NewsPolitikHerzkranker Junge liegt im Sterben
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Herzkranker Junge liegt im Sterben

Montag, 10. November 2014

Gießen – Nachdem die vor Gericht vergebens darum gekämpft haben, dass ihr Sohn auf die Warteliste für ein Spenderherz gesetzt wird, liegt der Zweijährige nun im Sterben. „Seine Gehirnfunktion hat sich noch mal dramatisch verschlechtert“, bestätigte ein Sprecher der Uniklinik Gießen. Die Eltern wollen ihn nun in die Türkei verlegen lassen, „damit er dort im Kreis seiner Familie sterben und beerdigt werden kann“, sagte der Anwalt der Familie.

Noch am Montag wurde der Junge ausgeflogen. Die Privatmaschine sei am späten Nachmittag von Frankfurt aus Richtung Istanbul gestartet, berichtete der Flughafen-Verkehrsleiter vom Dienst. Nach Angaben der Uniklinik Gießen war das Kind am Flughafen einem türkischen Ärzteteam übergeben worden.

„Wir bedauern sehr, dass aufgrund der schweren Hirnschädigung, mit welcher Muha­mmet Eren bereits am 31. März dieses Jahres aus der Türkei nach Gießen verlegt worden war, eine Herztransplantation nach deutschem Recht zu keinem Zeitpunkt infrage kommen konnte“, sagte der Ärztliche Geschäftsführer des Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Werner Seeger.

Anzeige

Der Fall des Jungen hatte eine emotionale Debatte um die Vergabe von Spender­orga­nen ausgelöst. Der Fall zeige, „dass der Rechtsschutz schwer kranker Patienten im System des deutschen Transplantationsgesetzes völlig unzureichend gewährleistet ist“, findet der Anwalt. Medizinethiker sind hingegen der Ansicht, dass die – viel zu wenigen – Spenderorgane jenen Patienten zugutekommen sollten, die die besten Aussichten haben, mit ihnen lange zu leben.

Der Hamburger Herzchirurg Hermann Reichenspurner, der in seinem Berufsleben bereits mehr als 300 Herzen transplantiert hat, verteidigte die Entscheidung der Klinik. Dass der Fall Emotionen ausgelöst habe, sei mehr als nachvollziehbar. „Sehr sinnvoll wäre es, wenn dadurch eine essenzielle Debatte angestoßen würde: Wie können wir in Deutsch­land eine höhere Rate an Organspenden erzielen?“, sagte der Mediziner © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER