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Medizin

NASH: „Gallen­säure-Agonist“ bessert Leberfibrose

Montag, 10. November 2014

St.Louis – Für Patienten mit einer nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH) deutet sich erstmals eine medikamentöse Therapie an. Der Farnesoid-X-Rezeptor-Agonist Obeticho­linsäure hat in einer multizentrischen Studie im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)61933-4) die histologischen Veränderungen in der Leber deutlich verbessert. Zu den Nebenwirkungen zählte allerdings eine Verschlechterung der Cholesterinwerte.

Als eine Folge der Adipositas (oder der zu ihr führenden beständigen hyperkalorischen Ernährung) gehört NASH zu den häufigsten Erkrankungen in den Industrieländern. In den USA sollen bereits 2 bis 5 Prozent der Bevölkerung unter NASH leiden. Weitere 10 bis 20 Prozent der Amerikaner haben eine nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), eine Vorstufe von NASH, bei der die Akkumulation von Fett jedoch noch keine Entzündung ausgelöst hat. NAFLD ist harmlos, doch ab dem Stadium NASH kann es zu einer allmählichen Fibrosierung der Leber kommen, an deren Ende dann eine Zirrhose steht.

Präklinische Studien haben gezeigt, dass die allmähliche Vernarbung der Leber möglicherweise durch eine Behandlung mit Obeticholinsäure verhindert werden kann. Obeticholinsäure wirkt als Agonist am Farnesoid-X-Rezeptor, der in der Leber die Bildung der Gallensäuren fördert, was komplexe Auswirkungen auf den Lipid- und Kohlenhydratstoffwechsel hat. Am Ende scheint Obeticholinsäure die Folgen einer Fettleber zu mildern. Der Wirkstoff wird derzeit auch bei der primär-biliären Zirrhose, der portalen Hypertension und der biliären Diarrhö von Morbus Crohn-Patienten untersucht.

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An der bisher größten Studie (FLINT) zur Behandlung von NASH nahmen an acht Zentren in den USA 283 Menschen teil, bei denen eine Leberbiopsie eine beginnende Fibrosierung mit einem NASH-Aktivitäts-Grad von mindestens 4 Punkten anzeigte (sowie wenigstens einem Punkt in den drei Komponenten Steatose, Ballonierung und Inflammation). Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer hatte einen Typ-2-Diabetes und bei einem Drittel der Patienten war es bereits zur Ausbildung von brückenbildenden Septen der Leber gekommen.

Die Patienten wurden doppelblind auf eine Behandlung  mit Obeticholinsäure (25 mg/die) oder Placebo randomisiert. Geplant war eine Studiendauer von 72 Wochen, doch bereits bei der ersten Zwischenauswertung stellte sich heraus, dass es unter der Therapie mit Obeticholinsäure mehr als doppelt so häufig zu einer Verbesserung des NASH-Aktivi­täts-Grads um mehr als 2 Punkte (und keiner Verschlechterung der Fibrose) gekommen war. Dieser primäre Endpunkt der Studie wurde im Obeticholinsäure-Arm von 45 Prozent der Patienten, unter der Placebobehandlung aber nur von 21 Prozent der Patienten erreicht.

Dennoch waren die Ergebnisse nicht eindeutig positiv. Obeticholinsäure hatte einen ungünstigen Einfluss auf die Cholesterinwerte mit einem Anstieg von Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie einem Abfall des HDL-Cholesterins. Diese Stoffwechselstörung könnte langfristig negative Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem haben, die deshalb in weiteren Studien besondere Beachtung finden. Von deren Ausgang wird es abhängen, ob Obeticholinsäure und wenn ja unter welchen Bedingungen zugelassen wird.

© rme/aerzteblatt.de

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