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Medizin

Kulturelle Prägung von Patienten und Ärzten in der Versorgung vernachlässigt

Donnerstag, 6. November 2014

London – Kulturelle Unterschiede bei den Patienten und bei Ärzten könnten laut einem Forscherteam um David Napier, Anthropologe am University College London, die mit am häufigsten vernachlässigten Einflussfaktoren in der Medizin sein. Die interdisziplinäre Gruppe aus Medizinern, Anthropologen und Soziologen veröffentlichte in Lancet einen Artikel, in welchem sie eine stärkere Berücksichtigung von Kultur in der medizinischen Versorgung fordern (http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(14)61603-2).

Zur kulturellen Identität von Patienten gehörten oft unterschiedliche Lebensweisen, die sich auf Ernährung, Rauchverhalten oder körperliche Bewegung auswirken. Dennoch geht nach Meinung der Arbeitsgruppe die Bedeutung der Kultur über diese Lebensstil­faktoren hinaus. Für Patienten sei beispielsweise das selbst empfundene Krankheits­verständnis innerhalb verschiedener Kulturen unterschiedlich.

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Nicht jeder, der nach unserer medizinischen Definiton krank sei, fühle sich auch so. Patienten entwickelten zudem oft eine subjektive Krankheitstheorie, über die sie sich den Grund ihrer Erkrankung erklären. Dies wirke sich auf die Bedürfnisse der Patienten, Compliance und Krankheitseinsicht aus. Ohne Berücksichtigung dieser Faktoren komme es zu Missverständnissen zwischen Arzt und Patient.

Der kulturelle Hintergrund sei jedoch nicht nur für die Patienten wichtig. Für Ärzte, Krankenschwestern und viele andere medizinische Dienstleister gäbe es oft kulturell verankerte Behandlungstraditionen. So sei beispielsweise ein eher großzügiger Gebrauch von Antibiotika in den USA üblich oder auch die häufigere Anwendung alternativ- und komplementärmedizinischer Verfahren in Frankreich. Diese kulturellen Bedürfnisse von Patienten und Medizinern stehen nach Meinung der Autoren in Konflikt mit den Abläufen in durchrationalisierten Klinikbetrieben, die in erster Linie ökonomisch orientiert seien.

Die Forscher fordern eine Implementierung kultureller Kompetenztrainings in die medizinische Ausbildung, damit Ärzte und Pflegekräfte ein Problembewusstsein für kulturell bedingte Behandlungswünsche entwickeln. Zudem sei eine finanzielle Unterstützung von Forschungszweigen, welche die Bedeutung von Kultur für die Medizin untersuchten, ebenso wichtig wie die Finanzierung biomedizinischer Forschung. © hil/aerzteblatt.de

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