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Medizin

Opiatüberdosierung: WHO fordert Naloxon für medizinische Laien

Mittwoch, 5. November 2014

Genf – Angesichts einer steigenden Zahl von Todesfällen durch Opiatüberdosierungen fordert die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in einer Leitlinie, dass nicht nur Ärzte und medizinisches Hilfspersonal, sondern auch medizinische Laien das lebensrettende Antidot Naloxon einsetzen sollen. In den USA ist seit dem Sommer eine Injektionshilfe für Laien zugelassen.

Naloxon kann bei einer parenteralen Anwendung eine Atemdepression innerhalb weniger Sekunden beenden. Als reiner Opioid-Antagonist ohne intrinsische agonistische Wirkung ist ein Missbrauch nicht vorstellbar. Dennoch ist Naloxon in den meisten Ländern rezept­pflichtig und auf die ärztliche Anwendung beschränkt. Bis der Arzt eintrifft, ist es jedoch häufig zu spät.

Weltweit sterben jährlich schätzungsweise 69.000 Menschen an einer Opioid-Überdosierung, heißt es in der Leitlinie der WHO. Die Zahl sei in den letzten Jahren gestiegen, was nicht zuletzt mit der Verschreibung von Opioiden bei chronischen Schmerzen zusammenhänge. Die Mittel gelangen häufig in den Schwarzhandel und in die Hände von Abhängigen. Allein in den USA sterben mehr als 16.000 Menschen jährlich an einer Überdosis von verschreibungspflichtigen Opioiden.

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Die meisten Opioiddosierungen treten der WHO zufolge in Privathäusern auf, und in den meisten Fällen sind Angehörige oder Freunde anwesend, die Erste Hilfe leisten könnten, damit aber in der Regel überfordert sind. Da die Atemdepression der Auslöser des Kollaps ist, gehört eine Beatmung zur Reanimation, die aber selten durchgeführt wird, zumal sich nicht wenige Opfer vorher übergeben haben. Sofern es noch nicht zum Herzstillstand gekommen ist, kann Naloxon in dieser Situation die Atemdepression rasch beheben.

US-Studien zeigen laut der WHO-Leitlinie, dass die Gabe von Naloxon durch Laien in der Regel erfolgreich ist. Einer in der Leitlinie zitierten Untersuchung zufolge sterben nur etwa ein Prozent der Betroffenen an der Überdosierung, wenn ein Zeuge zugegen ist und Naloxon verabreicht wird.

Naloxon wird zwar nach oraler Gabe vom Darm resorbiert verfügbar. Der Wirkstoff wird jedoch bei der ersten Passage der Leber zu über 90 Prozent abgebaut. Eine intranasale Gabe ist effektiv, die meisten Experten raten jedoch zu einer parenteralen Gabe, sprich einer subkutanen, intramuskulären oder intravenössen Verabreichung. Ein laien­gerechtes Applikationssystem wurde im April diesen Jahres in den USA zugelassen.

Der Auto-Injektor des Herstellers Kaléo ermöglicht eine subkutane oder intramuskuläre Injektion notfalls durch den Stoff des Hosenbeins hindurch in den Oberschenkel. Die Applikation hat in einer pharmakokinetischen Studie an 30 Patienten vergleichbare Dosierungen erzielt wie eine Injektion mit einer Standardspritze.

Die FDA wies bei der Zulassung jedoch darauf hin, dass die abrupte Aufhebung der Opioid-Wirkung zu Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen, Tachykardie, arterieller Hypertonie, Krampfanfällen und im Extremfall auch zum Herzstillstand führen kann. Aufgrund der kurzen Halbwertzeit von Naloxon kann es außerdem nach kurzer Zeit erneut zur Atemdepression kommen. Die Bedienungsanleitung instruiert deshalb die Erstretter, auf jeden Fall unverzüglich einen Notarzt zu alarmieren.

In Deutschland hatte sich zuletzt die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) für die Abgabe von Naloxon an Laien ausgesprochen. Das sicher anzuwendende Gegenmittel werde von vielen Ärzten nicht verschrieben, monierte DAH-Vorstandsmitglied Sylvia Urban gegenüber der Presse. Die Erfahrungen aus der Praxis und wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass das Notfallmedikament Naloxon neben einer Substitutions­behandlung und Drogenkonsumräumen ein effektives Mittel sei, die Zahl der Drogentoten zu senken. Laut dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung gab es 2013 insgesamt 1.002 drogenbedingte Todesfälle - sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. © rme/aerzteblatt.de

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