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Medizin

Gehirn altert unter Schichtarbeit früher

Mittwoch, 5. November 2014

dpa

Toulouse – Häufige Nachtschichten können möglicherweise Alterungsvorgänge im Gehirn um Jahre beschleunigen. In einer Studie in Occupational and Environmental Medicine (2014; doi: 10.1136/oemed-2013-101993) waren die unregelmäßigen Arbeitszeiten mit verminderten Ergebnissen in kognitiven Tests assoziiert.

Schichtarbeit stört die normalen zirkadianen Rhythmen und geht mit Schlafstörungen einher. Schlaf hat eine Erholungsfunktion für das Gehirn. Eine fehlende Erholung könnte deshalb die Alterung des Gehirns beschleunigen, zu der ein Rückgang der kognitiven Fähigkeiten gehört.

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Ein Team um Jean-Claude Marquié von der Universität Toulouse hat hierzu die Ergeb­nisse einer Kohorte von 3.232 französischen Arbeitern und Rentnern ausgewertet, die im Verlauf ihres Arbeitslebens mehrfach kognitiven Tests unterzogen wurden. Rund ein Fünftel der Erwerbstätigen (18,5 Prozent) und ein ähnlicher Anteil der Ruheständler (17,9 Prozent) hatten regelmäßig im Dreischichtbetrieb gearbeitet, was ihren kognitiven Fähigkeiten geschadet haben könnte. Die Auswirkung war laut Marquié dosisabhängig: Nach einer Gesamtdauer von zehn Jahren entsprachen die kognitiven Fähigkeiten der Schichtarbeiter denen von 6,5 Jahre älteren Arbeitern, die nicht im Schichtbetrieb gearbeitet hatten.

Die negativen Auswirkungen könnten reversibel sein. Etwa fünf Jahre nach dem Ende der Schichtarbeit hatten die Betroffenen die gleichen kognitiven Fähigkeiten wie gleichaltrige Arbeiter ohne Schichtarbeit in der Vorgeschichte.

Eine Beobachtungsstudie kann eine Kausalität zwar nicht belegen. Dosis-Wirkungs­beziehung und Reversibilität sind in derartigen Studien jedoch ein wichtiger Hinweis auf eine ursächliche Beziehung, die sich auch durch neue Erkenntnisse der Hirnforschung erklären lässt. © rme/aerzteblatt.de

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klausenwächter
am Donnerstag, 6. November 2014, 10:55

Ungenügende Zusammenfassung

Das Link führt zu einer Zusammenfassung ohne Ergebnisse. Die in der deutschen Widergabe marginal erwähnten Daten erhellen nicht das Gefährdungspotential für Berufsgruppen mit Wechselschichten (?), Nachtdienst (?), Zeitzonenwechsel (?).
LNS

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