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Medizin

Bei MS-Patienten unter Dimethylfumarat Blutbild engmaschig kontrollieren

Mittwoch, 5. November 2014

München – Regelmäßige engmaschige Blutbildkontrollen sind bei Patienten mit multipler Sklerose, die eine Immuntherapie erhalten, unverzichtbar. Darauf hat das Krankheits­bezogene Kompe­tenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) hingewiesen. Anlass ist der Tod einer Patientin, die mit Dimethylfumarat (Handelsname Tecfidera®) behandelt wurde. „Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, Patienten unter einer Immuntherapie wie Dimethyl­fumarat engmaschig zu beobachten. Nur so können schwere Nebenwirkungen frühzeitig und zuverlässig festgestellt werden“, sagte Ralf Gold, Mitglied des KKNMS-Vorstands und einer der beiden federführenden Autoren des Qualitätshandbuchs Dimethylfumarat.

Das KKNMS empfiehlt darin im ersten Behandlungsjahr eine Bestimmung der Leukozyten- und Lymphozytenzahl im Blut alle sechs bis acht Wochen – „also eine strengere Überwachung als die in der Fachinformation des Herstellers angegebenen sechsmonatlichen Kontrollen der Leukozytenzahl“, so Gold.

So könnten Ärzte Leukopenien und Lymphopenien erkennen, die das Risiko für opportunistische Infektionen erhöhen. Dazu zählt die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML), an deren Folgen nun die mit Tecfidera® behandelte MS-Patientin verstarb. Zeigen sich im großen Blutbild Leukopenien unter 3000/µl oder Lymphopenien unter 500/µl, rät das Netzwerk zu einem Aussetzen der Medikation.

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Die vor wenigen Tagen verstorbene deutsche MS-Patientin wurde im Rahmen von Studien 4,5 Jahre lang mit Dimethylfumarat behandelt. Dabei entwickelte sich eine schwerwiegende und lang anhaltende Lymphopenie, die mehr als 3,5 Jahre bestand, aber als klinisch nicht bedeutsam eingestuft wurde, da die Leukozytenwerte während der gesamten Behandlung über 3000/µl lagen und damit nicht wesentlich erniedrigt waren.

Außer der Behandlung mit Tecfidera® gab es keine weiteren Risikofaktoren für die Entwicklung einer PML wie Vortherapie mit Natalizumab, Fingolimod oder Immun­suppressiva und auch keine HIV-Infektion. Nach neuerlichen neurologischen Symptomen im August 2014, die zunächst als MS-Schub eingeordnet wurden, zeigten Labortests eine PML. Die Patientin verstarb nach Zunahme der neurologischen Defizite im Oktober 2014 an einer Aspirationspneumonie.

Die KKNMS-Qualitätshandbücher sind mit der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), dem Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN), dem Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) und dem Ärztlichen Beirat der Patientenorganisation DMSG abgestimmt. Momentan verfügbar sind Qualitätshandbücher zu den MS-Medika­menten Alemtuzumab, Dimethylfumarat, Fingolimod, Mitoxantron, Natalizumab und Teriflunomid sowie zur Schubtherapie und zur Therapie in Spezialsituationen.

© hil/aerzteblatt.de

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