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Politik

Keine Entwarnung nach H5N8-Befall für Geflügelhalter

Freitag, 7. November 2014

Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in einem Mastputenbetrieb in Heinrichswalde im Kreis Vorpommern-Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) desinfiziert ein Mann einen LKW vor der Ausfahrt aus dem Gelände dpa

Insel Riems/Heinrichswalde – Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in einem Putenmastbetrieb in Vorpommern suchen die Veterinärbehörden mit Hochdruck danach, wie der bisher nur aus Asien bekannte hochansteckende H5N8-Erreger in die Ställe gelangt ist. Am Freitag habe die Auswertung von Proben begonnen, sagte die Sprecherin des bundesweit zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts, Elke Reinking, auf der Insel Riems. In Südkorea zirkuliert der Erreger zwischen der Wildvogelpopulation und Nutzgeflügel. Dort wurden seit Anfang des Jahres nach Angaben des Instituts bislang zwölf Millionen Tiere getötet.

30.000 Mastputen getötet
In Vorpommern würden nun Kotproben und Federn von Wildvögeln auf das Vorhanden­sein von Erregerspuren getestet. Zudem würden Befragungen von Personen in dem betroffenen Gebiet ausgewertet sowie Futtermittelwege und der Transport von Tieren und Waren geprüft. Auch mögliche Betriebe, die Kontakt zur Anlage in Heinrichswalde hatten, würden identifiziert. Alle 30.000 Mastputen des Bestands in Heinrichswalde wurden mittlerweile getötet.

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Ein Übertragung des Erregers durch Wildvögel erscheint den Forschern auf der Insel Riems derzeit nicht schlüssig. Es habe aktuell keine Zugvogelbewegungen zwischen Südkorea und Deutschland gegeben, sagte Reinking. Gegen einen Eintrag durch Zugvögel spreche auch, dass keinerlei Nachweise des Erregers zwischen Asien und Mitteleuropa dokumentiert seien. „Bei dem H5N1-Erreger haben wir damals gesehen, wie er von Asien nach Europa gewandert ist.”

Nach der Tötung der Puten in Heinrichswalde sollten in einem Sperrbezirk von drei Kilometern mindestens 1.000 Hühner, Enten und Gänse von Privathaltern getötet werden, sagte Kreis-Amtstierarzt Holger Vogel. Die Tiere wurden mit Fahrzeugen abgeholt, an einer zentralen Stelle mit Gas getötet und auf Virenbefall untersucht. Das sei natürlich nicht einfach für die Halter. „Keiner meiner Mitarbeiter macht das gern”, schilderte Vogel. Aber: „Wenn wir jetzt den Schneeball nicht aufhalten, kann es eine Lawine werden, die das ganze Land überrollt.” Ein großer Fortschritt sei, dass die Tötung der Puten in dem betroffenen Betrieb schneller als geplant abgeschlossen wurde, sagte Vogel.

Keine akute Gefahr für MenschenDas Schweriner Agrarministerium mahnte Geflügelhalter überall, vor allem in der Nähe von Sammel- und Rastgewässern von Wildvögeln, zu erhöhter Wachsamkeit. Eine entsprechende Liste der betroffenen Orte in Mecklenburg-Vorpommern werde erarbeitet. Eine akute Gefahr für die Menschen schließen die Behörden bisher aus. Eine potenzielle Gefährdung gehe von den hochansteckenden Erregern aber aus.

Eine Entwarnung kann nach Angaben der Behörden noch längere Zeit nicht gegeben werden. Die Inkubationszeit bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt 7 bis 10 Tage.  In einem Großbetrieb mit 115 000 Legehennen in knapp vier Kilometer Entfernung vom betroffenen Betrieb in Heinrichswalde wurden Proben genommen. Die Ergebnisse werden frühestens am Wochenende erwartet. Weitere 100.000 Masthähnchen stehen nahe Voigtsdorf im benachbarten Kreis Mecklenburgische Seenplatte.

Dazu läuft parallel auch die Bekämpfung von Ratten und Mäusen. So wurden Köder in dem Putenmastbetrieb ausgelegt, um die Tiere zu fangen, zu töten und zu untersuchen. Dies sei nötig, um die Wege einer Viren-Übertragung zu erforschen und eine Weiterverbreitung durch Nagetiere zu vermeiden.  Auch der Mist der Puten werde desinfiziert.

Keine Tiere in die Nahrungskette gelangt
Gefahren für den Verbraucher sehen die Behörden nicht. Es seien keine Tiere aus dem erkrankten Bestand geschlachtet worden und damit in die Nahrungskette gelangt.

Der deutsche Tierschutzbund macht die industrielle Tierhaltung für die Massentötung verantwortlich. Die Tiere hätten in den großen geschlossenen Ställen ein geschwächtes Immunsystem - Bedingungen, die die schnelle Ausbreitung des Virus befördern. „Quantität statt Qualität ist in solchen Betrieben das Motto”, sagte die Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes in Mecklenburg-Vorpommern, Kerstin Lenz. © dpa/aerzteblatt.de

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