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Medizin

Parkinson: Stammzelltherapie vor klinischer Erprobung

Montag, 10. November 2014

dpa

Lund – Fast ein Vierteljahrhundert nach den ersten Transplantationen von fetalen Zellen in das Gehirn von Parkinson-Patienten, die später aufgrund ethischer Hindernisse und unklarer Ergebnisse nicht weitergeführt wurden, stehen erneut klinische Studien zur Stammzelltransplantation bei der degenerativen Hirnerkrankung an. Anlass sind die jetzt in Cell Stem Cells (2014; doi: org/10.1016/j.stem.2014.09.017) publizierten Ergebnisse tierexperimenteller Studien, die dieses Mal mit embryonalen Stammzellen vorgenommen wurden.

Im November 1992 hatten zwei Arbeitsgruppen aus Schweden und den USA ihre Ergebnisse zur Transplantation von mesenzephalen Zellen ins Striatum von Parkinsonpatienten vorgestellt. Hakan Widner von der Universität Lund hatte damals über eine deutliche Verbesserung bei zwei Patienten berichtet (NEJM 1992; 327: 1556-1563), während die Ergebnisse der zehn Patienten, die ein Team um Denis Spencer von der Yale Universität in New Haven behandelt hatte, eher durchwachsen waren (NEJM 1992; 327: 1541-1548).

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Seither sollen mehr als 400 Behandlungen durchgeführt worden sein. Die Therapie konnte sich jedoch nicht durchsetzen und nach zwei Negativstudien in den Jahren 2001 und 2003 wurden die Behandlungen weltweit beendet. Das Versagen der Therapie wurde später auf Schwierigkeiten zurückgeführt, ausreichend Zellen für die Transplan­tation zu gewinnen und die Stammzellen von anderen Zellen im Transplantat zu trennen, die möglicherweise eine störende Wirkung entfaltet haben könnten.

Mit der Entwicklung embryonaler Stammzellen ist das Interesse an einer Stammzell­therapie des Morbus Parkinson wieder gestiegen. Die Zellen werden jetzt nicht mehr aus Feten gewonnen, sondern aus befruchteten Eizellen. Sie können anders als die fetalen Zellen vor der Transplantation im Labor in unbegrenzter Menge hergestellt werden und Verunreinigungen durch andere Zellen sind ausgeschlossen. Seit es gelungen war, die embryonalen Stammzellen im Labor in dopaminerge Neurone zu differenzieren, konnten erste präklinische Experimente durchgeführt werden, deren Ergebnisse die Gruppe um Malin Parmar von der Universität Lund jetzt vorstellt.

Die Versuche wurden an Ratten durchgeführt, deren dopaminerge Neurone durch Injektion des Nervengifts Oxidopamin zerstört wurden. Die Forscher transplantierten den Tieren embryonale Stammzellen ins Striatum. Spätere Untersuchungen mit der Posi­tronen-Emissions-Tomographie zeigten, dass die Zellen die Prozedur überlebt hatten.

Nach etwa fünf Monaten hatte sich der Dopaminstoffwechsel in den Basalganglien wieder normalisiert. Außerdem hatten die aus den Stammzellen generierten Nervenzellen Verbin­dungen zu benachbarten Hirnregionen aufgenommen. Die histologischen Verän­derungen glichen denen einer Transplantation von fetalen Zellen, die die Forscher bei Tieren einer Kontrollgruppe durchgeführt hatten. Die mit embryonalen Stammzellen behandelten Tiere erholten sich nach Angaben der Forscher von motorischen Defiziten, die durch das Nervengift ausgelöst worden waren.

Die schwedischen Forscher betrachten die Ergebnisse als einen Durchbruch der Stamm­zelltherapie und als Voraussetzung für klinische Studien. Bereits in den nächsten Monaten sollen erste Patienten in Lund und an der Universität Cambridge in England behandelt werden. Die Forscher werden von den Netzwerken NeuroStemcellRepair und TRANSEURO mit EU-Mitteln unterstützt. © rme/aerzteblatt.de

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