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Medizin

Koronarangiographie: Auch nicht-obstruktive Stenosen erhöhen Herzinfarktrisiko

Mittwoch, 5. November 2014

Angiographie /dpa

Denver – Geringgradige Stenosen der Koronararterien, die die Durchblutung des Herzmuskels nicht beeinträchtigen, werden von Kardiologen als harmlos eingestuft. Eine Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; 312: 1754-1763) zeigt aber, dass das Risiko von kardialen Ereignissen erhöht ist.

Geringgradige Stenosen der Koronararterien sind ein häufiger Zufallsbefund. Von den 37.674 US-Veteranen, bei denen in einem 5-Jahreszeitraum eine elektive Koronar­angiographie durchgeführt wurde, hatten insgesamt 22,3 Prozent eine Verengung von 20 bis 50 Prozent im Hauptstamm der linken Koronararterie oder von 20 bis 70 Prozent in einer anderen Koronararterie.

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Die Kardiologen stuften sie als nicht-obstruktive Koronarstenose ein, da sie die Durch­blutung des Herzmuskels nicht ernsthaft gefährden. Dieses mechanistische Konzept greift aber möglicherweise zu kurz, da Herzinfarkte nicht durch die allmähliche Steno­sierung der Koronarien, sondern durch die plötzliche Ruptur eines atherosklerotischen Plaques und die Bildung eines Thrombus ausgelöst werden.

Thomas Maddox vom VA Eastern Colorado Health Care System in Denver und Mitar­beiter haben deshalb untersucht, ob Patienten mit nicht-obstruktiver koronarer Herz­krankheit häufiger als Personen ohne jegliche Stenosen an einem Herzinfarkt erkranken. Dies war in der Tat der Fall: Während nur 0,11 Prozent der Patienten ohne Stenosen in den Koronarien im Folgejahr einen Herzinfarkt erlitten, war die Rate bereits bei Patienten mit nicht-obstruktiver 1-Gefäßerkrankung mit 0,24 Prozent mehr als doppelt so hoch. Sie stieg bei nicht-obstruktiver 2-Gefäßerkrankung auf 0,56 Prozent und bei einer nicht-obstruktiven 3-Gefäßerkrankung auf 0,59 Prozent.

Die Herzinfarkte traten damit zwar nur halb so häufig auf wie bei einer obstruktiven 1-Gefäßerkrankung, wo 1,18 Prozent innerhalb eines Jahres erkrankten. Patienten mit obstruktiver 2-Gefäßerkrankung erkrankten mit einer Rate von 2,18 Prozent sogar viermal so häufig.

Die bisherige qualitative Unterscheidung zwischen harmlosen nicht-obstruktiven und riskanten obstruktiven Koronarsklerosen ist nach Ansicht von Maddox jedoch nicht mehr haltbar. Offen ist indes die Frage, ob die nicht-obstruktiven Koronarsklerosen behandelt werden sollten. Eine Klärung hierzu ist nur durch prospektive Interventionsstudien möglich.

© rme/aerzteblatt.de

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