzentrieren.

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Beim Engagement der DSO in der allgemeinen Aufklärung über Organspende könne sowohl der Wert der Information an Glaubwürdigkeit verlieren als auch die DSO selbst, denn ihre Aufgaben bei der postmortalen Organspende legten Interessenskonflikte nahe. Der Kaufmännische Vorstand der DSO Thomas Biet sagte, die Stiftung „Fürs-Leben. Für Organspende“ solle von der DSO nicht mehr weitergeführt werden. 

„Unsere Aufgabe ist es nicht, für Organspende zu werben oder zum Beispiel das Hirntodkonzept zu erklären“, hatte Rahmel bereits während der 23. Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft Mitte Oktober in Mannheim deutlich gesagt. Man stelle Datenmaterial zur Verfügung und Informationen über postmortale Organspende für die zuständigen Stellen, darunter die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die zentralen Ansprechpartner der DSO, um die postmortale Organspende im Sinne der Verstorbenen und der Patienten auf der Warteliste optimal zu realisieren, seien die Transplantationsbeauftragten an den Entnahmekrankenhäusern. Die DSO beteilige sich an Curricula für deren Fortbildung, so Biet. Praxisnahe Schulung und Ausbildung sind nach Ansicht der DSO-Vorstände unabdingbare Voraussetzung, um mögliche Organspender auf der Intensivstation überhaupt zu erkennen.

18 Millionen Euro für Transplantationsbeauftragte
Derzeit gibt es circa 1.600 Transplantationsbeauftragte, die für 1.253 gemeldete Entnahmekliniken zuständig sind. „Die Finanzierung der Transplantationsbeauftragten wird von 12 Millionen Euro in diesem Jahr auf 18 Millionen Euro in den Jahren 2015 und 2016 erhöht“, erläuterte Biet. „Mit dieser Summe kann nun realistisch etwas gemacht werden.“

Seit 2010 ist die Anzahl der Organspender um fast ein Drittel zurückgegangen, sprunghaft aber ab Sommer 2012. Auch die ersten drei Quartale des laufenden Jahres zeigen einen Rückgang von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, nämlich von 675 Organspendern zwischen Januar und September 2013 auf 649 Organspender im selben Zeitraum 2014.

Rahmel nannte als mögliche Gründe die 2012 bekannt gewordenen Manipulationen der Wartelisten und dadurch der Vergabe der Spenderorgane, aber auch die Arbeits­belastung in den Kliniken, geänderte Behandlungsstrategien von Patienten mit schwerer Hirnschädigung, zu denen auch frühzeitige Therapielimitierungen unter Berücksichtigung des Patientenwillens gehören. Gemeinsam mit den Krankenhäusern arbeitet die DSO derzeit an einer systematischen Datenerhebung und Analyse aller Todesfälle auf den Intensivstationen nach primärer oder sekundärer Hirnschädigung mit Hilfe des Softwareprogramms „Transplantcheck“. So ließen sich möglicherweise die komplexen Ursachen des Rückgangs der Spenderzahlen transparent machen. 

Zustimmungsraten zu Organspende konsolidieren sich
Laut DSO-Vorstand gibt es aber auch leise Anzeichen dafür, dass die intensiven Umstrukturierungen und Neuregelungen das Vertrauen in die Transplantationsmedizin wieder aufbauen: „Betrachten wir als Frühindikator die Zustimmungsraten zur post­mortalen Organspende in Angehörigengesprächen, stellen wir fest, dass sie in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres wieder angestiegen sind – auf rund 63 Prozent. Im letzten Jahr waren sie noch deutlich von 62,5 auf 54,2 Prozent gesunken.“ Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte sich die Anzahl der Organspender zum Ende des Jahres zumindest auf dem Vorjahresniveau mit circa 3 040 gespendeten Organen stabilisieren, hofft Rahmel. © nsi/aerzteblatt.de

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