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Politik

Antibio­tika-Resistenzen: Pharma­unternehmen fordern kooperatives Vorgehen

Freitag, 7. November 2014

Berlin – Eine intelligente und konzertierte Strategie aller Akteure bei der Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen hat der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) gefordert. „Es ist ein kooperatives Vorgehen auf allen Ebenen sowie eine enge Verzah­nung mit nationalen und internationalen politischen und wissenschaftlichen Aktivitäten erforderlich“, sagte die vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer heute in Berlin. Es sei falsch, Verantwortung, Fehlersuche und Optimierungspotentiale lediglich bei Pharma-Unternehmen zu suchen. Man müsse vielmehr eine Vielzahl von Akteuren und Handlungsfeldern einbeziehen.

Auch Siegfried Throm, vfa-Geschäftsführer für Forschung, Entwicklung und Innovation, wies den immer wieder geäußerten Vorwurf zurück, dass Pharmafirmen keine neuen Antibiotika erforschen würden. „Zwar haben sich einige große Arzneimittelhersteller in der Tat aus der Antibiotika-Forschung zurückgezogen. Dennoch gibt es eine beachtliche Anzahl von kleineren und mittleren Unternehmen, die weiterhin auf diesem Gebiet tätig sind“, sagte er.

So seien beispielsweise in den vergangenen drei Jahren drei neue Präparate zugelassen worden, die unter anderem gegen den multiresistenten Klinikkeim MRSA wirksam sind. Nach Schätzungen des vfa sollen bis 2020 17 neue Antibiotika auf den Markt kommen. Allerdings befinden sich einige von ihnen noch in der Phase III der klinischen Erprobung.

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Insgesamt sieht vfa-Geschäftsführer durch die Pipeline der Pharmahersteller allerdings lediglich mittelfristig einen Vorsprung im Kampf gegen resistente Bakterien. Langfristig rechnet er mit einer verstärkten Resistenzbildung, auch weil es immer schwieriger werde, neue Angriffspunkte bei Bakterien zu finden. Ein großer Bedarf an neuartigen Antibiotika besteht laut Throm vor allem bei der Bekämpfung sogenannter gramnegativen Bakterien wie Klebsiellen und Acinetobacter, aber auch bei jeher schwer therapierbaren Infektionen wie Pseudomonas-Befall der Lunge bei Mukoviszidose-Patienten, der Tropenkrankheit Buruli-Ulkus und Infektionen in abgestorbenen Gewebe.

Auch wenn Bildung und Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen unvermeidlich seien, könnten sie laut Throm durch eine Reihe von Maßnahmen um Jahre oder gar Jahrzehnte hinausgezögert werden. Fischer stellte eine Reihe von Empfehlungen vor, die aus der Sicht des vfa geeignet sind, Resistenzbildung zu mindern.

So sei es neben einem medizinisch rationalen Antibiotika-Einsatz und einer besseren Therapie-Compliance der Patienten nicht minder wichtig, die Möglichkeiten der Prävention von Infektionskrankheiten auszuschöpfen. „Einerseits müssen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen in Kliniken und Arztpraxen konsequent eingehalten werden. Andererseits sollen verfügbare Impfungen, insbesondere gegen solche Erreger wie Pneumokokken, Meningokokken, Diphterie und andere, besser genutzt werden“, betonte sie.

Fischer forderte außerdem, die Grundlagenforschung im Bereich Infektionen und Antibiotika-Resistenzen zu stärken sowie die Entwicklung effektiver Antibiotika, Impfstoffe und anderer Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten besser zu unterstützen. „Die Entwicklung von neuen Arzneimitteln ist zwar in erster Linie eine Aufgabe von Pharmaunternehmen“, räumte sie ein. Allerdings müssten sie eine faire Chance auf Refinanzierung der hohen Investitionskosten haben. vfa-Haupt­geschäfts­führerin forderte in diesem Zusammenhang eine „angemessene“ Berück­sichtigung einer Resistenz-Überwindung als wesentliches Kriterium für den Zusatznutzen im Rahmen der frühen Nutzenbewertung.

Throm sprach sich außerdem dafür aus, die Entwicklung von diagnostischen Schnell­methoden zu stärken, um möglichst frühzeitig eine gezielte Antibiotika-Therapie einleiten zu können. Derzeit sei es für Ärzte in vielen Fällen sehr schwierig, auf Anhieb eine virale von einer bakteriellen Infektion zu unterscheiden.

„Es dauert oft zwei und mehr Tage, bis die Infektionserreger identifiziert sind. Das führt dazu, dass Ärzte aus Vorsicht in wesentlich mehr Fällen als nötig Antibiotika verschreiben und Patienten auf Basis von Erfahrungswerten unspezifisch mit Breitbandantibiotika behandelt werden“, sagte Throm. Durch Fortschritte in der Genomik und bei Sequenzierungstechniken rechnet der vfa-Geschäftsführer allerdings schon in den nächsten Jahren mit einer Markteinführung solcher Schnelltests. © ank/aerzteblatt.de

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