NewsPolitikNeue Arzneimittel mit unklarem Nutzen bislang nur Randerscheinung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Neue Arzneimittel mit unklarem Nutzen bislang nur Randerscheinung

Mittwoch, 5. November 2014

dpa

Berlin – Die Bundesregierung hat eine gesetzliche Änderung angekündigt, sollten künftig vermehrt neue Arzneimittel mit einem unklaren Nutzen auf den Markt kommen. Hinter­grund ist eine Regelungslücke im Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG). „Die Bundesregierung beobachtet die angesprochene Frage aufmerksam. Sollte sie zu der Überzeugung kommen, dass eine gesetzliche Änderung erforderlich ist, wird sie dem Deutschen Bundestag einen geeigneten Vorschlag unterbreiten“, heißt es in der Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (Drucksache 18/2964).

Nach dem AMNOG bestimmt der Zusatznutzen eines neuen Medikaments den Abgabepreis. Zuvor konnten Hersteller für neue Präparate hohe Preise verlangen, auch wenn ein zusätzlicher Nutzen nicht belegt war. Nun müssen die Hersteller bei der Marktzulassung ein Dossier mit Nachweisen für einen Zusatznutzen gegenüber der herkömmlichen Therapie vorlegen.

Anzeige

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) entscheidet dann, ob der Zusatznutzen gegeben ist. Auf dieser Grundlage führen der Spitzenverband der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV-Spitzenverband) und der Hersteller die Preisverhandlungen. Hat das neue Medikament keinen Zusatznutzen, wird es einer Gruppe ähnlicher Präpa­rate mit einem Festbetrag zugeordnet.

Hersteller können jedoch darauf verzichten, ein Dossier einzureichen und auf einen Erstattungsbetrag in der Größenordnung der Vergleichstherapie setzen. „Durch den Verzicht auf eine formal vollständige Dossiereinreichung verhindert der Unternehmer die Bewertungsstufe ,geringer als der Nutzen der zweckmäßigen Vergleichstherapie‘. Eine derartige Bewertung würde zweifelsohne in der Verordnungspraxis der Ärzte einen Niederschlag finden und die Umsatzentwicklung des Unternehmens belasten“, schrieb der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken im Vorfeld der Anfrage an die Fraktion Die Linke.

Bislang hätten Hersteller aber nur in zehn Fällen, die unter das AMNOG fielen, keine Unterlagen eingereicht, erläutert die Bundesregierung. Dem G-BA wurden außerdem in 39 Fällen unvollständige Unterlagen zu neuen Medikamenten übermittelt, in 31 Fällen hätten die Hersteller das Dossier aber noch vervollständigt.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Oktober 2020
Köln – Ob Patienten mit einer chronischen Immunthrombozytopenie von dem Wirkstoff Fostamatinib profitieren, steht nicht fest. Das geht aus einer frühen Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und
IQWiG: Kein Zusatznutzen für Fostamatinib bei Chronischer Immunthrombozytopenie
30. September 2020
Berlin – Daten aus der Versorgungsforschung sollen schneller verfügbar und für die Politik sowie für Mediziner nutzbar gemacht werden. Einen entsprechenden Methodikleitfaden kündigte das Netzwerk für
Versorgungsforschung bietet zweite Nutzenbewertung
25. September 2020
Berlin – Ab Oktober erhalten Ärzte in ihrer Verordnungssoftware Informationen zur frühen Nutzenbewertung von neuen Arzneimitteln und damit zu ihrem Zusatznutzen. Darauf weist die Kassenärztliche
Informationen zur frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln ab Oktober in der Verordnungssoftware
24. September 2020
Berlin – Die Barmer hat gefordert, dass bestimmte neue Arzneimittel nur in Zentren verordnet werden dürfen. „Wir sollten uns als Gesellschaft fragen, ob wir ein neues Arzneimittel überall in der
Barmer plädiert für Verordnung bestimmter Arzneimittel nur in Zentren
17. September 2020
Hamburg – Die Kosten für neu zugelassene Arzneimittel haben sich in den letzten zehn Jahre nahezu vervierfacht. Lagen die durchschnittlichen Kosten für neu auf den Markt gekommene Medikamente im Jahr
Preise neuer Arzneimittel steigen auf Rekordniveau
15. September 2020
Berlin - Die Kosten für Arzneimittel, die neu auf den Markt kommen, steigen drastisch – bei oft nur mäßigem Innovationsgrad. So lautet das Fazit des diesjährigen Innovationsreports der Techniker
TK plädiert für neue Preisfindungsmodelle im Arzneimittelbereich
10. August 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat im vergangenen Jahr den Nutzen von 90 Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen bewertet. Seit dem Start der frühen Nutzenbewertung 2011 hat der G-BA dazu
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER